Schwitzen im Sommer für den Erfolg im Winter: Für Frederik Norys ist das in diesen Monaten Alltag. Im Mai fuhr der 20-Jährige sein letztes Rennen, inzwischen ist der Schnee geschmolzen und die neue Saison startet erst wieder Ende November. An Pause ist für Norys jedoch nicht zu denken – auch, wenn die Skier zunächst im Schrank bleiben.

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Deutsche Meisterin, Olympiasiegerin und zahlreiche Siege in Weltcuprennen: Skirennläuferin Viktoria Rebensburg fährt seit zehn Jahren in der internationalen Spitze mit. Im Interview spricht die 26-Jährige, die seit ihrer Jugend für den SC Kreuth startet, über Ziele, Motivation und die Jugendarbeit ihres Heimatvereins.

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Er ist das aufstrebende Talent in der Hockey-Szene: Timm Herzbruch vom HTC Uhlenhorst-Mülheim feierte 2015 sowohl den EM-Titel mit der deutschen U18-Auswahl als auch sein Debüt in der A-Nationalmannschaft. Im Interview spricht der 18-Jährige über seinen rasanten Aufstieg und seinen großen Traum von Rio.  Bild: HTC Uhlenhorst-Mülheim

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Als der TSV Bayer 04 Leverkusen 2002 mit dem „Grünen Band“ ausgezeichnet wurde, war er als Trainer aktiv: Paralympics-Sieger im Standvolleyball und Vizepräsident des Deutschen Behindertensportverbandes, Dr. Karl Quade spricht im Interview über die Anfänge der Jugendarbeit und die Bedeutung von Vorbildern, die bei den Paralympics erfolgreich sind. Bild: picture alliance / DBS

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Dank guter Jugendarbeit in die Weltspitze: Wasserspringer Patrick Hausding hat es geschafft. Der mehrfache Europameister und Olympia-Silbermedaillengewinner von 2008 startet seit seiner Jugend für den Berliner TSC, der 2014 mit dem „Grünen Band“ ausgezeichnet wurde. Im Interview spricht er über den Reiz des Wasserspringens und lobt die Nachwuchsarbeit seines Vereins. Bild: picture alliance

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Welch eine Steilvorlage für den Handball hierzulande: Die Nationalmannschaft hat mit jugendlicher Unbekümmertheit und unglaublichem Teamgeist bei der EM in Polen sensationell den Titel geholt. Einer der ‚Helden’: Kiels Eigengewächs Rune Dahmke – ein Paradebeispiel dafür ist, dass es sich auszahlt, dem Nachwuchs eine Chance zu geben. Bild: Heiner Lehmann - sportseye.de

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Mario Götze und Dirk Nowitzki: Die inzwischen hochdekorierten Sportler galten einst als große Talente. Doch was ist Talent eigentlich? Ein hochkomplexes Thema – so viel steht fest. Mehr dazu in der aktuellen Verlängerung.
Foto: Flensburg Akademie

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Von der Insolvenz zur Deutschen Jugend-Meisterschaft: Crocodiles-Vorsitzender Markus Ley im Interview. Bild: Pedro Cologne

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SC DHfK Leipzig: Sieben Auszeichnungen in 20 Jahren - und weiterhin erfolgshungrig. Bild: picture alliance

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Leidenschaft abseits der Medien: Wasserball-Talent Fynn Schütze ist in seinem Element.  Bild: Richard Schönebeck / DSV

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Kinderfußball: Fair-Play ohne Schiris – ein Konzept auf Erfolgskurs. Bild: Ralf Klohr

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Saskia Probst: Auf der Überholspur, aber mit Bodenhaftung durch die Handball-Welt. Bild: Redaktion Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach

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Archiv

Genesung, Prävention, Maximalleistung – reine Kopf- und Nervensache ...

Skeleton-spezifisches Augentraining: Lars beim Coaching mit der mehrmaligen Skeleton-Weltmeisterin und Weltcup-Gesamtsiegerin Marion Thees. Bilder: Focus on Performance
Lars beim Training mit Tatjana Hüfner, Rennrodel-Olympiasiegerin (2010), sechsmal Weltmeisterin, fünfmal Weltcupsiegerin.

Um im Spitzensport erfolgreich zu sein, müssen Jugendliche schon frühzeitig große Trainingsumfänge bewältigen. Technik, Athletik, Kraft – der Aufwand ist enorm, der Körper wird frühzeitig in den Hoch- oder gar Höchstleistungsmodus versetzt. Und das in der Wachstumsphase junger Menschen. Auch Verletzungen sind im Nachwuchsbereich keine Ausnahme mehr. Doch zahllose Wiederholungen und maximale Belastung sind nicht die entscheidenden Faktoren, die ans Ziel führen. Weder in Sachen Leistungssteigerung, noch in punkto Rehabilitation und Prävention. Im Gegenteil, meint Lars Lienhard (43). Der Sportwissenschaftler gilt im Bereich des sogenannten Neuroathletiktrainings als Geheimtipp. Als erster Neuroathletik-Coach in der DFB-Geschichte begleitete er die deutsche Nationalmannschaft zu einem Top-Event: Zur WM 2014 in Brasilien. Er plädiert für einen Perspektivwechsel. Auch im Umgang mit heranwachsenden Sportlerinnen und Sportlern. Im Interview erklärt er, warum.

Herr Lienhard, Sie sind Neuroathletiktrainer - was ist das?

Ich bin Sportwissenschaftler und arbeite an der Schnittstelle zwischen Neurowissenschaften und Athletiktraining. Die Bezeichnung Neuroathletiktrainer ist zu Teilen eine Wortneuschöpfung, die im Rahmen der WM-Vorbereitung 2014 mit dem DFB in Südtirol entstanden ist. Im Grunde genommen hat Oliver Bierhoff die Bezeichnung „Neuro-Trainer“ erfunden, um mich und meine Arbeit im Kreis der Nationalmannschaft vorzustellen, da es anfangs schwer zu umschreiben war, was genau ich mache. Ich finde, der Begriff Neuroathletiktrainer trifft es ziemlich gut, denn es geht um die neuronalen Grundlagen des Athletiktrainings.

Wie lautet Ihre Berufs-Maxime?

Lassen Sie es mich meinen ‚Grundgedanken’ nennen: „Du bist nur so stark wie deine schwächste Stelle!“ Das menschliche Bewegungssystem ist in seiner Komplexität so aufgebaut, dass alles miteinander verbunden ist, in Wechselwirkung zueinander steht und vom Gehirn und Nervensystem gesteuert wird. In Sachen Rehabilitation, Prävention und Athletiktraining wird sich bislang zu sehr auf die biomechanische Sichtweise verlassen und die neuronale Komponente missachtet. Leider. Dabei findet sich hinter sehr vielen Problemen fast immer ein neuronaler Hintergrund. Es läuft nichts ohne das Gehirn.

Sie plädieren für einen Perspektivwechsel.

Genau. Andernfalls bleiben etliche Prozente des individuellen Leistungspotentials zwangsläufig auf der Strecke – egal, wie intensiv man trainiert, die Muskulatur dehnt oder belastet. Die Erkenntnisse über das Gehirn und Nervensystem als bewegungssteuernde Instanzen und deren praktische Umsetzung gehören im Sport leider noch zu den meist ignorierten Grundlagen zur Verbesserung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Sie müssen aus meiner Sicht aber in den Vordergrund rücken und in ein ganzheitliches Athletiktraining integriert werden, man muss weg von der rein quantitativen Ausrichtung hin zu einer qualitativen. Damit erreicht man einen Quantensprung. Und bei jungen Sportlerinnen und Sportlern schafft man die Basis, sich auf gesundem, stabilen Weg in Richtung Leistungsmaximum zu bewegen. Denn die neuronale Komponente ist natürlich völlig altersunabhängig, insofern auch im Nachwuchsbereich elementar. Bei jungen Sportlern muss besonders auch in Wachstumsphasen der Fokus auf die Qualität der Bewegung gerichtet werden. Was hier
falsch antrainiert wird, schleicht sich falsch ein und führt zu Fehlern, die später korrigiert werden müssen – wenn sie als solche überhaupt erkannt werden.

Neuronale Komponenten – bitte erklären Sie diese etwas näher.


