Interview mit Charlotte Ahrens

Triathletin Charlotte Ahrens im Interview. Foto: picture alliance

Aufgrund ihrer herausragenden schulischen und sportlichen Leistungen wurde Charlotte Ahrens 2012 in Neubrandenburg als „Eliteschülerin des Sports“ ausgezeichnet. Zusammen mit den anderen „Eliteschülern des Sports 2012“, die auch durch ihre jeweilige Schule benannt wurden, durfte sie auf Einladung des Deutschen Olympischen Sportbundes und des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes am Workshop während der Kanu-Weltmeisterschaft in Duisburg teilnehmen. In diesem Rahmen gab uns die 16-jährige einen Einblick in ihre „Duale Karriere“.

 

Name: Charlotte Luise Ahrens
Sportart: Triathlon
Alter: 16 Jahre (Jg. 97)
Schule: Eliteschule des Sports Neubrandenburg
Seit: Mai 2011
Größte Erfolge: Junioren EM 2013-Teilnahme
Kader: C-Kader

 

Wie kamst du zum Triathlon?

Ich war vorher auf der Sportschule in Nürnberg und bin dort hauptsächlich geschwommen. Obwohl ich eigentlich erfolgreich war, ist mir das Schwimmen irgendwann zu eintönig geworden. Neben dem Schwimmen habe ich seit meinem fünften Lebensjahr schon ab und zu an Triathlonwettkämpfen teilgenommen. Das hat mir so viel Spaß gemacht, dass ich mich 2011 entschieden habe ganz zum Triathlon zu wechseln und an einer Eliteschule des Sports zu trainieren. In Neubrandenburg habe ich nun optimale Trainingsbedingungen und viel Spaß.

Macht dir das Triathlontraining mehr Spaß als nur zu schwimmen?

Ja, das Training ist total abwechslungsreich. Die Trainingseinheiten wechseln immer zwischen Schwimmen, Laufen und Radfahren. Im Schwimmen habe ich schon einen kleinen Vorteil gegenüber anderen, da ich hier vorher schon viel trainiert habe. Momentan trainieren wir zweimal am Tag, sogar Samstag und Sonntag. Jede Woche kommen so etwa 17 Stunden Training zusammen – In unserer Altersgruppe trainiert niemand unserer Schule so viel wie wir Triathleten. Es ist zwar sehr zeitaufwendig, aber ich hatte noch nie einen Tag, an dem ich mich zum Training motivieren musste. Im Gegenteil – ich freue mich schon am Abend auf den nächsten Tag.

Ist es nicht schwer bei so viel Training die Schule nicht zu kurz kommen zu lassen?

2011 bin ich extra auf eine Eliteschule des Sports gewechselt, damit ich viel trainieren und trotzdem eine gute Schulbildung erhalten kann. Zu den 17 Stunden Training kommen momentan noch etwa 25 Stunden Schule. Wir sind nur Sportler auf der Schule und ich habe das Gefühl, dass wir eine engere Verbindung zu den Lehrern haben. Denn auch unsere Lehrer interessieren sich sehr für Sport und manchmal bringen sie uns ganz stolz Zeitungsartikel unserer Erfolge mit. Ich bin sehr gerne in der Schule und im Training- gerade durch diese Mischung macht mir die Schule viel Spaß.

Du durftest dieses Jahr bei der Junioren EM teilnehmen. War das dein größter Erfolg?

Definitiv. Ich hatte mich leider drei Wochen vor der Europameisterschaft am Fuß verletzt, aber wollte unbedingt starten. Daher hatte ich mir eigentlich schon eine gute Platzierung abgeschrieben und nicht so viel erwartet – dennoch habe ich natürlich davon geträumt. Ich war trotzdem super motiviert und wollte in Alanya, in der Türkei, alles geben. Ich bin das erste Mal bei einem Wettkampf im Meer und bei richtigen Wellen geschwommen – eine einzigartige Kulisse für Triathleten, einfach schön. Mit 16 Jahren war ich eine der jüngsten Teilnehmerinnen, da 2013 die Jahrgänge 1994-1997 bei den Junioren starten durften. Dazu kam noch meine Verletzung. Immerhin habe ich es trotzdem auf Platz 28 geschafft. Im ersten Moment habe ich mich natürlich geärgert, da ich in Deutschland immer weiter vorne mitlaufen kann. Rückblicken kann ich damit in meinem ersten Juniorenjahr aber mehr als zufrieden sein – immerhin kann ich noch drei Jahre dort starten und ich bin europaweit 28. geworden. Es war eine einzigartige Erfahrung EM Luft zu schnuppern.

Was war der Wettkampf, an den besonders gerne zurückdenkst?

Natürlich denke ich sehr gerne an die EM in Alanya zurück. Trotzdem hatte ich einen meiner schönsten Momente bei meinem ersten großen Triathlonwettkampf. Damals hatte ich erst seit drei Monaten richtiges Triathlontraining und mein Trainer schlug mir vor an der Deutschen Meisterschaft teilzunehmen. Getrieben von dem Adrenalin und den Anfeuerung habe ich dann alles um mich herum vergessen und konnte es gar nicht glauben, als ich als Erste das Ziel erreichte. Natürlich haben wir uns alle riesig über den Titel gefreut und der Moment, als ich dann auf dem Podest stand und die Nationalhymne gespielt wurde war einfach unglaublich. Das werde ich nie vergessen.

Dass du im Sport und der Schule so erfolgreich bist, freut bestimmt auch deine Familie.

Ich denke meine Eltern sind total stolz auf mich. Meine Familie unterstützt mich und meine Schwester sehr. Sie ist auch Triathletin an der Eliteschule des Sports in Neubrandenburg und mittlerweile wohnen wir in einer eigenen Wohnung im Haus des Sports. So ist immer ein Teil meiner Familie bei mir und  ich bin nie alleine. Als wir mit dem Triathlon anfingen, haben unsere Eltern auch damit begonnen. Sie verstehen genau, warum uns der Sport so wichtig ist und unterstützen uns in allem. Auch das ich schon mit 16 Jahren alleine wohne ist sicher nicht selbstverständlich und dafür bin ich ihnen sehr dankbar. Sie wollen immer sofort nach dem Wettkampf wissen, wie es gelaufen ist und freuen sich mit mir, dass es momentan so super läuft. Meine Mutter hat sich sogar extra Urlaub genommen um mit mir nach Alanya zu fliegen.

Was ist dein nächstes großes Ziel?

Ich würde gerne 2014 bei den Youth Olympic Games starten. Allerdings bekommt Deutschland hier für die Jahrgänge 97/98 nur jeweils einen Startplatz für Mädchen und Jungen. Um nominiert zu werden, müsste ich die beste Deutsche beim Qualifikationswettkampf in Holland werden. Die Startberechtigung hängt nur von diesem einen Wettkampf ab, aber ich werde bis dahin viel trainieren und alles geben.

Danke für das Interview, Charlotte. Wir wünschen dir viel Erfolg bei der Qualifikation für die Olympischen Jugendspielen 2014 und auf deinem schulischen Werdegang.