Verlängerung mit Dr. Michael Vesper und Dr. Dietrich Gerber vom DOSB

Sehr geehrte Herren – das Olympiajahr 2008 haben DOSB und Dresdner Bank dazu genutzt, der Nachwuchskampagne „Das Grüne Band“ neuen Schwung, neue Ideen und noch mehr Ausdruck zu verleihen. Sie beide gehören der Jury an, die über sämtliche Bewerbungen befindet – und von daher haben Sie auch den neuen Zusatzwettbewerb Dopingprävention begleitet und unterstützt. Ist diese Auffrischung ein Erfolg? Erreicht die Aktion die Vereine?
Dr. Michael Vesper: Davon bin ich überzeugt. Ebenso davon, dass das „Grüne Band“ eine sehr wertvolle Aktion ist. Als Chef de Mission bei den Olympischen Spielen in Peking konnte ich das aus nächster Nähe miterleben und erfahren. Ich begegnete vielen jungen Athletinnen und Athleten, die um Medaillen kämpften, ihren olympischen Traum verwirklichten und ja auch darauf zurückschauen konnten, irgendwann einmal entdeckt, gefördert und unterstützt worden zu sein. Ich denke da nur an Britta Heidemann, unsere Fecht-Olympiasiegerin, die ja auch der Jury angehört und bei mehreren Prämierungsveranstaltungen engagiert auf der Bühne stand, um auch etwas zurückzugeben.
Dr. Dietrich Gerber: Ja, da schließt sich gewissermaßen ein Kreis. Dass die Botschaft des „Grünen Bandes“ ankommt, erkennt man zudem an den Bewerbungen. Wenn ich mir deren Vielzahl und Qualität betrachte, liegt das für mich auf der Hand. Das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer gezielten Nachwuchsförderung ist absolut erkennbar. Die Entscheidungen waren oft hauchdünn, es war ein harter Wettstreit auf überwiegend hohem Niveau – das ist eine gute, eine vor allem gewünschte Entwicklung. Hinzukam natürlich der neue Impuls des Anti-Doping-Kampfes!
Dr. Vesper: Ja, vor allem die Integration des Themas Dopingprävention war uns wichtig: Diese drei Sonderpreise sind ein ganz wichtiges Signal zum richtigen Zeitpunkt. Talentförderung und Dopingbekämpfung kann man heutzutage nur noch im Zusammenhang betrachten.
Unlängst endete in Berlin der letzte von sechs Prämierungsevents. Die Tour ging quer durch Deutschland. Sind Sie zufrieden mit dem Verlauf?
Dr. Vesper: In Berlin endete in der Tat eine beeindruckende Serie von Preisverleihungen – man bekam sogar einen Vorgeschmack auf Weihnachten, da die Vereine ja nicht unerhebliche Preise entgegen nehmen konnten. Doch es geht ja nicht nur um den Scheck, sondern auch um die Anerkennung und eine gewisse Symbolik. Das Image eines Vereins wird schon sehr aufgewertet durch den Gewinn des „Grünen Bandes“.
Dr. Gerber: Ich empfand Berlin auch als würdigen Abschluss einer sehr unterhaltsamen, guten Tournee. Das Zusammentreffen mit den Aktiven und den Vereinen ist einfach sehr spannend und ein äußerst positiver Aspekt dieser Gala-Abende. Die jungen Sportlerinnen und Sportler und ihre Trainer oder Betreuer kennen zu lernen, über die man ja in den Bewerbungsakten so viel erfahren hat – das gefällt mir. Es ist dann immer meine größte Freude, in die strahlenden Augen der Kinder zu sehen und die stolzen Minen der Trainer und Betreuer zu betrachten. Oft hat man den Eindruck, sie hätten den „Oscar“ des Sports errungen - und das kann man ja auch so sehen.
Was hat Sie beide eigentlich dazu bewogen, Juror für das „Grüne Band“ zu werden?
Dr. Vesper: Entgegen manchen Gerüchten geht es mir nicht um die Farbe grün. Sondern ich finde, das "Grüne Band" ist eine tolle Idee, die unsere Vereine motiviert. Und deswegen wirke ich in der Jury mit.
Dr. Gerber: Wer viele Jahre in einem Bundesland zuständig für die Entwicklung und Förderung des Nachwuchsleistungssportes ist, weiß die Förderung und Anerkennung durch das „Grüne Band“ der Dresdner Bank zu schätzen. So ist es eine besondere Freude und Ehre, wenn man gefragt wird, in der Vergabejury mitzuwirken.
