Den Inhalt dieser Seite:

Von der Insolvenz zur Deutschen Jugend-Meisterschaft: Crocodiles-Vorsitzender Markus Ley im Interview

2014 wurden die Cologne Crocodiles mit dem „Grünen Band für vorbildliche Talentförderung im Verein“ ausgezeichnet. Bild: Pedro Cologne
Crocodiles-Vorsitzender Markus Ley gibt uns im Interview einen kleinen Einblick in die Vereinsgeschichte. Bild: Privat
Bild: Privat

„Es gibt immer wieder Lücken, die aufgefüllt werden müssen“

2014 wurden die Cologne Crocodiles mit dem „Grünen Band für vorbildliche Talentförderung im Verein“ ausgezeichnet. Für den Verein war es eine ganz besondere und auch wichtige Auszeichnung, meldete sich damit doch einer der großen Player im deutschen Football nach einem Insolvenzverfahren zurück. Der Vereinsvorsitzende Markus Ley spricht im Interview über den Weg zurück zur Spitze, die Bedeutung des Ehrenamts und die Schwierigkeiten eines kleinen Vereins bei der Sponsorensuche und in Sachen Infrastruktur.

Herr Ley, als die Cologne Crocodiles 2014 mit dem „Grünen Band“ ausgezeichnet wurden, versprachen Sie: „Wir werden den Weg weitergehen“. Wie ist das in den vergangenen zwölf Monaten gelungen?

Unsere Erfolge geben die Antwort: Wir sind wieder Deutscher Jugendmeister geworden und haben damit den Titel verteidigt. Wir haben weiter in die Ausbildung der Trainer und der Spieler investiert. Von 45 Junioren-Nationalspielern, die in diesem Jahr Vize-Europameister wurden, hat unser Verein 15 gestellt - eine ziemlich gute Quote. Wir werden daher weiter dem eingeschlagenen Weg folgen: In die Jugend zu investieren, um irgendwann wieder so gute Spieler zu haben, dass wir in der German Football League GFL mitspielen können.

Wofür haben Sie die 5.000 Euro Preisgeld verwendet?

Vor allem in die Ausbildung unser Coaches – Lehrgänge für neue Trainer und Schulungen mit amerikanischen Kollegen, die neuestes Wissen nach Deutschland bringen. Ein Teil des Geldes floss auch in die Auswärtsreise zum Halbfinale der Deutschen Meisterschaft. Ich sage mal: In einer so kleinen Sportart wie der unseren, gibt es immer wieder Lücken, die gefüllt werden müssen.

Wie ist der Verein insgesamt finanziell aufgestellt?

Sehr gesund. Die Crocodiles gibt es als selbstständigen Verein erst wieder seit zwei Jahren und wir schreiben solide, schwarze Zahlen.

Nach dem Insolvenzverfahren, das den Verein in den Abgrund riss, ist das ja durchaus als Erfolg zu werten. Wie ist es Ihnen denn gelungen, die Crocodiles wieder aufzubauen - nicht nur finanziell, sondern auch sportlich?

Es war und ist ein langer Weg, so etwas geht nicht von heute auf morgen. Der Verein war damals komplett am Boden, als die Söhne von ein paar ehemaligen Spielern ins footballfähige Alter kamen. Diese elf- und zwölfjährigen Jungs wollten einfach nur Football spielen. Wir haben dann mit fünf, sechs Leuten 2008 begonnen, den Verein wieder aufzubauen – Stück für Stück. So entstand zunächst eine U14 und dann sagte irgendwer: Ich möchte auch wieder eine erste Mannschaft. Die musste nach der Neugründung in der sechsten Liga starten und ist nun in der zweiten Liga angekommen.

Wie funktioniert der Verein heute?

Unser Verein fußt zu hundert Prozent auf dem Ehrenamt. Der Verein wird von ehemaligen Spielern getragen, die mit dem Verein in den Neunzigern Deutscher Meister oder Vize-Meister geworden sind. Die hängen an dem Sport, die hängen an dem Verein, darum funktioniert es.

Sprich: Die Jugendspieler können von Trainern lernen, die früher dort gespielt haben, wo Ihre Talente noch hin wollen ...

Keine Frage: Da sind einige große Vorbilder dabei. Einige haben sogar in der NFL Europe gespielt und können ihre Erfahrungen nun an unseren Nachwuchs weitergeben.

Ein Thema im Sport ist immer das Sponsoring. Wie steht es damit bei Ihnen?

Das Wort Sponsoring ist ein großes Wort. Ich nenne es eher Mäzenatentum. Wir haben einige Mäzene – Freunde des Sports –, die unsere Hauptförderer sind. Wir als kleiner Verein können nicht einfach bei einem Unternehmen anklopfen und um Unterstützung bitten. Das funktioniert nicht. Lediglich für die Jugend können wir hin und wieder Fördergelder beantragen.

Gerade in einer Stadt wie Köln, wo Fußball und Eishockey so stark sind…

Genau. Alle Vereine in Köln stehen im Schatten des großen FC, da wird viel abgegrast. Es geht nur über persönliche Kontakte – wie man in Köln sagt: Ma' kennt sisch, ma hilft sisch (lacht). Das ist aber überall so. Das Gute ist jedoch, dass unser Netzwerk langsam größer wird. Die älteren Spieler kriegen Wind davon, dass es bei den Crocodiles wieder aufwärts geht und so wird der Verein Stück für Stück größer…

Gutes Stichwort: Was sind Ihre Ziele für die kommenden Jahre?

Wir wollen im Jugendbereich weiter so erfolgreich sein und mit der ersten Mannschaft in den nächsten ein, zwei Jahren den Aufstieg in die GFL schaffen. Außerdem müssen wir uns bessere Trainingsbedingungen schaffen. Zurzeit sind wir auf einem Platz ohne Flutlicht zu Gast und haben keinen richtigen Kraftraum, wie man ihn im Football eigentlich bräuchte. Wir haben daher eine Zeit von vier, fünf Jahre eingeplant, um für uns ein eigenes, kleines Leistungszentrum zu bauen und sind bereits in Gesprächen mit der Stadt Köln. Das wird das nächste langfristige Projekt.


Quelle: Medienmannschaft