Okay, die bewegungssteuernden Instanzen sind: Erstens das visuelle System, also die Augen. An zwei steht das vestibuläre System, also das Gleichgewichtssystem im Innenohr. An dritter Stelle: Das propriozeptive System, also die Informationen aus der Körperperipherie. Wird durch eines dieser Systeme Gefahr erfasst, kommt es zu ‚Schutzmechanismen’, die immer leistungsmindernd wirken und den biomechanischen Defiziten und Problemen zu Grunde liegen. Darum ist auch die rein symptombezogene Behandlung von Schmerzen nicht ausreichend, nicht zielführend.

Ein Beispiel bitte.

Ist ein kleines Gelenk im Fuß nicht zu 100 Prozent unter neuronaler Kontrolle, werden die Muskeln, die daran ‚hängen’ und das Gelenk belasten würden, sozusagen ‚heruntergefahren’. Krafttraining zum Aufbau und zur Stärkung der ‚schwachen’ Muskeln bringt in diesem Fall rein gar nichts! Es geht nicht darum, dass ein Athlet schwach ist, sondern warum er es ist. Ergo würde Krafttraining nichts bringen, da die ‚Bewegungssoftware’ dadurch nicht verändert würde. In der Folge können zudem Schmerzen und Probleme auftreten – aber nicht zwangsläufig im Fußgelenk, sondern an anderer Stelle.

Soll heißen, neuronale Trainingskomponenten sind quasi ein ‚Software-Update’? Fehlerhafte Bewegungssoftware wird überschrieben?

So kann man das ausdrücken, ja. Um im Bild zu bleiben: Bewegung findet in erster Linie im Gehirn statt. Und die ‚Bewegungslandkarte’ im Gehirn wird über Stimulation des visuellen, vestibulären und propriozeptiven Systems erschlossen – heißt: ‚blinde Flecken’ werden durch ein ‚Bewegungssoftware-Update’ regelrecht ‚überschrieben’ und neutralisiert. Gerade im Nachwuchsbereich ist ja eine ganzheitliche Bewegungsausbildung von höchster Wichtigkeit. Falsches Training, falsche Belastung und die falsche Analyse von Schmerzen und deren Ursache kann bei Heranwachsenden fatale Folgen haben. Nicht selten soll ‚bis an die Schmerzgrenze’ trainiert oder gedehnt werden – das ist ein falscher Umgang mit den Signalen. Wird aber das Nervensystem richtig aktiviert, das am schnellsten agierende System im Körper, kommt es sehr schnell zur Bewegungsoptimierung, Schmerzlinderung und Leistungsverbesserung. Die Resultate sind unmittelbar fühl-, mess- und sichtbar – nicht erst nach Monaten wie bei biomechanischen Ansätzen.

Dieses Interview lesen Sportlerinnen und Sportler aus allen Bereichen. Darum nachgefragt: Eine Individualisierung bzw. Spezifizierung des Trainings ist vermutlich unabdingbar?


Natürlich. Erst einmal muss die aktuelle Bewegungsqualität analysiert werden. Dies impliziert auch eine genaue Überprüfung des Nervensystems. Trainingskonzepte müssen so individuell wie der Fingerabdruck der Sportlerinnen und Sportler sein.  Zudem ist ja auch der Faktor Techniktraining von großer Bedeutung. Unterschiedliche Sportarten und Disziplinen bringen schließlich unterschiedliche, spezifische Gegebenheiten mit sich.

Wie sieht Ihre Art des Trainings denn nun aus, worin liegen die Unterschiede zu den herkömmlichen Verfahren?


Dazu muss ich die zwei Konzepte gegeneinander stellen: das vorherrschende biomechanische und eines, welches die Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften mit einbezieht. Letztlich beinhalten alle etablierten Trainingssysteme und Lehren, auch die scheinbar noch so innovativen – zum Beispiel solche, die sich mit funktioneller Bewegungsanalyse, mit Faszien oder mit motorischen Grundmustern und Programmen beschäftigen – die Sichtweise eines Soll-Ist-Vergleichs, nach dem Motto „Das haben wir gefunden und das ist der mechanische Hintergrund“. Dieses Denken ist noch sehr an einer mechanischen Grundstruktur ausgerichtet. Doch der Mensch ist kein Roboter. Und der Heranwachsende erst recht nicht. Unser Ansatz betrachtet den individuellen und aktuellen Status quo des Menschen und versucht, die neuronalen Hintergründe für den jeweiligen Ist-Zustand zu finden – eine Analyse, die so individuell ist wie der menschliche Fingerabdruck.

Weitergedacht würde das in letzter Konsequenz bedeuten, dass man in Zukunft Stars regelrecht entwickeln – um nicht zu sagen: bauen – kann. Ist das eine zu abenteuerliche Vision oder eine logische Folgerung?


Das ist natürlich ein fast schon philosophischer Ansatz. Es klingt etwas befremdlich, für Romantiker vielleicht sogar abschreckend, aber letztlich kann man tatsächlich sagen: Sportliche Elite lässt sich kreieren. Übrigens fernab der Doping-Problematik. Eine für mich als Sportwissenschaftler und Trainer faszinierende Perspektive. Talent allein, das jedenfalls steht für mich fest, wird überbewertet.

 

Quelle: Medienmannschaft

Nachwuchsexperte Armin Kraaz: „Jugendfußball boomt dank WM-Triumph“

Armin Kraaz spielte zuerst selbst im Nachwuchs und später in der Bundesliga für Eintracht Frankfurt, leitet nun das Jugend-Leistungszentrum der Hessen. Bild: Eintracht Frankfurt

Mit dem WM-Titel 2014 in Brasilien haben sich die enormen Investitionen des DFB und der Vereine in die Nachwuchsarbeit hierzulande endgültig bezahlt gemacht. Ob es auch um die Zukunft des deutschen Fußballs ebenfalls gut bestellt ist, analysiert Armin Kraaz. Er selbst spielte zuerst im Nachwuchs und später in der Bundesliga für Eintracht Frankfurt, leitet nun das Jugend-Leistungszentrum der Hessen und sprach mit uns über die Bedeutung des WM-Triumphs für den Nachwuchsbereich.

Herr Kraaz, aus Sicht eines Experten, rund ein Dreivierteljahr danach: Wie wichtig ist der WM-Titel für den deutschen Fußball-Nachwuchs?

Bei aller direkten Freude über einen solchen Erfolg, am Ende des Tages ist die Langzeitwirkung der wichtigere Aspekt für uns. Der WM-Titel sorgt dafür, dass noch mehr Kinder, Mädchen wie Jungs, dazu motiviert werden, überhaupt mit dem Fußballspielen anzufangen. Das spiegelt sich natürlich nicht direkt in unseren Nachwuchsmannschaften bei der Eintracht wider, aber durch die zu erwartenden höheren Anmeldezahlen in den kleinen Vereinen profitiert in der Folge auch unser Leistungszentrum davon. Je mehr Neue sich anmelden, umso mehr Bewegungstalente sind auch dabei, die nicht bei anderen Sportarten landen.

Spüren Sie inzwischen auch eine größere Wertschätzung gegenüber Ihrer, respektive der Arbeit Ihrer Kollegen im Nachwuchsbereich?
Akzeptanz und Wertigkeit des Jugendfußballs haben hier bei Eintracht Frankfurt, aber auch insgesamt, enorm zugenommen. Alleine unser Interview jetzt hätte so vor zehn Jahren wahrscheinlich nicht stattgefunden. Natürlich erscheinen wir nicht jeden Tag in den großen Medien, aber das Interesse steigt stetig. Und auch international genießt unsere Arbeit spätestens seit dem EM-Titel der U21 im Jahr 2009, bei dem ja viele jetzige Weltmeister mit auf dem Platz standen, großen Respekt. Durch die WM im vergangenen Jahr erreichte das Interesse seinen Höhepunkt. Vor dem WM-Finale in Rio hatte ich beispielsweise Interview-Anfragen von englischen Radiosendern. Da hat offenbar auch der letzte gemerkt, dass sich hier in Deutschland viel getan hat.

Hat sich dadurch auch Ihr Aufgabenbereich vergrößert?
Es gibt mehr Anfragen von Seiten der Medien. Dazu fragen Universitäten wegen Vorträgen an und nicht zuletzt schicken immer mehr ausländische Fußballverbände Delegationen, die sich über unsere Nachwuchsarbeit informieren wollen.