Nimmt Deutschland international eine Vorreiterrolle in punkto Talentförderung sowie im Kampf um „sauberen“ Sport ein, angesichts der Initiative "Das Grüne Band"?
Dr. Vesper: Ich denke schon. Das "Grüne Band" setzt da ein zusätzliches Zeichen. Wir nehmen diese Themen hierzulande schon sehr ernst. Allerdings sollten wir uns auch nicht überschätzen in Deutschland. Es ist ja nicht so, dass in anderen Ländern auf diesen Gebieten keine Initiative zu finden wäre.
Dr. Gerber: Den ersten Teil der Frage kann ich nicht beurteilen, da mir der internationale Vergleich fehlt. Beim Kampf um den sauberen Sport bin ich sicher, dass die Landessportbünde und der DOSB auf exemplarische Weise sich schon in frühem Alter der Athletinnen und Athleten um Aufklärung und Wirkung gegen Manipulation bemühen.
Wie nahe stehen sich – aus Ihrer Sicht der Spitzenfunktionäre – die Themen Talentförderung und Anti-Doping-Kampf? Stehen Sie gar im unmittelbaren Zusammenhang?
Dr. Vesper: Ich erwähnte es eingangs schon: Talentförderung und Anti-Doping-Kampf gehören eng zusammen. Doping fällt ja nicht vom Himmel. Man muss so früh wie möglich mit der Aufklärung beginnen. Je früher und entschiedener man mit dem Kampf gegen Doping anfängt, desto größer sind die Erfolgsaussichten. Darum verbinden wir die Talentförderung von Anfang an mit unseren Anti-Doping-Aktivitäten und der Prävention, die vor allem von der Deutschen Sportjugend getragen wird.
Dr. Gerber: Für mich kann und darf es Talentförderung nur unter der Bedingung null Toleranz dem Doping geben.
Inwieweit aber glauben Sie, dass die heutigen Strukturen und wirtschaftlichen Einflüsse im Spitzensport flächendeckend „saubere“ Wettkämpfe und Aktive noch zulassen?
Dr. Vesper: Wir sind dafür, dass unsere Athletinnen und Athleten sich weniger an Rekorden als am unmittelbaren Wettkampf orientieren. Ja, wir wollen sportliche Erfolge. Aber wir wollen, dass sie ohne Ausnahme saubere errungen werden. Ich gehe davon aus, dass dies mittlerweile dem letzten Athleten in jedem Verband klar ist.
Dr. Gerber: Prinzipiell ja. Das setzt aber voraus, dass sich alle Sportlerinnen und Sportler des Sportbetruges enthalten. Die Praxis beweist leider, dass dies eben flächendeckend noch nicht ausreichend erfolgt und deswegen die Bemühungen fortgesetzt werden müssen.
Herr Gerber, Sie als langjähriger Mann der Basis: Wenn Ihr Verein das Grüne Band für die Nachwuchsarbeit oder seinen Kampf gegen Doping verliehen bekäme und Sie könnten entscheiden, wie die 5.000 Euro eingesetzt werden – wofür würden Sie den Betrag investieren?
Dr. Gerber: Fast immer gibt es Defizite bei der Geräteausstattung in den Abteilungen – das wäre der erste Schwerpunkt. Oftmals können Trainingslager mangels finanzieller Möglichkeiten nicht oder nicht für alle Kinder durchgeführt werden, auch hier können die 5.000 € sehr helfreich sein.
Freuen Sie sich auf das „Grüne Band“ 2009?
Dr. Gerber: Ja, sehr. Wir sind beim DOSB schon gespannt auf die nächsten Bewerbungen und die Einblicke, die uns dabei geliefert werden. Ich freue mich auch auf die nächste Deutschlandtour ...
Dr. Vesper: ... die es hoffentlich in dieser Form wieder gibt. Man hat uns alle im positiven Sinne „Überzeugungstäter“ genannt – das ist so. Der nächsten Jurysitzung sehe ich mit Freude entgegen. Ich bin sicher, für das ganze Gremium zu sprechen, wenn ich sage: Allen Vereinen, die sich 2009 bewerben, viel Erfolg und Glück. Allein, sich mit dem Thema Nachwuchsförderung und Doping-Bekämpfung auseinanderzusetzen, ist eminent wichtig.
Sehr geehrter Herr Dr. Vesper, sehr geehrter Herr Dr. Gerber, ich bedanke mich für das Gespräch. Interview: FRANK SCHNELLER


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