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Nachwuchshoffnung Lea Stengel: Nur wenige Bahnen neben dem Superstar

24.04.2015

Die elfjährige Lea Stengel geht auf die Eliteschule des Sports in Berlin. Ihr Ziel: Irgendwann bei den Paralympischen Spielen dabei zu sein.

Die elfjährige Lea Stengel geht auf die Eliteschule des Sports in Berlin. Ihr Ziel: Irgendwann bei den Paralympischen Spielen dabei zu sein. Symbolbild: picture-alliance

Lea Stengel blickt einmal kurz hinüber, klettert auf ihren Startblock und konzentriert sich voll auf ihr Rennen über 50 Meter Brust. Im Wasser spielt es dann keine Rolle mehr, dass sie nur drei Bahnen von Jessica Long trennen. Die zwölfmalige Paralympicssiegerin gehört zu den absoluten Topstars bei den 29. Internationalen Deutschen Meisterschaften (IDM) der Schwimmer mit Behinderung und stellt zahlreiche neue Weltrekorde auf. So weit ist Lea Stengel freilich noch lange nicht. Schließlich ist die elfjährige Berlinerin bei der IDM eine der jüngsten Schwimmerinnen unter den fast 600 Athleten aus über 40 Nationen.

Doch das Nachwuchstalent zählt auch zu den Fleißigsten. Rund 20 Starts an vier Tagen stehen an. Heraus kommen am Ende einige Plätze auf dem Podest in den Jugendfinals. Irgendwann soll es dann gerne noch höher hinaus gehen. Vielleicht eine so steile und erfolgreiche Karriere wie Jessica Long. Dass Lea nur wenige Bahnen neben der US-Amerikanerin starten darf, findet sie „richtig cool. Ich bin auch schon zusammen mit Kirsten Bruhn geschwommen“, erzählt die Berlinerin. Es sind solche Momente und Konstellationen, die die IDM zu einem außergewöhnlichen Sportereignis machen. Erst trifft die Nachwuchshoffnung auf den Superstar, dann schwimmen Birgit Otto, Jahrgang 1940, sowie Annika Lekon, Nora Meister und Svenja Erni (allesamt Jahrgang 2003) in einem Lauf. Und nebenbei liefern sich die nationalen und internationalen Topathleten packende Duelle und stellen einen neuen Weltrekord nach dem anderen auf.

Ein Niveau, dass auch Lea Stengel vom Berliner Schwimmteam mal erreichen möchte. „Es ist schon mein Ziel, irgendwann bei den Paralympics dabei zu sein“, sagt die Elfjährige. „Vielleicht auch bei Olympia“, fügt sie leise an. Lea fehlen von Geburt an ihre Finger an der linken Hand. Das hindert sie zwar etwas daran, im Wasser Druck aufzubauen, doch so groß ist die Einschränkung nicht. Rund achtmal trainiert die Berlinerin pro Woche. Der Ehrgeiz zahlt sich aus. In den D/C-Kader hat es Lea Stengel bereits geschafft. Ein Vorteil ist, dass sie in Berlin die Eliteschule des Sports besucht, gemeinsam mit Mitschülern ohne Handicap. Die Tage sind lang. „Und auch manchmal ganz schön anstrengend. Aber mir macht das Schwimmen großen Spaß“,  sagt Lea. Schritt für Schritt will sie sich weiterentwickeln und vorankommen – um möglichst bald im Konzert der Großen mitzumischen. So wie ihr Vorbild, die 18-jährige Emely Telle, ebenfalls vom Berliner Schwimmteam. Die sehbehinderte Schwimmerin holte immerhin 2013 Silber bei ihrer ersten WM und ließ im vergangenen Jahr ebenfalls Platz zwei bei der EM folgen. Dass auch Lea Stengel immer mehr in Richtung Leistungssport unterwegs ist, bekam sie auch bei der IDM zu spüren: Die erste Dopingprobe ihres Lebens stand auf dem Programm.

Lob für ihre Entwicklung gibt’s von Trainer Phillip Semechin. „Lea ist ein großes Talent und trainiert sehr fleißig. Beide Faktoren zusammen sind eine ganz bedeutende Voraussetzung, um weiter voran zu kommen. Wichtig ist, dass immer eine Leistungsentwicklung zu erkennen ist. Der Rest kommt dann fast von ganz alleine“, erklärt Semechin. Und er muss es wissen. Schließlich ist der 29-Jährige im Rahmen der IDM von der Abteilung Schwimmen im Deutschen Behindertensportverband ganz frisch als Trainer des Jahres 2014 ausgezeichnet worden. Sportler des Jahres ist Sebastian Iwanow nach seinem gelungenen Comeback, Sportlerin des Jahres wurde Kirsten Bruhn, die ihre erfolgreiche Karriere im vergangenen Jahr mit EM-Gold beendet hatte.

Entsprechend schaute Bruhn dem Treiben in diesem Jahr nur von der Tribüne aus zu – und verfolgte dabei, dass auch am dritten Tag die Rekordjagd weiter fortgesetzt wurde. Vor dem Abschluss am Sonntag wurden sensationelle 40 Weltrekorde, 25 kontinentale und zwölf deutsche Rekorde aufgestellt. Für einen der neuen deutschen Rekorde war eine der Jüngsten verantwortlich. Die erst elfjährige Anna Krzyzaniak von der SG Remscheid sorgte über 200 Meter Rücken in 3:04,35 Minuten für den neuen Bestwert in ihrer Startklasse. Neben Lea Stengel also ein weiteres Nachwuchstalent, das Hoffnung macht.

 

Quelle: Deutscher Behindertensportverband / dbs-npc.de