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Saskia Probst: Auf der Überholspur, aber mit Bodenhaftung durch die Handball-Welt

Die bayerische Handballerin Saskia Probst, gerade mal 17 Jahre jung und Mitglied der Jugendnationalmannschaft. Bild: Redaktion Nordbayerische Nachrichten Herzogenaurach

Dass in den Mannschaftssporten besonders talentierte A-Jugendliche bereits bei den Erwachsenen ‚reinschauen’, ist nicht ungewöhnlich. Dass allerdings eine B-Jugendliche schon bei den ‚Großen’ mitmischt und Leistungsträgerin wird, kommt nicht alle Tage vor. Die bayerische Handballerin Saskia Probst, gerade mal 17 Jahre jung und Mitglied der Jugendnationalmannschaft, ist so ein – besonderer – Fall.

Rückblick: Wochenende im Frühjahr 2015 auf der Autobahn A3, irgendwo zwischen Herzogenaurach und der oberpfälzischen Domstadt Regensburg: Ein PKW auf der Überholspur. Familie Probst im Einsatz. Jetzt nur kein Stau, bloß kein Blitzer. Es eilt. Tochter Saskia muss zum Handballspiel. Ihr Team, die B-Jugend des ESV 27 Regensburg, wartet ungeduldig auf die junge Linkshänderin. Das gerade 17 Jahre jung gewordene Talent ist eine wichtige Akteurin beim frisch gekürten Bayernligameister aus Regensburg.

Probsts werden es rechtzeitig schaffen – auf den letzten Drücker. Immerhin: Aufwärmen muss sich die begabte und pfeilschnelle Rechtsaußen nicht mehr. Sie ist bereits auf Betriebstemperatur, kommt ja auch gerade aus der Handballhalle in Herzogenaurach. Dort hat sie die erste Hälfte des Bayernliga-Spiels mitgemacht, weil sie auch bei der TSH eine wichtige Akteurin ist, Leistungsträgerin – auch hier. Und dringend gebraucht wird. Bei den Erwachsenen, wohlgemerkt. Saskia ist ihre Torjägerin. Das ist sie zum damaligen Zeitpunkt aber auch bei den Mädels des ESV. Also, ruckzuck auf der Überholspur einmal quer durchs Frankenland und für beide Teams auf die ‚Platte’.

Auf diese Weise hat es die Flügelflitzerin mit ihren Regensburger Teamkolleginnen letzte Saison bis ins Final Four um die Deutsche B-Jugendmeisterschaft geschafft, mit den Herzogenauracherinnen den Klassenverbleib in der Frauen-Oberliga gestemmt und sich zur ersten DHB-Auswahlspielerin des Vereins gemausert. Mit ihrer flinken Spielweise und etlichen Treffern empfahl sie sich bei ihrem Debüt im Februar, während einer Länderspielreise der U17-Auswahl nach Norwegen, nachhaltig. Saskia wurde vom DHB gerade erst für das EYOF (European Youth Olympic Festival) im Juli in Tiflis nominiert. Und während der U17-EM im August in Mazedonien steht sie auf Abruf.

Den beträchtlichen Zeitaufwand nehmen die Probsts entsprechend gerne in Kauf. Sie sind ständig unterwegs. Haben letztes Jahr rund 20.000 km hinter sich gebracht. Etwa 1.300 Stunden jährlich ist Saskia auf Achse für den Handball, ihre Passion. Ist das noch Hobby oder schon so etwas wie ein Beruf? Berufung wohl eher. Denn vom Profistatus ist sie freilich weit entfernt. Die ganze Familie ist stolz auf den jüngsten Spross. Und die Tochter weiß um den Mehrwert ihres Doppelspielrechts: „Ich profitiere davon.“ Mit und bei den Gleichaltrigen stehe natürlich besonders die Spielfreude im Vordergrund, während Probst bei den Einsätzen für die TSH in der Bayernliga wesentlich intensiver gefordert werde, sagt sie. Außerdem hat sie einfach Spaß am Spiel – je mehr Einsätze, desto besser. Und darum fährt sie auch weiterhin zweigleisig: In Herzogenaurach trifft sie dabei nun auf Hans-Jürgen Kästl, den neuen TSH-Coach – und zuletzt Saskias Trainer beim Regensburger Nachwuchs. Nachdem der bisherige TSH-Chefcoach Udo Hermannstädter seinen Abschied erklärt hatte, legte Vater Probst die Leitung zu Kästl. Und weil der in Regensburg vom Doppelspielrecht für Saskia profitierte, unterstützt er das Job-Sharing-Modell auch weiterhin. Im Jugendbereich indes läuft die DHB-Auswahlspielerin künftig für das Bayernliga-A-Jugendteam des MTV Stadeln auf.

