Verlängerung mit Dr. Ulf Tippelt, Direktor Leistungssport im DOSB

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    Dr. Ulf Tippelt im Interview: "Eine Marke, die erhalten werden muss"

    Bei den „World Games“ in Taiwan hat Ulf Tippelt gerade wieder erlebt, wie hart Athleten für den großen Traum von einer Medaille trainieren – auch wenn es um nichtolympische Sportarten wie Karate, Bowling, Billard oder Drachenbootrennen geht. „Für die Sportler ist das Leistungssport, mit allen Entbehrungen, die dazugehören“, sagt Tippelt nach seinem Besuch in der zweitgrößten Stadt Taiwans, Kaohsiung. Nur, dass die Öffentlichkeit kaum etwas davon mitbekommt. Das ist bei einer olympischen Goldmedaille schon anders.
    Im April 2009 übernahm der 46 Jahre alte Sachse den Posten des Direktors Leistungssport beim DOSB. Tippelt, Doktor der Sportwissenschaft, war vorher seit 1991 als Geschäftsführer und Generalsekretär im Landessportbund Sachsen tätig. Der sportbegeisterte Familienvater brachte es im Volleyball bis in die höchste Spielklasse der DDR. Für die Homepage nahm sich Ulf Tippelt Zeit, die Fragen von Frank Heike zu beantworten.

    Seit wann ist Ihnen das Grüne Band ein Begriff?

    Seit den ersten Tagen meiner Funktionärstätigkeit. Ich erinnere mich an das Jahr 1991, als die Volleyballsparte meines Vereins TSV 76 Leipzig das Grüne Band verliehen bekam. Ich habe die Sparte damals ehrenamtlich geleitet. Ich habe auch danach als Generalsekretär des Landessportbundes Sachsen viele Verleihungen miterlebt. Es war immer eine herausragende Würdigung für die Vereine, ihre Arbeit im Nachwuchsleistungssport und die Talente selbst. Für die Motivation der Vereine, der Trainer, Übungsleiter und Athleten ist so etwas ungemein wichtig. Dass es dazu noch einen finanziellen Obolus gibt, rundet die Prämierung mit dem Grünen Band ab.

    Was ist für Sie eine sinnvolle Nutzung der 5000 Euro, mit denen das Grüne Band dotiert ist?

    Es gibt ja keine Zweckbindung. Aber meine Erfahrung ist, dass das Geld sehr verantwortungsvoll verwendet wird, und zwar vorrangig für den Sportbetrieb, Trainingslager oder auch für Mannschaftskleidung.

    Mit dem Grünen Band werden Nachwuchsathleten jeder Sportart aus allen Teilen Deutschlands geehrt. Für wie wichtig halten sie diesen Aspekt?

    Ich sehe das Grüne Band als einigendes Band um den deutschen Nachwuchsleistungssport herum. Es deckt regional die ganze Fläche Deutschlands ab und spricht alle Sportarten an. Auch in Sportarten, die nicht so im Fokus stehen, wird ja Talententwicklung betrieben. Das Grüne Band ist eine eingeführte Marke, die bundesweit bekannt und beliebt ist. Diese Marke verdient es, weitergeführt zu werden.

    Das Grüne Band verleiht Sonderpreise für den Anti-Doping-Kampf. Was halten sie davon?

    Diese Nuance für die Präventionsarbeit ist sehr wichtig. Es ist uns im DOSB ein zentrales Anliegen, junge Sportler für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren. Aufklärung muss in den Vereinen alters- und kindgerecht betrieben werden. Die Kinder und Jugendlichen sollen stark gemacht werden, nein zu sagen. Sie müssen wissen, dass es als Leistungssportler gewisse Regeln gibt, an die sie sich halten müssen. Das soll ein normaler Bestandteil der Prävention werden. Für die Vereine ist es wichtig, dass sich die Übungsleiter in Sachen Dopingprävention fortbilden, um den Kindern Auskünfte geben zu können.

    Kommen Sie in Ihrer Tätigkeit als Leistungssportdirektor eigentlich dazu, junge Sportler beim Training zu besuchen?