Da wird inzwischen also schon ganz offiziell „Werksspionage“ betrieben?
Es ist ja nur logisch, sich da zu informieren, wo es gut läuft. Das machen die Eintracht und der DFB aber genauso. Was sich bei uns als Eintracht Frankfurt zudem bemerkbar macht, ist die räumliche Nähe zur DFL, die ja auch hier in Frankfurt sitzt. Wenn dort ein ausländisches TV-Team zu Gast ist, landet das häufig ebenfalls bei uns, um Bilder von der Nachwuchsarbeit zu drehen. Und natürlich sind auch immer wieder Verbandsvertreter aus dem Ausland dabei, die die DFL gewissermaßen zu uns schickt, um sie über die Konzeption und die infrastrukturellen Bedingungen des Jugendfußballs hierzulande zu informieren. Das macht auch mir Spaß, wenn wir koreanische, japanische oder afrikanische Delegationen hier zu Gast haben – und wir können unser Leistungszentrum ja auch vorzeigen. Durch die internationalen Kontakte ergeben sich aber ebenso für uns immer wieder neue Blickwinkel und auch Kooperationsmöglichkeiten wie Testspiele für unseren Nachwuchs. Insofern haben beide Seiten etwas davon.

Blicken Sie für uns doch einmal in die Zukunft des deutschen Fußballs …
Dafür muss ich in der Vergangenheit anfangen: Die Reform der Nachwuchsarbeit des DFB um das Jahr 2000 war dringend nötig. Damals investierten die wenigsten Vereine in die Jugendarbeit – die Eintracht, aber auch Leverkusen, Stuttgart, Freiburg und ein paar andere Klubs mal ausgenommen – weshalb Erfolge in der Nachwuchsarbeit früher eher zufällig waren. Die meisten Vereine zahlten lieber für einen fertigen Spieler, anstatt selbst auszubilden. Insofern waren die flächendeckenden Stützpunkte, die der DFB damals schuf, und auch die Auflagen an die Vereine, die Nachwuchsarbeit zu intensivieren, die entscheidenden Faktoren. Man muss schon sagen, wenn dieser riesige Verband DFB in Bewegung kommt und etwas umsetzt, kommt immer etwas Gutes dabei heraus. Der DFB hat sämtliche Möglichkeiten, solche Maßnahmen sehr gründlich durchzusetzen. Dadurch arbeiten die Nachwuchszentren heute professioneller als viele Profivereine vor zehn Jahren und deshalb ist der deutsche Fußball heute auf einem tollen Weg.

Dann dürfen wir auch künftig mit großen Titeln rechnen?

Deutschland wird mit Sicherheit eine gewichtige Rolle in der Zukunft des Weltfußballs spielen. Ob dann letztlich Titel dabei herausspringen, hängt jedoch von vielen Faktoren ab. Aber die Bundesliga boomt seit Jahren, die Nationalmannschaft ist eine echte Marke geworden und wird inzwischen sogar für ihren guten Fußball geschätzt. Der Jugendfußball an sich und die U-Mannschaften des DFB im speziellen sind ebenfalls erfolgreich. Nehmen wir Marc Stendera, den wir hier in Frankfurt seit seinem 14. Lebensjahr ausbilden. Marc ist letztlich aber nur ein Beispiel unserer erfolgreichen Jugendarbeit. Er wurde im vergangenen Jahr mit der U19 Europameister und ist inzwischen feste Kraft in der Bundesliga unter Thomas Schaaf. Deshalb sind Investitionen in die Jugend für uns immer auch gewinnbringend in der Zukunft.

Quelle: Medienmannschaft

Nachwuchsförderung an der Flensburg-Akademie: „Wie eine große Familie“

Jannek Klein (15) besucht das neue Internat in der Fördestadt. Foto: Ingrid Anderson-Jensen

Früh übt sich, im wahrsten Sinne des Wortes: Jannek Klein (15) besucht das neue Internat in der Fördestadt. Dort trifft er unter anderem auf Handball-Legenden wie Jan Holpert und Grit Jurack. Sein Traum ist die Bundesliga. Dafür steht er auch schon mal vor 06:00 Uhr auf.

Trainingsbeginn ist um 06:15 Uhr. Wenn seine Klassenkameraden sich morgens vor der Schule noch einmal im Bett umdrehen, steht Jannek Klein schon in der Sporthalle – und das freiwillig. Die Extraeinheit ist ein Angebot der Flensburg-Akademie und wird trotz der frühen Uhrzeit gut angenommen. Denn der Traum von der Handball-Bundesliga besitzt bei dem 15-Jährigen und seinen Vereinskameraden eine große Strahlkraft: „Mein Ziel ist es, dass ich irgendwann einmal bei den Großen mitspielen und mit dem Handball vielleicht sogar Geld verdienen kann“, sagt der 1,93 Meter große Linkshänder offen.

Klein wechselte 2014 von der HSG Schülp-Westerrönfeld zur SG Flensburg-Handewitt und läuft für die B-Jugend in der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein auf. Bei der Sichtung für die Jugendnationalmannschaft durch den Deutschen Handballbund (DHB) wurde er ins All-Star-Team berufen. Der Verein glaubt an das Talent des Linkshänders, sonst wäre er nicht auf dem Internat der Akademie. Klein weiß die Ehre zu schätzen: „Es bedeutet mir sehr viel, im Internat aufgenommen worden zu sein“, sagt Jannek. „Das war für mich eine große Ehre und es hat mich motiviert, weiter zu machen und mehr zu trainieren.“

Der Rückraumspieler ist eines von 19 Nachwuchstalenten der SG, die seit Anfang Januar in dem dreistöckigen Neubau der Akademie wohnen. Zu zweit teilen sie sich die Wohneinheiten, es gibt eine Gemeinschaftsküche und eine eigene Multifunktionshalle. Die Jungen sind zwischen 14 und 19, vier von ihnen kommen aus dem nah gelegenen Dänemark. Insgesamt erhielt das Team um Geschäftsführer Michael Döring 230 Bewerbungen für die 20 Plätze, sogar aus der Schweiz, Litauen und dem bosnischen Banja Luka meldeten sich Interessenten. „An der Akademie wollen wir jedoch in erster Linie Talente aus der Region fördern, die den Aufwand sonst nicht leisten könnten“, macht Döring den Schwerpunkt klar.

Denn die Akademie soll die Nachwuchsarbeit der SG auf eine neue Ebene heben. Hinter dem Projekt steht der Flensburger Jugendförderverein „get in touch“, die Akademie wurde auf Eigeninitiative ins Leben gerufen. Finanzielle Unterstützung vom Land gibt es nicht. „Wir haben hier optimale Rahmenbedingungen für die Ausbildung unserer Talente geschaffen“, freut sich Döring. Neben den 19 Internatsbewohnern profitieren auch die anderen Talente der SG von den Angeboten der Akademie - wie der Ernährungsberatung oder dem morgendlichen Training.

Die SG hat prominente Botschafter für die Akademie gewonnen: Torwartlegende Jan Holpert engagiert sich als Trainer und schwärmt von der Begeisterung der Jungen. Auch die deutsche Rekordnationalspielerin Grit Jurack und das Flensburger Eigengewächs Jacob Heinl sind als Botschafter aktiv. „Es findet eine gute Zusammenarbeit zwischen Bundesligamannschaft und Jugend statt, durch die wir hier in Flensburg immer näher zusammenrücken und das finde ich sehr positiv“, sagt der Champions-League-Sieger von 2014, der selbst von der E-Jugend an alle Jugendmannschaften des Vereins durchlief.

