Ein Projekt für den Nachwuchs – und mit viel Vision

Andreas Tourneau, Andreas Brinckmann, Adrian Wagner und Jürgen Hitsch (von links) sind sich einig.

Mit ihrer neu gegründeten Handball-Akademie will die HG Hamburg-Barmbek junge Talente fördern – vereinsübergreifend und mit umfassender Expertenhilfe. Der Gewinn des „Grünen Bandes“ ist Parallelziel für die Zukunft.

 

Was in Bregenz am Bodensee funktioniert, müsste auch in Hamburg nahe der Alster klappen. An der Handball-Akademie in der österreichischen Grenzstadt bildet der Verein A1 Bregenz seit Jahren seine Nachwuchsspieler aus, die Jugendlichen werden rundum betreut und gefördert. Ein ähnliches Projekt möchte nun auch die HG Hamburg-Barmbek verwirklichen.   „Ich war in Bregenz und habe mir die Akademie angeschaut und mit dem Leiter dort gesprochen“, sagt Andreas Tourneau. Der gelernte Betriebswirt ist seit 2008 als Event-Koordinator bei der HGHB und einer von drei „Vätern“ der geplanten Handball-Akademie. Zusammen mit Andreas Brinckmann und Jürgen Hitsch hat er das Projekt auf die Beine gestellt, das Konzept der Akademie entworfen und Sponsoren sowie Trainer geworben.

 

"Grünes Band" im Visier

Das Projekt scheint in guten Händen zu sein: Der Klub, der in dieser Saison aufgrund beträchtlicher Verletzungsprobleme aus der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein in die Hamburg-Liga absteigt, die Weichen für den Wiederaufstieg aber bereits gestellt hat, besticht durch ein gut strukturiertes Umfeld und umsichtiges Wirtschaften. Zunehmend geht es in Barmbek um die Talentförderung, weswegen die Verantwortlichen auch von einer in naher Zukunft  erfolgreichen Bewerbung um das „Grüne Band für vorbildliche Talentförderung“ träumen. „Wir haben uns mit den Anforderungen schon befasst, wollen aber erst einmal unsere Hausaufgaben machen und den Nachwuchsgedanken weiter etablieren“, sagt Tourneau.

 

Das neue Projekt ist ein wesentlicher Schritt in diese Richtung. An der Handballakademie der HGHB werden vorerst nur männliche Talente im Alter von 15 bis 23 Jahre gefördert. Eine Anschlussförderung an das Auswahltraining des Verbandes ist nicht ausgeschlossen. Eine Mitgliedschaft bei der HGHB ist dafür nicht zwingend notwendig: „Wir wollen vereinsübergreifend arbeiten. Wenn wir oder einer unserer Trainer einen guten Spieler sichten, sprechen wir mit dem Verein und bieten einen Platz in der Akademie an – ein Vereinswechsel ist aber keine Voraussetzung. Das ist uns ganz wichtig und bedarf bestimmt noch vieler Gespräche, aber ich bin sicher, dass wir die Vereine mit unserem Konzept überzeugen. Es ist ein Projekt mit viel Vision.“

 

Beim Training kooperieren

Drei Einheiten in der Woche sollen an der Akademie auf dem Programm stehen, zusätzlich zum normalen Mannschaftstraining in den Vereinen. Das Training wird in Stützpunktform ablaufen: montags Athletik, mittwochs Kraft, freitags Handball. Tourneau: „Es wäre unser Wunsch, dass die Vereine das Mannschaftstraining der betreffenden Spieler auf dienstags und donnerstags legen, damit jeder Spieler alle Einheiten wahrnehmen kann. Anders ist das nicht unter einen Hut zu bekommen.“ Die Trainingsintensität und die Belastung werden dabei dem Alter der Spieler angepasst. Das Handballtraining, das vor allem auf Individualtechnik ausgerichtet ist, wird in der Halle Langenfort am Margaretha-Rothe-Gymnasium stattfinden, der Heimhalle der HGHB. Das Krafttraining findet in Kooperation mit einem Fitnessstudio statt.

 

Das Fernziel sind laut Tourneau gute Handballer für den Erwachsenenbereich. „Wenn die Spieler in den Erwachsenenbereich kommen und es in ihren Vereinen keine höherklassigen Herrenmannschaften gibt, sie für uns aber eine Verstärkung wären, werden wir sie natürlich ansprechen und versuchen, für uns zu gewinnen. Wir werden keine Jugendspieler abwerben.“ Bei fünfmal Training in der Woche soll auch die Schule nicht zu kurz kommen. „Wir werden mit einem Nachhilfeinstitut zusammenarbeiten, sodass die Spieler bei Bedarf Unterstützung bekommen und nicht alleine dastehen“, erläutert Tourneau. Auch bei der weiteren beruflichen Laufbahn unterstütze die Akademie die Spieler: „Einige unserer Sponsoren bieten Ausbildungsplätze an, da können wir für die Spieler vermitteln. Und mit diesen Unternehmen gibt es dann auch die Absprache hinsichtlich der Ab- und Freistellungen für den Handball.“

 

Im ersten Jahr soll die Akademie mit einer Gruppe von maximal 15 Jugendlichen starten. Weder für die Talente noch für ihre Heimatvereine entstehen übrigens Kosten, das ganze Projekt ist durch Sponsoren finanziert. Die Akademie ist als gemeinnützige Unternehmensgesellschaft gegründet, bis auf die Trainer arbeiten alle ehrenamtlich. Auch eine komplette Ausrüstung wird den Spielern gestellt.

 

Vereinen die Skepsis nehmen

Womit die Verantwortlichen trotz des schlüssigen Konzepts wohl noch zu kämpfen haben werden, ist die Skepsis der anderen Vereine,  gepaart mit der Angst, ihre besten Jugendspieler und Leistungsträger der A- und B-Jugend an die HGHB zu verlieren. Für Tourneau zwar eine verständliche Sorge – doch er verspricht: „Wir wollen den Vereinen ihre Jugendspieler nicht wegnehmen, das betone ich noch einmal. Wir wollen den Talenten in erster Linie zusätzliche Trainingsmöglichkeiten bieten, die ihre Vereine ihnen nicht geben können. Das dient dem gesamten Leistungsniveau in Hamburg.“

 

Deshalb plant Tourneau bereits weiter. In wenigen Jahren könnte eine Kooperation sowohl mit dem Margaretha-Rothe-Gymnasium durch Handballklassen als auch mit dem Olympiastützpunkt eine Idee sein, genau wie die Einrichtung eines Teilinternats. Doch das ist – noch – Zukunftsmusik. Tourneau: „Wir warten jetzt erstmal den Start und die erste Zeit ab, dann sehen wir weiter. Wir werden uns finanziell nicht übernehmen und auch nicht gleich zu große Sprünge machen. Julia Nikoleit