    Das würde ich gern tun. Aber dazu reicht bisher meine Zeit nicht. Ich erfahre eher von Trainern und Funktionären, wie es unseren Athleten geht.

    Jubeln Sie bei jeder deutschen Goldmedaille?

    Ich bin mit Sicherheit emotional dabei, wenn ich Wettkämpfe live oder im Fernsehen sehe. Aber als Verantwortlicher muss ich bei jedem Wettkampf sehen, wie die Voraussetzungen sind und versuchen, jede Leistung im Kontext zu sehen. Wir fragen uns, woran es gelegen hat, wenn es mal nicht für einen vorderen Platz reicht – war die Konkurrenz zu stark, oder hat jemand sein Niveau nicht ausgeschöpft?

    Die Öffentlichkeit will Medaillen!

    Das wollen wir auch. Aber oberstes Ziel ist, dass unsere Sportler in den Hauptwettkämpfen ihre besten Leistungen bringen. Die Öffentlichkeit hat berechtigte Erwartungen. Die medaillenlosen Sportler sind in den Medien meist nicht zu sehen, müssen deswegen aber nicht enttäuscht haben.

    Muss jemand bei Ihnen zum Rapport, der bei den Olympischen Spielen krass enttäuscht hat?

    Nein. Wir müssen die Dinge aber ansprechen, hinterfragen und auch hart diskutieren. Das machen wir mit den Sportdirektoren oder Bundestrainern. Hier ist unsere Verantwortung, tiefer rein zugehen in mögliche Gründe. Es ist nicht leicht, eine Leistung immer differenziert zu werten. In der Öffentlichkeit wird eine Endlaufteilnahme kaum honoriert, bei uns jedoch schon bewertet. Auch zum Beispiel  unter der Fragestellung: wie sieht es perspektivisch für diesen Athleten aus, später vordere Plätze zu erreichen. Jungen Sportlern muss man auch mal eine Bewährungsprobe bei großen Wettkämpfen geben. Wir sind ja gerade dabei, den Kader für die Olympischen Winterspiele in Vancouver 2010 zu diskutieren. Da stehen wir vor solchen Fragen.

    Haben Sie in jeder Sportart den Überblick, wer zur deutschen Spitze gehört und wer womöglich zu Olympischen Spielen fährt?

    Den müssen vor allem die Trainer und Verbände haben. Wir beim DOSB haben den Gesamtüberblick. Es ist von Sportart zu Sportart unterschiedlich, wie tief man reingehen muss.

    Zu welchem Sport zieht es sie?

    Mich persönlich nach wie vor zum Volleyball. Ich bin aber in vielen Sportarten zuhause. Durch meine sächsische Herkunft bin ich auch stark im Wintersport verwurzelt.

    Vancouver steht vor der Tür, und über die Olympischen Spiele 2012 in London wird beim DOSB längst diskutiert. Welche sind ihre Ziele für die kommenden Jahre?

    Wir wollen in Vancouver erfolgreich abschneiden, das heißt, den ersten Platz von Turin im Medaillenspiegel verteidigen. Die deutsche Mannschaft soll ein ordentliches Auftreten haben und dopingfrei bleiben. Für London wollen wir eine Mannschaft etablieren, die natürlich ebenso dopingfrei bleiben und am Ende unter den ersten sechs Nationen im Medaillenspiegel landen soll. Das Ziel ist Platz fünf. Für mich kommt hinzu, dass ich mir als Ziel gesetzt habe, gemeinsam mit meinen Kollegen den Spitzensport in Deutschland noch besser zu vernetzen und die Trainer besser auszubilden. Wir wollen neue Akzente bei der Traineroffensive setzen und das Berufsbild des Trainers aufwerten.

    Und wo sehen Sie das Grüne Band in fünf Jahren?

    Ich bin guter Hoffnung, dass es das Grüne Band in fünf Jahren noch gibt, um die Facette des Nachwuchsleistungssports weiter zu entwickeln. Ich hoffe, dass die Commerzbank die eingeführte Marke „Grünes Band“ weiter nutzt und dass es das Grüne Band nach nunmehr 23 Jahren noch weitere Jahre geben wird.