Tagsüber stehen den Internatsbewohnern mit Döring, Holpert und Jugendkoordinator Michael Jacobsen und SG-Leiter und Akademie-Geschäftsführer Sascha Zollinger vier Ansprechpartner zur Verfügung. Zudem kümmern sich eine Hauswirtschaftlerin und ein Erzieher um die Jungen. Die Betreuung geht dabei über das Sportliche hinaus: „Wir kümmern uns bei Bedarf um Nachhilfe, besuchen Elternabende an den Schulen oder begleiten die Jungs zu Arztbesuchen“, beschreibt Döring. Dass ihre sportliche Ausbildung nicht alles ist, wissen die Talente: „Ich musste oder muss noch viel lernen, weil ich den Stoff in der Schule noch nachholen muss“, sagt Klein, dessen Umzug in die Akademie auch einen Schulwechsel mit sich brachte. In diesem Punkt sind die Regeln an der Akademie strikt, denn „auch bei allem Talent kann sich keiner darauf verlassen, dass der Sprung in die Bundesliga gelingt – und selbst dann können sie ihr Leben nicht nur auf dem Handball aufbauen“, wie Döring betont. „Wir legen deshalb viel Wert auf eine vernünftige Ausbildung.“

Die Jungen lernen an der Akademie, für sich Verantwortung zu übernehmen – die für ihr eigenes Zimmer genauso wie die für die gemeinsam genutzten Räumlichkeiten. Es gibt einen Wochenplan für den Küchendienst, die Waschmaschine steht im Untergeschoss. Nachts sind die Talente allein in der Akademie: „Natürlich sind wir im Notfall erreichbar, aber die Spieler brauchen schon eine gewisse Selbstständigkeit“, so Döring, der zufrieden feststellt: „Es funktioniert ganz gut.“

Auch Klein hat sich inzwischen daran gewöhnt, nicht mehr bei seinen Eltern zu wohnen: „Es war am Anfang etwas schwer, aber ich habe von den anderen Internatsbewohnern  und den Betreuern sehr viel Hilfe bekommen“, erinnert sich der 15-Jährige. „Jetzt ist das alles Alltag und leicht; es gefällt mir hier sehr gut.“ Auch für das Zusammenleben findet der Rückraumspieler nur lobende Worte: „Es ist sehr locker, wir helfen uns untereinander und verstehen uns sehr gut. Es ist wie eine große Familie.“

Quelle: Medienmannschaft

Dem Traum vom Profifußball auf den Fersen

Erik Weinhauer ist eines der Fußballtalente in der Jugendabteilung des 1.FC Magdeburg, einem der 50 Preisträger des „Grünen Bandes für vorbildliche Talentförderung im Verein“ 2013. Bild: Nicole Otremba / Sportfotos Magdeburg

Erik Weinhauer ist gerade mal 14 Jahre alt und Fußballer in der Jugendabteilung des 1.FC Magdeburg – einem der 50 Preisträger des „Grünen Bandes für vorbildliche Talentförderung im Verein“ 2013. Im vergangenen Jahr wagte er den Wechsel auf das Sportgymnasium in Magdeburg. Ein erster Schritt in den Profifußball – aber auch eine echte Herausforderung für das junge Talent.

Rückblick: Sommer 2013. Ein Sportplatz in Osterburg/Sachsen-Anhalt. Nachwuchs-Sichtungstag des Fußball-Verbandes Sachsen-Anhalt. Gesucht werden die besten Talente des Jahrgangs 2001. Erik Weinhauer schnürt die Fußballschuhe. Er ist gerade mal zwölf Jahre alt, ein Junge mit blonden, kurzen Haaren. Vor ihm liegen Prüfungen im Jonglieren, Ballführung, Schnelligkeit und Torschuss. Erik spielt beim Blankenburger Fußballverein, trainiert gleichzeitig beim Stützpunkt Blankenburg, einem von zwei Nachwuchsförderkadern im Harz. Sein Ziel an diesem Tag ist klar: Er will 400 Punkte erreichen. Damit verbunden ist das Angebot des 1. FC Magdeburg, auf dessen Sportgymnasium aufgenommen zu werden. Und Erik schafft es.

Zurück in die Gegenwart: Erik, unlängst 14 Jahre jung geworden und sitzt im grünen Kapuzenpullover gemeinsam mit Vater Maik und dessen Lebensgefährtin Peggy Angerstein am Wohnzimmertisch in Blankenburg. Es ist ein Freitagabend, Erik ist gerade zurück von einer Woche Schule in Magdeburg. Er erzählt vom ersten Jahr auf dem Sportgymnasium, der Umstellung auf das Leben im Internat – weg von der familiären Geborgenheit: „Am Anfang war es cool von zu Hause weg zu sein. Aber das war alles noch so ein bisschen ferienlagermäßig. Da hab ich das noch nicht so richtig wahrgenommen, dass ich von zu Hause weg bin. Manchmal will man schon dorthin zurück. Außer wenn man richtig gute Freunde hat, aber das war letztes Jahr nicht wirklich so.“ Aus seiner Mannschaft gingen im ersten Jahr nur drei Spieler auf das Internat des 1. FCM. Der Rest wohnt in Magdeburg und Umgebung.

Trotzdem oder gerade deshalb hatte er es nicht leicht, Anschluss zu finden. Auch mit seinem ersten Zimmer-Nachbarn kam er nicht gut zurecht. Keine leichte Situation für einen so jungen Teenager. Aus seiner Perspektive gesehen wäre es phasenweise leichter gewesen, nach Hause zurückzukehren. Dort standen ihm freilich stets alle Türen offen. Aufgeben aber kam für Erik nicht in Frage. Er blieb. Denn auch das Internat und seine Trainer bewiesen Gespür, organisierten einen Zimmertausch: Jetzt hat Erik einen Zimmerkollegen, mit dem er gut zurechtkommt. „Ich bin jetzt mit unserem Torwart auf einem Zimmer, der ist cool. Wir unterhalten uns jeden Abend über Fußball und Schule“, sagt Erik mit einem Lächeln im Gesicht. Und auch sein Vater schaut erleichtert drein.

Der hatte einst den dreieinhalbjährigen Erik das erste Mal mit zum Fußballtraining genommen. Maik Weinhauer war bis zum Wechsel seines Sohnes zum 1.FC Magdeburg nicht nur Vater, sondern auch dessen Trainer beim Blankenburger FV. Inzwischen freut er sich mit Erik über dessen Erfolge. Zum Beispiel den Gewinn des Finow-Cups in seiner Altersklasse im letzten Sommer. Mannschaften wie Schalke 04, Borussia Dortmund und Juventus Turin haben die Magdeburger dabei hinter sich gelassen. Erik ist mittlerweile in die Mannschaft integriert. Der Zusammenhalt stimmt, mit den neu hinzugekommenen Internatskindern versteht er sich gut: „Wir sieben Internat-Besucher sind jetzt eine richtig gute Gruppe.“

Sechsmal trainiert Erik in der Woche. An den Wochenenden wird gespielt, in der Verbandsliga Sachsen-Anhalt – bemerkenswerterweise gegen zwei Jahre ältere Jungs. „Sonst wäre das ungerecht“, erklärt Peggy. Gleichaltrige hätten gegen die Talente-Auswahl keine Chance. Eriks Stammposition liegt im offensiven Mittelfeld, auf der sogenannten Spielmacherposition, hinter den Stürmern. Zu seinen Idolen zählen Barcelonas Lionel Messi und Michael Ballack. Ihnen eifert er nach. Er will Nationalspieler werden – allerdings erst mal ‚nur’ in der U15-Auswahl des DFB. Vater Maik erklärt die notwendigen Schritte dafür: „Dazu muss er weiterhin in der Landesauswahl von Sachsen-Anhalt in seiner Altersklasse spielen. Dann hat er die Möglichkeit, ins DFB-Schüler-Ferien-Camp im Sommer zu fahren. Dort werden die Jungs gesichtet für die U15-Nationalmannschaft.“ Und der Junior glaubt: „Wenn ich mich richtig anstrenge, denke ich, dass ich es vielleicht unter die ersten Hundert aus Deutschland schaffe“, glaubt Erik. Zum erweiterten DFB-Jugendkader gehören 120 Spieler.

Doch bei aller Zielstrebigkeit, bei allem Ehrgeiz, steht für Eriks Vater die schulische Ausbildung an erster Stelle: „Fußball gibt’s nur mit Abitur“, bekräftigt Maik Weinhauer. Auch der Sohnemann ist sich dessen bewusst: „Die Schule darf man nicht vernachlässigen. Ich finde, wenn man ein guter Fußballer sein will, muss alles passen.“ Auch Lehrer und Herbergsvater in Magdeburg werden das mit Freude vernehmen.

