5. Bundeskonferenz der Eliteschulen des Sports

In Leverkusen fand im September 2012 die 5. Bundeskonferenz der Eliteschulen des Sports statt. Über 150 Teilnehmer diskutierten zum Thema duale Karriere.

Unter dem Titel „Eliteschulen des Sports – ein neuer Zyklus beginnt“ präsentierte Olav Spahl, Ressortleiter Nachwuchsleistungssport beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), die Resultate der turnusgemäßen Qualitätsanalyse an allen 41 Eliteschulen des Sports.

Spahl machte ebenfalls deutlich, welchen Beitrag die Eliteschulen des Sports letztlich für die Deutsche Olympiamannschaft leisten. Bei den Olympischen Spielen in London 2012 waren 104 der 392 nominierten Sportler aktuelle oder ehemalige Eliteschüler des Sports. Somit durchlief mehr als ein Viertel der Deutschen Olympiamannschaft die Eliteschulen des Sports. Eliteschüler des Sports waren an 31 von 44 Medaillengewinnen beteiligt.

In der anschließenden Talkrunde nahmen die Teilnehmer das duale System aus sportlicher und schulischer Förderung aus verschiedenen Blickwinkeln unter die Lupe. Dass an den Eliteschulen des Sports vieles getan wird um „nicht nur Athleten, die Spitzenleistungen erbringen können, auszubilden, sondern auch Vorbilder, die nachdenken und mündig sind“, wie von Olav Spahl postuliert, wurde von allen Diskutierenden bestätigt.

Mittelstreckenläufer Robin Schembera, ehemaliger Eliteschüler des Sports in Leverkusen, erinnerte daran, Abgängern der Eliteschulen des Sports größere Wahlmöglichkeiten in der Anschlussförderung, besonders in den Bereichen Studium und Berufsausbildung, zu verschaffen.

Die Verbindung von Sport und Schule über die Eliteschulen des Sports hinaus zu fördern, riet Werner Stürmann, Abteilungsleiter Sport, Sportstätten im Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen. Er wünsche sich, dass Sport auch in Grundschulen stärker gefördert würde und Studienplätze für Sportler zu quotieren.Einig waren sich die Gesprächsteilnehmer auch darüber, dass standortgerechte Lösungen gesucht werden müssen, um Schule und Sport ideal zu vereinbaren. Ein gelungenes Beispiel für die zeitliche Flexibilisierung der schulischen Pflichten erläuterte Burkhard Jungkamp, Staatssekretär für Bildung, Jugend und Sport in Brandenburg. Dort steht den Eliteschülern des Sports das additive Abitur zur Verfügung.

In Arbeitskreise aufgeteilt, diskutierten die Konferenzteilnehmer später mit verschiedenen Fachreferenten wie Ernährungsexpertin Kirsten Dickau und Sportpsychologe Lothas Linz über Themen wie „Sportgerechte Ernährung an den Eliteschulen des Sports“ oder „Motivation und Stressbewältigung“.

Ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung war der abendliche Festakt zum zehnjährigen Bestehen der Eliteschule des Sports Leverkusen in der BayArena. Über 200 Gäste waren der Einladung gefolgt und verbrachten einen unterhaltsamen aber auch informativen Abend mit ehemaligen und aktuellen Sportlern und Verantwortlichen des Verbundsystems in Leverkusen.

Am nächsten Morgen verschafften sich die Teilnehmer einen Einblick in einen Leistungssport anderer Art. Eileen Mägel von der Palucca Hochschule für Tanz in Dresden informierte über das duale System an der privaten Hochschule, welche eine Ausbildung von der 5. Klasse bis zum Bachelor-Abschluss anbietet.

Dr. Carmen Borggrefe von der Universität Bielefeld betrachtete in ihrem Vortrag zu den „Möglichkeiten und Grenzen der spitzensportlichen Funktionalisierung von Schulen im Verbundsystem“ das im Konflitk zueinander stehende Rollenverhältnis Schüler – Athlet. Sie verwies darauf, dass in der individuellen Ausbalancierung dieser Rollen jeder Standort seinen Weg finden müsse. Letztlich würden immer die schulischen Anforderungen die sportlichen Möglichkeiten vorgeben.

Die sich anschließende Diskussion zeigte erneut, dass die Verbindung schulischer und sportlicher Höchstleistungen keinen Königsweg kennt, sondern individuelle Lösungen und hohes Engagement aller Beteiligten erfordert. Konsensfähig allerdings war das Fazit eines Konferenzteilnehmers: „Spitzensportliche Karrieren bedürfen einer strukturellen Absicherung, damit sie nicht zu biografischen Fallen werden!“