„Eliteschulen des Sports sind nötig..." - Interview mit Dr. Neumes

Seit fast 24 Jahren ist Dr. Neumes Schulleiter in Berlin. Bild: SLZB

Was macht das Schul- und Leistungssportzentrum Berlin aus Ihrer Sicht zur „Eliteschule des Sports 2014“?

„In den letzten Jahren wurde besonders viel geleistet: die Fusion zweier Schulen (Werner-Seelenbinder-Schule u. Coubertin-Gymnasium), die Entwicklung eines eigenständigen Schulmodells (Schule besonderer Prägung), Bau und Fertigstellung eines neuen, modernen Schulgebäudes…“

Was bedeutet die Auszeichnung für Sie?

„Würdigung und Anerkennung der bisherigen erfolgreichen Arbeit, Ermutigung, den bisherigen Weg fortzusetzen.“

Was hat sich seit der Fusion der Werner-Selenbinder-Schule und des Coubertin-Gymnasiums verändert? Welche Vorteile sehen Sie hierin?

„Eine Gesamtschule und ein Gymnasium wurden eine Einheit. Es musste eine neue, gemeinsame Schulform für Leistungssportler gefunden werden. Fragen von Organisation und Struktur wurden eindeutiger an den Erfordernissen von Leistungssportlern ausgerichtet. Gesichtspunkte des „Schultyps“ waren nachrangig. So entstand eine neue, besondere Schule, die besser als jede traditionelle Form den Erfordernissen der Leistungssportler gerecht wird.“

Wie ist ein Schultag für Schülerinnen und Schüler an dem Schul- und Leistungssportzentrum Berlin strukturiert/aufgebaut?

„Unterricht und Training werden gemeinsam geplant und sind daher verzahnt. Wenn der Schüler am späten Nachmittag oder frühen Abend die Schule verlässt, wurde er unterrichtet und hat bereits trainiert. Die Verantwortlichen (Klassenlehrer, Tutoren, Trainer…) müssen immer beide Bereiche – Schule und Training – im Blick haben und für einen sinnvollen Ausgleich der Anforderungen sorgen. Schulische Bildung und leistungssportliches Engagement sind gleichberechtigt. Ein optimaler Abschluss ist genauso wichtig wie die Medaille oder die Meisterschaft.“

Wie unterstützen Sie die Athleten, wenn Sie während der Schulzeit auf Wettkämpfen sind? Gibt es Nachholtermine für den versäumten Unterricht, Fernunterricht, Nachschreibetermine für Klausuren, …?

„Versäumter Stoff kann durch Förder- oder Einzelunterricht nachgeholt werden. E-learning spiel eine große Rolle. Vereinzelt begleiten Lehrer ihre Schüler bei Trainingslagern.“

Wie intensiv arbeiten Sie mit dem Olympiastützpunkt in Berlin zusammen?

„Wir arbeiten intensiv zusammen. Die räumliche Nähe beider Einrichtungen, die nur wenige Meter entfernt liegen, vereinfacht die Zusammenarbeit. Mitarbeiter des Olympiastützpunktes kommen oft, wenn z.B. Angelegenheiten eines einzelnen Sportlers zu bereden sind.“

Welche Ziele verfolgt Ihre Schule in der Zukunft?

„Wir wollen das Schul- und Leistungssportzentrum, das seine besondere Form erst in den letzten Jahren gefunden hat, weiter konsolidieren und ggf. auch optimieren, wenn sich aufgrund praktischer Erfahrungen Veränderungen und Korrekturen als sinnvoll erweisen.“

Welche ihrer ehemaligen Schüler sind Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben und warum? Haben Sie noch Kontakt zu ehemaligen Eliteschülern?

„Es gibt eine Vielzahl prominenter Leistungssportler, die unsere Schule besucht haben. Um sie alle zu nennen, würde der Platz nicht reichen. Nur stellvertretend nenne ich daher Robert Harting, Britta Steffen, Sabine Lisicki, Patrick Hausding, Claudia Pechstein, Franziska van Almsick etc. Für alle war unsere Schule viele Jahr lang der Lebensmittelpunkt. Sie kommen daher gerne zurück.“

Wie kamen Sie dazu an einer Eliteschule des Sports Schulleiter zu werden? Haben Sie einen sportlichen Hintergrund?

„Das ist nun schon fast 24 Jahre her. Ich bin damals Schulleiter geworden, ohne eine speziellen leistungssportlichen Hintergrund zu haben.“

Warum sind Eliteschulen des Sports aus Ihrer Sicht so wichtig?

„Eliteschulen des Sports sind nötig, um eine systematische und optimale Förderung vieler Talente – möglichst flächendeckend – zu ermöglichen. Ohne Eliteschulen des Sports kämen nur sehr vereinzelt sportliche Talente zur Entfaltung. Es bestünde außerdem die Gefahr, dass einzelne durch fortlaufendes, umfangreiches Training den schulischen Erfolg vernachlässigen und daher die berufliche Perspektive verspielen. Das wäre verantwortungslos.“

Können Sie einen Unterschied zwischen den Leistungssportlern Ihrer Schule und den Schülern ohne Sportschwerpunkt feststellen?

„Natürlich gibt es Unterschiede. Unsere Schüler sind im Wesentlichen durch den Sport sozialisiert. Das heißt, sie sind diszipliniert, können sich auf ein langfristiges Ziel orientieren, können Niederlagen verkraften, sind teamfähig…“

Auf was legen Sie bei Ihren Schülern, abgesehen von Schulischen Leistungen, noch wert?

„Wir haben eine Schülercharta beschlossen, auf die sich alle Schüler verpflichten. Hier wird beschrieben, was neben guten Lernergebnissen und sportlichen Erfolgen zu tun ist, um ein guter Mensch zu sein.“