Quelle: Medienmannschaft

Basketballtalent Maximilian Krebs: „Ich lebe meinen Traum“

Maximilian Krebs gehört zu den großen Talenten im deutschen Basketball. Bild: Privat
Max durfte sein großes Vorbild Dirk Nowitzki bereits mehrmals treffen. Bild: Privat

Die Fußstapfen, die der „Herr Papa“ in der Sportszene hierzulande hinterlassen hat, sind nicht gerade klein. Daran ändert auch Maximilian Krebs’ beträchtliche Schuhgröße von 50 2/3 zunächst einmal nichts. Ehemaliger Handballprofi – einer der besten Abwehrspieler seiner Zeit –, Fernsehreporter und Bundesliga-Manager in Hamburg: Piet Krebs ist ein bekannter Mann. Heute doziert er an verschiedenen Medienakademien – und ist stolz auf den Junior. Der, so sagt er, sei „echt gut gelungen“.

Kann man wohl sagen: Max, 15 Jahre jung, gehört zu den großen Talenten im deutschen Basketball. Seit vier Jahren spielt der Schüler beim namhaften FC Bayern München, aktuell in der Jugendbundesliga. Vor Jahren hat er im Rahmen eines Preisausschreibens Superstar Dirk Nowitzki getroffen, persönlich und aus nächster Nähe. Inzwischen zieren zwei unterschriebene Original-Trikots des NBA-Champs die Wände seines Zimmers: Die Nummer 41 der Dallas Mavericks. Und das deutsche Nationaltrikot mit der 14. Außerdem ein ebenfalls handsigniertes Foto, auf dem Dirk und der damals fünfjährige Max zu sehen sind.

Im Interview spricht die im doppelten Sinne große Nachwuchshoffnung – Max ist passend zur Schuhgröße bereits zwei Meter ‚lang’ – über den Druck bei einem Topklub wie dem FC Bayern, sein Vorbild aus Amerika und die Bürde, einen erfolgreichen und bekannten Vater zu haben.

Maximilian, von den Mannschaften des FC Bayern München werden Titel quasi erwartet - ist das bei euch auch der Fall?
Natürlich wollen wir in die Endrunde um die Deutsche Meisterschaft kommen und als eine der vier besten Mannschaften in Hagen dabei sein. Das ist auch durchaus möglich, denn wir werden gut geschult. Und, ja: Bei Bayern steht man ab dem ersten Training unter Druck – man akzeptiert als Spieler von Bayern aber auch, dass der Verein hohe Erwartungen an einen hat. Die Trainingsintensität ist hoch. Sobald wir unkonzentriert sind oder das Training nicht so gut läuft, werden wir sofort wieder gepusht - oder vom Chef-Coach Berthold Bisselik mit Sonderübungen bestraft.

Ist es für dich schwierig, mit diesem Druck umzugehen?
Nein, denn wir werden ja nicht nur gefordert, sondern vom Verein auch viel unterstützt. Wir haben einen eigenen Physiotherapeuten und können auch die Trainer jederzeit ansprechen, wenn wir Probleme haben.

Spürt ihr – gerade bei Auswärtsspielen –, dass die anderen Mannschaften gegen euch besonders motiviert sind?
Viele Mannschaften wollen uns natürlich sehr gerne schlagen. Besonders in München sind wir nicht sonderlich beliebt, weil wir oft gewinnen. Wir werden auch häufig als arrogant bezeichnet, aber das finde ich eigentlich ein bisschen peinlich. Wir gewinnen durch gutes Training und nicht, weil wir die größten Vorteile haben. Natürlich holen wir uns gute Spieler, aber die wollen auch zu uns kommen.

Wie geht ihr in eurem Team damit um, wenn euch solche Etiketten wie ‚Arroganz‘ aufgeklebt werden?
Es herrscht oft eine Anti-Bayern-Stimmung – wir sind das inzwischen gewöhnt (lacht). In der U12 war es komisch, wenn man in die Halle kam und alle gesagt haben ‚Oh nein, nicht die Bayern schon wieder‘, aber inzwischen gehört das zum Wettkampf dazu. Wir können damit umgehen.

Was war dein bisher größer Erfolg?
Für mich persönlich war es die Berufung in den All-Star-Kader beim Leistungscamp der Nationalmannschaft. Dass ich es soweit geschafft habe, bedeutet mir extrem viel.

Das klingt, als wärest du überrascht von deinem Erfolg…
Das bin ich auch ein bisschen. Als ich angefangen habe, konnte ich wirklich gar nichts und habe deshalb oft an mir gezweifelt. Dass ich soweit gekommen bin, liegt daran, dass ich trotzdem immer weitergemacht und hart an mir gearbeitet habe. Außer mir sind nur noch zwei andere Spieler, mit denen ich zusammen angefangen habe, in meiner jetzigen Mannschaft. Alle anderen haben aufgehört. Einige haben es mit der Schule nicht mehr geschafft – wir trainieren immerhin fast jeden Tag, in den Ferien sogar zweimal täglich. Ich persönlich komme mit der Schule trotzdem gut klar. Das einzig schwierige Fach ist Mathe (lacht).

Welche Ziele hast du für deine Basketballkarriere?
Ich möchte irgendwann mal in der Profibundesliga spielen und, falls das klappt, auch versuchen, in ein Euro-League-Team reinzukommen. Ein Euro-League-Spiel mitzuerleben, wäre ziemlich cool.

Immerhin hat dir, wie uns dein Vater erzählte, Bayern-Profi John Bryant – der einzige Spieler des Vereins, der genau so große Schuhe hat wie du – unlängst persönlich ein paar Treter spendiert. Die ‚Großen’ kennen dich also bereits. Dein absolutes Vorbild aber ist Dirk Nowitzki. Er spielt in der amerikanischen NBA. Wäre der Sprung nach Amerika ein Traum?
So weit möchte ich jetzt noch gar nicht denken. Es ist extrem schwierig als Deutscher in die NBA reinzukommen. Ich werde darum erst einmal an mir arbeiten und viel trainieren. Aber klar: Falls ich irgendwann die Chance haben sollte, nach Amerika zu gehen, werde ich das auf jeden Fall machen.

Junge Sportler haben meist Vorbilder, an denen sie sich orientieren. Wie wichtig ist Dirk Nowitzki für dich?
Dirk Nowitzki ist der Grund, warum ich Basketball spiele. Ich habe ihn zweimal getroffen, er ist extrem nett und hat mich ziemlich beeindruckt. Ich fand ihn so faszinierend, dass ich mir nach dem Umzug nach München gedacht habe: Probierst du doch einfach auch mal Basketball aus. Ich war relativ dick und konnte wie gesagt eigentlich gar nichts, aber ich hatte in Patrick Taubert einen Trainer, der mich trotzdem bei sich in der Mannschaft behalten und mir viel beigebracht hat.

Dein Vater war als ehemaliger Handball-Bundesligaspieler ebenfalls sehr erfolgreich. War es für dich eine Belastung, einen so bekannten Vater zu haben. Schließlich kennt man ihn auch als Bundesliga-Manager und als TV-Journalist aus dem Fernsehen...
Am Anfang hatte ich schon Zweifel, ob ich nicht lieber Handball spielen soll, um meinen Vater stolz zu machen, aber das lag mir nicht. Inzwischen sehe ich aber, wie stolz mein Vater ist. Meine Eltern unterstützen mich, fahren mich zum Training und kommen zu jedem Spiel, wenn sie Zeit haben. Für mich gibt es inzwischen keinen Sport außer Basketball mehr, den ich machen möchte. Ich lebe ja so ein bisschen meinen Traum. Ich fahre oft mit der Mannschaft weg und bin bei Trainingscamps dabei, das ist ziemlich cool. Andere Jugendliche können das nicht, aber ich bin dabei.

Quelle: Medienmannschaft

Publikumssieger HTHC: „Glänzende Gegenwart“ und beste Zukunftsaussichten

Für den Harvestehuder Tennis- und Hockey-Club immer am Ball: Nachwuchstalent Emma Kremdahl im Spiel gegen LBV Phönix Lübeck. Bild: Harvestehuder Tennis- und Hockey-Club

Die 2014 von einem Erfolg zum nächsten eilenden Hanseaten denken beim Gewinn des Publikumspreises an einen anderen Hamburger Hockey-Verein und unterstreichen damit, welch außergewöhnlicher Verein der HTHC ist.

