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Nachwuchsförderung an der Flensburg-Akademie: „Wie eine große Familie“

Jannek Klein (15) besucht das neue Internat in der Fördestadt. Foto: Ingrid Anderson-Jensen

Früh übt sich, im wahrsten Sinne des Wortes: Jannek Klein (15) besucht das neue Internat in der Fördestadt. Dort trifft er unter anderem auf Handball-Legenden wie Jan Holpert und Grit Jurack. Sein Traum ist die Bundesliga. Dafür steht er auch schon mal vor 06:00 Uhr auf.

Trainingsbeginn ist um 06:15 Uhr. Wenn seine Klassenkameraden sich morgens vor der Schule noch einmal im Bett umdrehen, steht Jannek Klein schon in der Sporthalle – und das freiwillig. Die Extraeinheit ist ein Angebot der Flensburg-Akademie und wird trotz der frühen Uhrzeit gut angenommen. Denn der Traum von der Handball-Bundesliga besitzt bei dem 15-Jährigen und seinen Vereinskameraden eine große Strahlkraft: „Mein Ziel ist es, dass ich irgendwann einmal bei den Großen mitspielen und mit dem Handball vielleicht sogar Geld verdienen kann“, sagt der 1,93 Meter große Linkshänder offen.

Klein wechselte 2014 von der HSG Schülp-Westerrönfeld zur SG Flensburg-Handewitt und läuft für die B-Jugend in der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein auf. Bei der Sichtung für die Jugendnationalmannschaft durch den Deutschen Handballbund (DHB) wurde er ins All-Star-Team berufen. Der Verein glaubt an das Talent des Linkshänders, sonst wäre er nicht auf dem Internat der Akademie. Klein weiß die Ehre zu schätzen: „Es bedeutet mir sehr viel, im Internat aufgenommen worden zu sein“, sagt Jannek. „Das war für mich eine große Ehre und es hat mich motiviert, weiter zu machen und mehr zu trainieren.“

Der Rückraumspieler ist eines von 19 Nachwuchstalenten der SG, die seit Anfang Januar in dem dreistöckigen Neubau der Akademie wohnen. Zu zweit teilen sie sich die Wohneinheiten, es gibt eine Gemeinschaftsküche und eine eigene Multifunktionshalle. Die Jungen sind zwischen 14 und 19, vier von ihnen kommen aus dem nah gelegenen Dänemark. Insgesamt erhielt das Team um Geschäftsführer Michael Döring 230 Bewerbungen für die 20 Plätze, sogar aus der Schweiz, Litauen und dem bosnischen Banja Luka meldeten sich Interessenten. „An der Akademie wollen wir jedoch in erster Linie Talente aus der Region fördern, die den Aufwand sonst nicht leisten könnten“, macht Döring den Schwerpunkt klar.

Denn die Akademie soll die Nachwuchsarbeit der SG auf eine neue Ebene heben. Hinter dem Projekt steht der Flensburger Jugendförderverein „get in touch“, die Akademie wurde auf Eigeninitiative ins Leben gerufen. Finanzielle Unterstützung vom Land gibt es nicht. „Wir haben hier optimale Rahmenbedingungen für die Ausbildung unserer Talente geschaffen“, freut sich Döring. Neben den 19 Internatsbewohnern profitieren auch die anderen Talente der SG von den Angeboten der Akademie - wie der Ernährungsberatung oder dem morgendlichen Training.

Die SG hat prominente Botschafter für die Akademie gewonnen: Torwartlegende Jan Holpert engagiert sich als Trainer und schwärmt von der Begeisterung der Jungen. Auch die deutsche Rekordnationalspielerin Grit Jurack und das Flensburger Eigengewächs Jacob Heinl sind als Botschafter aktiv. „Es findet eine gute Zusammenarbeit zwischen Bundesligamannschaft und Jugend statt, durch die wir hier in Flensburg immer näher zusammenrücken und das finde ich sehr positiv“, sagt der Champions-League-Sieger von 2014, der selbst von der E-Jugend an alle Jugendmannschaften des Vereins durchlief.

Tagsüber stehen den Internatsbewohnern mit Döring, Holpert und Jugendkoordinator Michael Jacobsen und SG-Leiter und Akademie-Geschäftsführer Sascha Zollinger vier Ansprechpartner zur Verfügung. Zudem kümmern sich eine Hauswirtschaftlerin und ein Erzieher um die Jungen. Die Betreuung geht dabei über das Sportliche hinaus: „Wir kümmern uns bei Bedarf um Nachhilfe, besuchen Elternabende an den Schulen oder begleiten die Jungs zu Arztbesuchen“, beschreibt Döring. Dass ihre sportliche Ausbildung nicht alles ist, wissen die Talente: „Ich musste oder muss noch viel lernen, weil ich den Stoff in der Schule noch nachholen muss“, sagt Klein, dessen Umzug in die Akademie auch einen Schulwechsel mit sich brachte. In diesem Punkt sind die Regeln an der Akademie strikt, denn „auch bei allem Talent kann sich keiner darauf verlassen, dass der Sprung in die Bundesliga gelingt – und selbst dann können sie ihr Leben nicht nur auf dem Handball aufbauen“, wie Döring betont. „Wir legen deshalb viel Wert auf eine vernünftige Ausbildung.“

Die Jungen lernen an der Akademie, für sich Verantwortung zu übernehmen – die für ihr eigenes Zimmer genauso wie die für die gemeinsam genutzten Räumlichkeiten. Es gibt einen Wochenplan für den Küchendienst, die Waschmaschine steht im Untergeschoss. Nachts sind die Talente allein in der Akademie: „Natürlich sind wir im Notfall erreichbar, aber die Spieler brauchen schon eine gewisse Selbstständigkeit“, so Döring, der zufrieden feststellt: „Es funktioniert ganz gut.“

Auch Klein hat sich inzwischen daran gewöhnt, nicht mehr bei seinen Eltern zu wohnen: „Es war am Anfang etwas schwer, aber ich habe von den anderen Internatsbewohnern  und den Betreuern sehr viel Hilfe bekommen“, erinnert sich der 15-Jährige. „Jetzt ist das alles Alltag und leicht; es gefällt mir hier sehr gut.“ Auch für das Zusammenleben findet der Rückraumspieler nur lobende Worte: „Es ist sehr locker, wir helfen uns untereinander und verstehen uns sehr gut. Es ist wie eine große Familie.“

Quelle: Medienmannschaft