Der weibliche Handballnachwuchs hierzulande floriert. Nicht nur dank der auch medial bereits gefeierten, berühmten Töchter von Weltmeisterin Andrea Bölk und Ikone Stefan Kretzschmar, Emily und Lucie-Marie, die in Buxtehude und Leipzig ihr großes Talent unter Beweis stellen. Sondern auch, weil abseits solch großer Namen und der Branchen-Hochburgen junge Spielerinnen wie Saskia Probst nach oben drängen. Dass in den Mannschaftssporten besonders talentierte A-Jugendliche bereits bei den Erwachsenen ‚reinschauen’, ist nicht ungewöhnlich. Dass allerdings B-Jugendliche schon bei den ‚Großen’ mitmischen und Leistungsträgerinnen sind, kommt selten vor.

Keine Frage: Der frühzeitige Schritt in die Bayernliga der Erwachsenen – bereits als 16-Jährige warf sie dort wichtige Tore im Abstiegskampf – hat der Konterspezialistin gut getan. Ihre Entwicklung ist rasant. Vor der Spielzeit 2014/2015 war sie vom HC Cadolzburg in die höherklassigen Teams nach Regensburg und Herzogenaurach gewechselt, um neue Herausforderungen anzunehmen und ihr Talent weiterzuentwickeln. Ein paar Monate später bereits bekam sie die Einladung vom DHB nach Norwegen. „Damit hatte ich gar nicht gerechnet, denn bis dahin stand ich nur auf der Warteliste“, sagt Probst.

Ex-Trainer Hermannstädter war weniger überrascht: „Ihre DHB-Nominierungen hat sie zunächst ihrem großen Talent zu verdanken. Ebenso der vorzüglichen Aufbauarbeit in ihrem Ausbildungsklub Cadolzburg. Eine Bereicherung für ihre Entwicklung war natürlich zudem ihr Mitwirken in der Jugendmannschaft von Regensburg an der Seite vieler anderer Talente. Doch auch bei uns war sie aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken.“ Er verweist auf Saskias unnachahmlichen Instinkt, in der richtigen Sekunde in den Gegenstoß zu starten – Saskias gefährlichste ‚Waffe’ neben ihrer erfreulichen Unbekümmertheit.

Dass sie sich dabei ihre Bodenhaftung bewahrt, versteht sich für ihr Umfeld als auch für sie von selbst: In der Schule verfolgt Saskia ebenfalls beharrlich ihre Ziele. 2016 will sie ihr Abitur ablegen. Die Zeit auf den bayrischen Autobahnen und Landstraßen oder neuerdings auch die Freizeit am Rande der DHB-Maßnahmen mussten nicht selten für Hausaufgaben herhalten. Organisatorisch geht es gar nicht anders. Seit ihrem 17. Geburtstag Mitte Februar indes nimmt sie am Programm ‚Begleitendes Fahren’ teil, sitzt – wenn sie mal gerade nichts für die Schule machen muss – leidenschaftlich gern selbst am Steuer. Dass Stadeln nahe Fürth unmittelbar in der mittelfränkischen Nachbarschaft Herzogenaurachs liegt und sich wenigstens die Fahrdistanzen zum Training und zu den Heimspielen im Vergleich zu Regensburg deutlich verringern, ist eine günstige Begleiterscheinung. Die neue Strecke wird den Probsts schnell vertraut sein. Und auf der Überholspur dürfte Saskia Probst ohnehin bleiben – sinnbildlich.

Quelle: Medienmannschaft