Der Harvestehuder THC hat das erfolgreichste Jahr seiner Vereinsgeschichte hinter sich. Die erste Herrenmannschaft holte das Triple, im Sommer wurde der Klub mit dem ‚Grünen Band für vorbildliche Talentförderung im Verein’ ausgezeichnet und im Dezember folgte der nächste Preis: Der HTHC wurde zum Publikumssieger 2014 gewählt. „Das war uns wichtig, weil wir ein starker Familienklub sind und das auch zeigen wollten“, unterstrich Präsident Cito Aufenacker die Bedeutung der Ehrung. Während der Hockeyclub die Prämie des Grünen Bandes bereits investiert hat, gab man den Preis des Publikumssiegers weiter - und sorgte so für strahlende Gesichter beim THC Altona Bahrenfeld.

Dort darf man sich nun, dank der tollen Geste des HTHC, in diesem Jahr auf ein Training mit zwei Olympiasiegern freuen: „Der Preis, der zu der Auszeichnung als Publikumssieger gehörte, war ein Training mit Moritz Fürste, dem Botschafter des ‚Grünen Bandes’. Da Moritz jedoch viermal im Jahr gegen den HTHC spielt und wir ähnlich erfolgreiche Spieler in unsere Reihen haben, war das für uns nicht der ausschlaggebende Punkt“, erklärte Aufenacker. „Deshalb haben wir dem DOSB und der Commerzbank gesagt, dass wir den Preis gerne weitergeben würden - und unseren Olympiasieger Tobias Hauke noch drauflegen.“ So lobte der HTHC mit dem Einverständnis der Organisatoren die Trainingseinheit mit den zwei Olympiasiegern für einen anderen Hamburger Hockeyverein aus. „Wir haben 15 Bewerbungen mit unfassbar tollen Geschichten bekommen“, freute sich Aufenacker. „Dass wir einem kleineren Klub in unserer Stadt vor Weihnachten so eine Freude machen können, ist natürlich wunderschön.“

Die 5.000 Euro für die Auszeichnung mit dem ‚Grünen Band’, hat der Hamburger Traditionsverein hingegen selbst investiert. „Natürlich haben wir das Geld gleich ausgegeben“, scherzte Aufenacker, wobei es ‚gut angelegt’ wahrscheinlich besser treffen würde. Anton Brinkmann und Karlotta Lammers, die beiden U16-Nationaltorhüter des HTHC, bekamen neues Equipment gestellt. Die weibliche A-Jugend wird im Februar an einem Vorbereitungsturnier in Barcelona teilnehmen; ein Teil der Reisekosten wurde über die Prämie finanziert. Zudem denkt man auch an den jüngeren Nachwuchs. Aufenacker: „Wir haben immer wieder hochtalentierte Kinder, deren Eltern den Hockeysport aber nicht ganz bezahlen können. Um ihnen das Spielen bei uns trotzdem zu ermöglichen, haben wir 1.500 Euro für den Förderverein beiseite gelegt.“

Derzeit spielen knapp 500 Kinder und Jugendliche Hockey beim HTHC, der sich längst als Spitzenklub etabliert hat. Die erste Herrenmannschaft, in deren Kader vier Eigengewächse stehen, wurde 2014 Deutscher Feldmeister, Euro Indoor Champion und gewann die Euro Hockey League. „Das Jahr 2014 war das erfolgreichste der 123-jährigen Vereinsgeschichte“, schwärmt Aufenacker. Doch es sind nicht nur diese sportlichen Erfolge, die den Vereinspräsidenten von einer „glänzenden Gegenwart“ sprechen lassen – auch die Auszeichnung für die Jugendarbeit bedeuten den Hamburgern viel: „Ich habe von alten Klubmitgliedern häufiger gehört, dass alle bisherigen Bewerbungen um das ‚Grüne Band’ gescheitert sind. Deshalb freut es mich natürlich umso mehr, dass wir es endlich geschafft haben“, hält der Präsident fest. „Da wir uns sehr auf unsere Jugend konzentrieren, ist diese Auszeichnung natürlich etwas ganz besonderes für uns.“

Die positive Entwicklung, die der Verein in den letzten Jahren genommen hat, bleibt in der Sportstadt Hamburg nicht unbemerkt: Der HTHC wurde im Dezember bei der Gala ‚Hamburger des Jahres 2014’ ausgezeichnet. Nach dem Triple war das HTHC-Team zudem vom Bürgermeister zum Rathausempfang eingeladen worden und hatte sich auf dem Rathausbalkon präsentieren dürfen: „Das gab es bisher nur bei den Fußballern und Handballern“, ist sich Aufenacker der besonderen Wertschätzung durch die Stadt bewusst. „Unten auf dem Rathausmarkt hatte sich die ganze HTHC-Familie versammelt und wir haben gemeinsam gefeiert -– das war ein echtes Highlight und eine ganz besondere Ehre für uns.“ Für den Präsidenten, der die Initiative für die ‚Hockeyhauptstadt Hamburg‘ ins Leben rief, ist es auch „ein Ausrufezeichen, wie stark unsere Sportart in Hamburg derzeit ist“.

Beim HTHC setzt man deshalb alles daran, das derzeitige Niveau zu halten. Zwei neue A-Lizenz-Trainer will der Klub einstellen, zudem wird ein neuer Platz gebaut, der im Sommer 2015 fertig sein soll. „Wir sind derzeit an der Kapazitätsgrenze angelangt – mit dem neuen Platz können wir wieder mehr Kinder aufnehmen“, erläutert Aufenacker seine Vorstellungen und betont: „Wir haben sauber gerechnet, alle Planungen stehen finanziell auf soliden Füßen.“ Doch trotz der Investitionen weiß der Präsident um die große Herausforderung, die dem HTHC bevorsteht: „Bei den Herren das Leistungsniveau zu halten, wird schwierig, da wir jetzt die Gejagten sind. Der Wettbewerb in Hamburg ist enorm hoch. Um mitzuhalten, muss sich jeder extrem anstrengen.“

Dank der erfolgreichen Arbeit der letzten Jahre wird man sich beim Triplesieger dabei jedoch auf die eigene Jugend verlassen können. Die zweite Herrenmannschaft, die in der Regionalliga spielt, besteht komplett aus Eigengewächsen; die Damen wollen sich – ebenfalls mit selbst ausgebildeten Spielerinnen in ihren Reihen – im oberen Drittel festsetzen. Ein großes Ziel hat man indes trotz der enormen Erfolge dieses Jahres noch, wie Aufenacker verrät: „In der Jugend wollen wir einen Wimpel holen, die große Auszeichnung der deutsche Meisterschaft. Darauf arbeiten wir hin.“

Quelle: Medienmannschaft


„Unschätzbarer Wert“: Vom Vorteil, als Spitzensportler Nachwuchstrainer zu sein

Die FZC Blau-Weiß Philippsburg bei der Preisverleihung des "Grünen Bandes" in Heidelberg. Bild: Picture-Alliance
Sie sind das Aushängeschild des FZC Blau-Weiß Philippsburg: die beiden A-Kader-Athleten Tom Ismer und Dominika Zagorski gewannen in Wien 2012 den Weltmeistertitel. Der 27-jährige Ismer ist einer der jüngsten Schwarzgurtträger des Vereins und engagiert sich als B-Lizenz-Trainer aktiv in der Nachwuchsarbeit. Bild:FZC Blau-Weiß Philippsburg

Der FZC Blau-Weiß Philippsburg, Gewinner des ‚Grünen Bandes’ 2014, beweist Weitsicht: Bei diesem Ju-Jutsu-Verein heißt Nachwuchsförderung auch: Trainernachwuchsförderung. Tom Ismer ist das beste Beispiel...

Wenn die Nachwuchskämpfer des FZC Blau-Weiß Philippsburg Tom Ismer lauschen, wissen sie genau, wie wertvoll, praxisnah und authentisch die Ausführungen ihres Trainers sind. Der 27-Jährige kann bei der Ausbildung der jungen Talente nämlich auf seine eigenen Erfahrungen zurückgreifen: Ismer ist selbst noch aktiver Athlet auf Spitzenniveau. Er wurde gemeinsam mit seiner Partnerin Dominika Zagorski 2012 Weltmeister im Bereich Duo Mixed und siegte 2013 bei den World Games in Kolumbien. Das Engagement im Nachwuchs ist für den Leistungssportler selbstverständlich: „Ich konnte früher selbst viel von meinen Vorbildern lernen – nun versuche ich unseren Nachwuchsathleten dieselbe Chance zu bieten, wie ich sie hatte.“

Dass der FZC seit Jahren zu den führenden deutschen Ju-Jutsu-Vereinen gehört, ist dementsprechend eng mit der Person Ismers verbunden. Seit 2002 betreibt der in Bad Cannstatt geborene Athlet seine Sportart bei den Philippsburgern, durchlief die Landeskader und reifte schließlich zum A-Kader-Kämpfer. Neben dem Weltmeistertitel als Höhepunkt, stehen gemeinsam mit Zagorski mehrere Deutsche Meistertitel in seiner sportlichen Vita. Als einer der jüngsten Schwarzgurt-Träger des Vereins gibt er seine Erfahrungen nun an die Jugend weiter, während er selbst noch aktiv auf der Matte steht.

