„Kinder sollen nicht die sportlichen Ideen ihrer Eltern verfolgen, sondern ihren eigenen Weg gehen“

2015 durften junge Hockeyspieler beim Publikumsevent mit Botschafter Moritz Fürste trainieren.
Bereits 2011 zeichnete Moritz Fürste Vereine mit dem "Grünen Band" aus. Bild: picture alliance

2011 stand der Hockey-Nationalspieler und Olympiasieger Moritz Fürste erstmals für das „Grüne Band“ als Laudator auf der Bühne und konnte hautnah miterleben, wie vielseitig die Talentförderung des DOSB und der Commerzbank ist. Seit 2012 gibt er seine Erfahrungen als Botschafter bei den Prämierungsveranstaltungen an die „Spitzensportler von morgen“ weiter. Die Vorbildrolle könnte dabei nicht besser besetzt sein. Im Interview berichtet er über seine spannende Zeit zwischen Deutschland, Indien und Südafrika und erzählt uns, wie wichtig eine vielseitige sportliche Ausbildung im jungen Alter ist.

Hallo Moritz, du hast je im Augenblick einiges um die Ohren. Im Winter hast du in Indien gespielt, es ging für deinen Verein Uhlenhorster Hockey-Club Hamburg (UHC) um die entscheidende Phase in der Meisterschaft, du arbeitest bei einer großen Werbeagentur und mit der Nationalmannschaft stehen und standen zahlreiche Lehrgänge auf dem Programm. Und dann hast du noch deine Familie. Wie kriegst du das alles unter einen Hut?

Ich bin ganz gut in Selbstorganisation. Das ist übrigens etwas, was viele Sportler gut können. Das habe ich jedenfalls festgestellt. Sport bedeutet auch Selbstdisziplin. Es macht ja nicht immer Spaß, morgens um 7 Uhr bei Regen seinen Lauf zu machen. Es muss aber sein. Also macht man es und gewöhnt sich an solche Abläufe.

Trotzdem fiel dir dein Engagement zum Jahresbeginn in Indien diesmal schwerer als in den beiden Jahren zuvor?


Ja, das muss ich schon sagen. Es war schließlich das erste Mal, dass ich über einen Monat lang von meiner kleinen Tochter getrennt war. Das war schon hart. Das kannten wir ja beide nicht. Zumal ja danach noch ein Trainingslager mit der Nationalmannschaft in Südafrika anstand. Sportlich war die Zeit in Indien allerdings top. Ich habe diesmal bei den Kalinga Lancers in Bubaneshwar im Nordosten Indiens gespielt. Wir haben das Endspiel erreicht, aber leider verloren. Wir hatten exzellente Trainingsbedingungen, ich konnte viel Spielpraxis sammeln. Das war sehr gut.

Hast du deine Tochter denn schon im Sportverein angemeldet?

Na ja, die ist jetzt etwas über ein Dreivierteljahr alt. Das braucht noch ein bisschen Zeit mit dem Sport (lacht). Ganz grundsätzlich finde ich eine sportliche Früherziehung wie Mutter- und-Kind-Turnen oder Babyschwimmen gut. Je früher die Kleinen ein Körpergefühl entwickeln, rückwärts laufen, kriechen, einen Ball kullern und so weiter, desto besser ist das. Eine Spezialisierung auf eine Sportart kann sehr, sehr viel später erfolgen. Hauptsache, die Bewegungsgrundlagen sind gelegt.

Du selbst hast als Jugendtrainer beim UHC Kinder betreut.

Ja, das hat mir auch sehr viel Spaß gemacht. In den Hockeyclubs haben wir auch schon sehr früh darauf geachtet, dass die Kleinen sehr vielseitig sportlich ausgebildet werden und eben nicht nur Hockey spielen.

Das hat doch manchen Eltern sicher nicht gefallen oder? Die haben ihr Kind doch nicht zum Hockey geschickt, damit es Purzelbäume lernt...
 

Aber wenn das Kind lieber Purzelbäume mag... Nein, im Ernst: wichtig ist, dass die Kinder sich ausprobieren, dass sie den Sport finden, der ihnen am meisten Spaß macht. Und wenn es heute Hockey ist und morgen Judo und übermorgen Tennis... gut so. Die Kinder sollen nicht die sportlichen Ideen ihrer Eltern verfolgen, sondern ihren eigenen Weg gehen. Das Schlimmste was passieren kann ist, dass sie zu einer Sportart gedrängt werden, die ihnen keinen Spaß macht – und dann hören sie irgendwann völlig mit Sport auf.

Du selbst hast auch den Sport gewechselt?

Nein, aber ich habe mich halt irgendwann auf eine Sportart konzentriert. Vor allem, weil ich ein großer Anhänger von Mannschaftssport bin. Ich habe früher recht intensiv Tennis gespielt, aber ich muss sagen, dass das sportliche Erlebnis in der Gruppe viel schöner ist. Dieses Gefühl, gemeinsam ein Ziel erreicht zu haben und auch verantwortlich für die Mitspieler zu sein. Da kannst du eben nicht ein Spiel einfach laufen lassen, nur weil du heute vielleicht nicht gut drauf bist. Dann würde man die Mitspieler ja im Stich lassen.

Du hast in der Vergangenheit oft betont, wie wichtig insbesondere die Nachwuchsarbeit in den Vereinen ist. Deshalb bist du ja schon im fünften Jahr Botschafter beim „Grünen Band“.  


Ja klar. Und, auch wenn das jetzt vielleicht etwas „großväterlich“ klingt: es geht auch um die Gesundheit der Jugendlichen. Wir haben schon viel zu viele übergewichtige Kinder. Außerdem lernt man im Sportverein soziale Kompetenz, lernt mit Erfolg und Misserfolg umzugehen. Das habe ich aber schon oft gesagt. Und nicht zu vergessen: Sport leistet auch unheimlich viel für die Integration. Gerade jetzt sind Sportvereine oft die ersten, die Flüchtlinge aufgenommen haben, ihnen etwas Abwechslung bieten, ihnen helfen, bei uns anzukommen. Das finde ich großartig.