Sportler entwickeln, Persönlichkeiten formen

Felix Koslowski, Frauen-Bundestrainer Quelle: Schweriner SC

Beim Schweriner SC steht die Entwicklung des Volleyball-Nachwuchses im Zentrum der Arbeit

Die drei Felder in der großen Volleyballhalle am Lambrechtsgrund sind an diesem Nachmittag gut gefüllt. Gemischte Schulgruppen, fast alle in Volleyballtrikots, nutzen die Arena, in der sonst die Profis des Schweriner SC spielen. In einem Segment wird blocken geübt, im hinteren Aufschläge, im mittleren spielen die Jugendlichen Uni-Hockey, eine Hockey-Variante mit leichtem Ball. Traumhafte Bedingungen für den Schweriner Volleyball-Nachwuchs.

Die Wege sind kurz. Denn um die Ecke liegt das Sportgymnasium mit seinem Volleyball-Schwerpunkt. Hier ist auch der 32 Jahre alte Felix Koslowski zur Schule gegangen. Für ihn ist es längst Normalität, dass er auf seinen Wegen durch die Arena ständig auf Volleyball-begeisterte Schülerinnen trifft. Schüler sind auch dabei, aber der Schweriner SC ist nun einmal das deutsche Aushängeschild in Sachen Frauen-Volleyball – und zusammen mit Berlin und Dresden die Kaderschmiede für talentierten weiblichen Nachwuchs.

Koslowski, Cheftrainer der Bundesliga-Mannschaft und seit Januar auch Frauen-Bundestrainer, sagt: „Nicht nur die Bedingungen sind hier gut. Die Mädchen sehen auch, was man werden kann, wenn man dran bleibt. Sie haben hier ihre Idole zum Greifen nahe.“ Denise Hanke, Lenka Dürr oder Maren Brinker sind für die 160 Kinder und Jugendlichen, die beim SSC Volleyball in der Jugendabteilung spielen, keine fernen Stars, sondern ganz reale Vorbilder. Ab der U12 beginnen hier die leistungsorientierten Wettkämpfe; vorher steht der Spaß am Spiel im Vordergrund. Wer den ganzen Weg zurücklegt, kann ein ganz besonderes Schweriner Konstrukt nutzen: die U20-Mannschaft hat als VC Olympia Schwerin ein Sonderspielrecht in der zweiten Bundesliga, ohne Auf- und Abstieg. „Hier kristallisiert sich heraus, wer wirklich bereit dazu ist, einen Schritt weiter zu gehen und eine Profikarriere ins Auge zu fassen“, sagt Bart-Jan van der Mark, Cheftrainer des VCO.

Im VCO wird der beste weibliche Nachwuchs an den Profisport herangeführt – auf verschiedenen Wegen. Die 18 Jahre alten  Marie Holstein und Michaela Wessely sammelten in der vorvergangenen Saison schon Erfahrungen in der Bundesliga-Mannschaft, bevor  sie nach  Erfurt und Köpenick gingen. Andere Mädchen wollen weiterspielen, aber nicht auf höchstem Niveau, sie suchen sich Klubs in der zweiten Liga. Wieder andere gehen nach dem Abitur mit einem Stipendium in die USA. Und einige beenden die Volleyball-Karriere auch in jungen Jahren, etwa aufgrund von Verletzungen.

Der SSC hat als Leuchtturmklub im Nordosten dabei eine besondere Verantwortung und immer die gesamte Person im Blick: „Wir wollen nicht nur Technik und Taktik der Mädchen verbessern. Gerade in diesem Alter verändert sich viel, die Mädchen entdecken, dass es mehr im Leben gibt als Volleyball“, sagt der Niederländer van der Mark, „Schule, Familie, Freunde fordern ihre Aufmerksamkeit, und es ist wichtig, die richtige Balance zu finden. Wenn es in einem der Bereiche nicht läuft, läuft es auch im Sport nicht rund. Das ist viel Arbeit für uns. Und zwar nicht nur in der Halle.“
Es ist auch erfolgreiche Arbeit – 2016 wurde die U20 des SSC Deutscher Meister; die U18 Dritter. Sieben Trainer und viele Assistenten kümmern sich um den SSC-Nachwuchs.

In Felix Koslowski haben die Schwerinerinnen zudem ein Eigengewächs als Chefcoach, der sich um Durchlässigkeit von unten nach oben bemüht. Auch wenn es schwer ist – denn auf diesem Niveau verdrängt schon mal eine namhafte Spielerin den Jungstar oder versperrt den Platz gleich ganz. Koslowski hat aber das große Ganze im Blick. Er trainiert die Frauen des SSC seit 2013, er ist hier geboren, hat auf dem Sportgymnasium sein Abitur gemacht, hat hier gespielt, er ist täglich in der Stadt unterwegs, oft mit seiner Freundin und den beiden Töchtern.
Sein Weg ist von Ehrgeiz gekennzeichnet, und Koslowski erzählt die Story freimütig: Als er 2006 beim Schweriner Erfolgscoach Tore Aleksandersen als Mädchen für alles in die Lehre ging, nachts in einem Einkaufszentrum saubermachte und quasi im Sportzentrum des SSC lebte. Die kleine Wohnung um die Ecke sah er nur zum schlafen – wenn überhaupt.

Demut, Neugierde, Mut, Arbeitseifer: Koslowski hat einige Antriebsfedern, die ihn dahin gebracht haben, wo er jetzt ist, und er ist viele Umwege gegangen, hat in Japan, Italien und in Suhl auch als Männer-Trainer gearbeitet. Dass ihn das zu einem Vorbild für viele junge Spielerinnen macht, versteht sich von selbst.