Die Vorteile seiner ‚Doppelfunktion’ liegen für Ismer, der bereits lizenzierter B-Trainer ist, auf der Hand: „Da wir auch des Öfteren an internationalen Trainingslagern und Jugendbegegnungen teilnehmen oder uns einfach mal in anderen Ländern für Trainingseinheiten verabreden, können wir über den Tellerrand blicken“, erklärt der Weltmeister von 2012. „So sammeln wir interessante Erfahrungen, wie andere Nationen unseren Sport erlernen oder trainieren. Diese Tipps sind nicht nur für mich als Athlet, sondern auch als Trainer wertvoll.“

Wie wertvoll eine solche Ausbildung nah an der Praxis sein kann, hat Ismer einst selbst erfahren – seine Vorbilder und Trainer waren die Duo-Kämpfer Matthias Huber und Corina Endele, die 2006 Weltmeister wurden. „Ich konnte viel ihnen lernen, da ich Vorbilder zum ‚Anfassen‘ hatte“, erinnert sich der 27-Jährige. „Man kann Bewegungen und Abläufe einfach viel besser lernen und verstehen, wenn sie einem auf höchstem Niveau vermittelt und gezeigt werden. Das ist ein unschätzbarer Wert.“ Mit seinen Vorbildern von damals arbeitet Ismer auch heute noch zusammen – während Endele und Huber als Bundestrainer im Deutschen Ju-Jutsu-Verband tätig sind, ist ihr ehemaliger Schüler dort als hauptamtlicher Jugendsekretär angestellt.

Nebenbei bleibt Ismer jedoch noch genügend Zeit, sich um die knapp 50 Kinder und Jugendlichen zu kümmern, die beim FZC derzeit trainieren. „Wir versuchen, in unserem Verein ständig neue Impulse zu setzen, um unseren Sportlerinnen und Sportlern einen guten und abwechslungsreichen Mix aus ‚altbewährten‘ und neuen Methoden zu bieten“, umreißt er seine eigenen Ansprüche als Trainer. Das funktioniert: Ju-Jutsu in Philippsburg boomt. Zwölf Kämpfer des FZC gehörten 2013 den Bundes- und Landeskadern an und 2014 wurde der Verein – zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte – mit dem „Grünen Band für vorbildliche Talentförderung“ ausgezeichnet.

In die Trainingsarbeit mit dem eigenen Nachwuchs investiert Ismer viel Herzblut und Begeisterung. Er erklärt: „Ich durfte unter sehr vielen verschiedenen Trainerinnen und Trainern trainieren und konnte mir somit jeweils die für mich passenden Inhalte abschauen. Das kann ich heute in meine Trainingseinheiten einfließen lassen. Wenn man als Trainer mehrere Varianten der Technikvermittlung kennt, kann man diese zielgerichtet auf die jeweiligen Schüler anwenden.“ Dass es für Ismer in die Nachwuchsarbeit geht, zeichnete sich bereits früh ab: Seit 2006 ist der Philippsburger im Lehrteam der Deutschen Ju-Jutsu-Jugend tätig und trug dabei entscheidend zum Aufbau eines Juniorenteams im Verband bei.

Seinem Heimatverein ist er in all den Jahren trotzdem treu geblieben – und der FZC Blau-Weiß Philippsburg profitiert davon menschlich wie sportlich. Anna-Lena Sturm und Bianca Birn holten 2012 die Deutsche Meisterschaft im „Duo weiblich“ nach Baden-Württemberg, Tanja und Jasmin Ittensohn brachten im Sommer 2014 die Bronzemedaille von den Paris Open in ihrer Kategorie mit in die Heimat. Ismer und Zargorski gingen in der französischen Hauptstadt als Sieger von der Matte. Bei den Afrika Open in Tunis gab es für das Duo ebenfalls die Goldmedaille; Lara Korn und Mira Poppele holten einen weiteren Titel. Für Tom Ismer sind solche Erfolge immer gleich doppelt Grund zur Freude – als Trainer und Athlet. Und für seinen Verein die Bestätigung, dass Nachwuchsförderung auch Trainernachwuchsförderung bedeuten sollte.

Quelle: Medienmannschaft

Yvonne Li: Das Morgen zu Besuch im Heute

Yvonne LI ist die jüngste deutsche Badminton-Nationalspielerin aller Zeiten. Alle Bilder: Deutscher Badminton-Verband, Claudia Pauly

Ein Hamburger Teenager hat Badmintongeschichte geschrieben. Mit 16 Jahren wurde Yvonne Li zur jüngsten deutschen Nationalspielerin aller Zeiten. Und das ausgerechnet in ihrer Heimatstadt.

Da stand sie nun und hielt vor über 1.700 Zuschauern ihr Trikot in die Luft. „LI“ stand auf dem Rücken und vorne prangte der Bundesadler. „55 Euro“ lockte der Auktionator, „60, 65 – kommt Leute, dies ist schließlich ein historisches Stück.“ Und Yvonne Li lachte glücklich und freute sich, die 16-Jährige genoss den „historischen Moment“ in vollen Zügen. Beim Länderspiel gegen Japan durfte sie in ausverkaufter Halle in ihrer Heimatstadt Hamburg ein Stück deutsche Badmintongeschichte schreiben: Als jüngste Spielerin, die jemals für die deutsche Nationalmannschaft (der Erwachsenen) aufschlug. Und nun sollte also ihr Trikot versteigert werden.

„Die Atmosphäre war richtig geil“, schwärmte sie nach ihrem Debüt, „ich war vorher schon sehr nervös, aber es ist gut gelaufen, es war ein gutes Spiel.“ Das sie zwar gegen die Junioren-Weltmeisterin Akane Yamaguchi mit 0:3 Sätzen verlor, aber mit  – „ich bin nicht abgeschossen worden.“, humorvoll kommentierte.

Und außerdem ging es um Erfahrung, um Lernen, um die Zukunft. Das Morgen hatte im Heute vorbeigeschaut.
„Sie ist ein Ausnahmetalent, ihrem Alter weit voraus“, sagt Junioren-Bundestrainer Matthias Hütten, „sie lernt sehr schnell und ist für ihr Alter schon sehr professionell.“ Sie ist Junioren-Europameisterin U17 und Weltranglisten-Zwölfte in ihrer Altersklasse. Noch spielt sie im Regionalligateam für eine Spielgemeinschaft mit ihrem Stammverein HSV, „weil das meine Freunde sind und es viel Spaß macht“, aber eigentlich ist das schon eine Unterforderung: „Da gibt es nur noch eine ernsthafte Gegnerin für mich.“

Vater Li Wen Jun und Mutter Huang Xiao Mei waren einst aus Schanghai für das Studium nach Hamburg gekommen und sind geblieben. Durch sie kam die kleine Yvonne auch an den Badmintonsport. Der Vater war begeisterter Hobbyspieler, auch der fünf Jahre ältere Bruder Yang griff nach dem Schläger, da ist es wohl logisch, dass auch die Schwester mitmachen will, ihr Vater war ihr erster Trainer.
„Badminton ist cool, es ist in jedem Match anders“, beschreibt Yvonne ihre Faszination für den Sport. Begeisterung gemischt mit Talent, das sind die richtigen Voraussetzungen um in einem Sport etwas zu werden. „Irgendwann kamen die Erfolge“, sagt sie, „und der Spaß ist geblieben.“

Nach der zehnten Klasse musste sich die angehende Abiturientin (Notenschnitt 1,6) entscheiden: In Hamburg bleiben oder noch zwei Jahre bis zum Abi nach Mülheim gehen und dort im Internat des angegliederten Bundesstützpunktes die Karriere forcieren. Also Mülheim. Seit dem Sommer ist sie nun dort und fühlt sich wohl: „Ich habe mich gut eingelebt. Auch in der Schule geht es ganz gut.“ Von Montag bis Donnerstag trainiert sie sechsmal auf dem Badminton-Court, plus drei Krafteinheiten. Am Wochenende reist sie in der Regel nach Hamburg – oder zu internationalen Turnieren, die für ihre Leistungsentwicklung wichtiger sind als Ligaspiele. Europas Spitze ist auf jeden Fall ihr Ziel, sagt die Dritte der Deutschen Damen-Meisterschaften 2014. „An die Weltspitze wird es hart, da gibt es die ganzen Asiaten“, sagt sie, und muss angesichts ihrer Wurzeln herzlich lachen. Doch weil das so ist, ist für Yvonne Li auch klar, dass sie nach dem Abitur studieren wird: „Mit Badminton kann man schließlich nicht so viel Geld verdienen, dass man nach der Karriere ausgesorgt hat.“

Aber erst einmal will Yvonne Li austesten, wie weit sie denn so kommen kann. Der Weg wird lang, die Geduld und den Ehrgeiz aber bringt sie mit. „Olympia“, das wäre natürlich ein Traum. Wer weiß, wenn sie das schafft, dann wird das Trikot von ihrem Nationalmannschaftsdebüt 2014 tatsächlich eine unbezahlbar wertvolle Erinnerung.

Und die hat natürlich die Familie ersteigert.

Quelle: Andreas Hardt/Medienmannschaft

„Eine bessere Karriere hätte ich mir nicht wünschen können“

Urs Breitenberger ist einer der Besten seines Fachs. Bilder: Privat

Der gehörlose Tennisspieler Urs Breitenberger aus Andernach ist national wie international einer der Besten seines Fachs. Schon als Kind und Jugendlicher hat er sich nicht von seinen Zielen abbringen lassen. Und er hat noch einen großen Vorteil gegenüber der Konkurrenz: Die vorbildliche Talentförderung seines Heimatvereins, der 2013 dafür das ‚Grüne Band’ erhielt.

„Plop – plop – plop“: Von den Tennisplätzen des Andernacher TC dringt das Geräusch von aufschlagenden Tennisbällen herüber. Auf der vereinseigenen Anlage mit 18 Plätzen spielen Tag für Tag die rund 500 Mitglieder des rheinländischen Traditionsvereins, der 2013 mit dem ‚Grünen Band für vorbildliche Talentförderung im Verein‘ ausgezeichnet wurde. Eines der gut ausgebildeten Eigengewächse ist Urs Breitenberger. Der 26-Jährige trainiert bis zu fünfmal in der Woche auf den Plätzen des ATC, er ist hier groß geworden. Anders als seine Teamkollegen in der Oberliga kann Breitenberger die Anweisungen seines Trainers jedoch nicht hören – genauso wenig wie das Geräusch der Tennisbälle. Der mehrmalige Deutsche Meister, Vizeweltmeister und Deaflympics-Sieger ist gehörlos. Seit 20 Jahren jagt er den gelben Filzball übers Netz und ihm hinterher. Seine Beharrlichkeit dient jungen gehörlosen Tennisspielern und Athleten als Vorbild. Die Kids des ATC schauen zu ihm auf.

Selbst Sportler ohne Handicap können sich von Breitenberger inspirieren lassen. Denn: Wie bei jedem Athleten hat auch Breitenberger viel Training und Schweiß für seine Medaillen investiert. Sein Handicap erfordert teilweise sogar noch mehr Aufwand: „Da ich gehörlos bin, muss ich wegen des Gleichgewichts oft mehr trainieren als die Nicht-Behinderten“, so Breitenberger. „Ich brauche zudem manchmal länger, um den Rhythmus zu finden, kann nicht hören, ob ich den Ball perfekt treffe und spiele bei einer Netzberührung einfach weiter, weil ich diese nicht wahrnehme.“ Da er den Schlag des Gegners nicht hört, muss er zudem mehr mit den Augen arbeiten. Das sei schon ein Nachteil, störe ihn aber nicht. Ansonsten sind die Unterschiede nicht groß. Dass Breitenberger die Hand hebt, wenn der Ball ins Aus geht, fällt nicht auf – viele hörende Tennisspieler machen das inzwischen genauso.

Über seinen Onkel kam Breitenberger als Fünfjähriger zum Tennis, seit 1999 trainiert er beim ATC unter der Anleitung von Cheftrainer Sascha Müller. Ein Vereinswechsel kam nie in Frage: „Der ATC ist mein erster Verein und wird auch mein letzter sein“, ist sich das Eigengewächs sicher. Denn ohne den Verein und seinen Coach, betont er, „hätte ich nie eine so tolle Karriere feiern können. Ich bin Sascha extrem dankbar, dass er mich auf dieses Niveau gebracht hat.“ Die Anweisungen und Korrekturen liest Breitenberger seinem Trainer buchstäblich von den Lippen ab, die Kommunikation zwischen ihnen ist längst kein Problem mehr. Auch mit seinen Mannschaftskameraden versteht er sich bestens. Man spreche „sozusagen eine Tennissprache“, scherzt der Stammspieler der Andernacher Oberligamannschaft.

Dass er als gehörloser Tennisspieler bei den Hörenden mitspielt, ist keine Ausnahme: „Die sehr guten gehörlosen Spieler machen das alle“, erklärt Breitenberger selbstbewusst. Frust ist bei ihm nie aufgekommen. Daran, dass er zur Riege der Besten gehört, besteht kein Zweifel: Breitenberger ist A-Kader-Athlet des Deutschen Gehörlosen Sportverbandes (DGS), holte beispielsweise bei den Deaflympics – den Olympischen Spielen der Gehörlosen – in Sofia 2013 zwei Goldmedaillen. „Das war ein grandioser Erfolg und das größte Ereignis meiner Karriere“, zeigt er sich auch ein Jahr später noch überglücklich.

Auch abseits des Tennisplatzes durfte sich der Andernacher bereits über Auszeichnungen freuen: Breitenberger wurde 2013 zum ‚Gehörlosensportler des Jahres‘ im DGS gewählt und von Bundespräsident Joachim Gauck nach den Deaflympics 2013 mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet. „Die höchste Sportauszeichnung Deutschlands verliehen zu bekommen, war einfach unglaublich“, erinnert sich Breitenberger. „Es war eine tolle Erfahrung und mir fehlen die Worte, um sie angemessen zu beschreiben.“

Um so erfolgreich Tennis spielen zu können, hat Breitenberger seinem Sport vieles untergeordnet. Nicht nur als Teenager, sondern auch jetzt – als Erwachsener, der längst auf sein Berufsleben achten muss. Der finanzielle Aufwand für Material, Training und Reisen ist hoch, nicht alles übernehmen Sponsoren. Sein Arbeitgeber unterstützt den CAD-Zeichner hingegen so gut es geht: „Ich kann mir meine Zeit einteilen, weil meine Firma viel Rücksicht auf meinen Sport nimmt.“ Das Arbeitsverhältnis sei ausgezeichnet. Und sein Umfeld generell „einfach toll“, wie sich der Vorzeigeathlet freut: „Ich werde als Hörgeschädigter geachtet, im Beruf wie im Verein. Dass es so gut funktioniert, kommt nach meiner Erfahrung selten vor.“ Da seine Freundin selbst Leistungssport als Leichtathletin betreibt, ist das gegenseitige Verständnis groß.

Obwohl er mit Mitte 20 schon viel erreicht hat, ist Breitenberger noch „lange nicht satt“, wie er selbst sagt. Im Gegenteil: Der Andernacher hat große Ziele. „Ich möchte mich 2015 bei den Weltmeisterschaften in den ersten Siegerlisten verewigen, mit meiner ATC-Mannschaft in die Regionalliga aufsteigen und in der DTB -Rangliste bei den Hörenden unter die ersten 150 kommen“, umreißt Breitenberger seine ehrgeizigen Pläne. Letzteres sei vor allem zeitlich eine Herausforderung, da er die Turniere in der Woche nicht immer mit seinen Arbeitszeiten vereinbaren könne. Hadern aber kommt trotzdem für ihn nicht in Frage: „Eine bessere Karriere als meine, hätte ich mir nicht wünschen können.“

Quelle: Medienmannschaft