„Ich denke, dass man nur wirklich weiterkommt, wenn man Spaß hat!“

Laura Jokeit wurde 2013 und 2014 von der Eliteschule des Sports Bochum-Wattenscheid für ihre herausragenden sportlichen und schulischen Leistungen ausgezeichnet. Foto: Picture-Alliance/Frank May
Für das Nachwuchstalent der Eliteschule des Sports Bochum-Wattescheid steht der Spaß an erster Stelle. Foto: Freunde der Leichtathletik

Name:
Laura Jokeit

Alter:
19

Sportart:
Leichtathletik (Disziplin: Kugelstoßen)

Größte sportliche Erfolge:
1. DLV-Junioren-Gala (mit pers. Bestleistung von 16,10m), 12. Platz - Weltmeisterschaft, 1. Platz - Deutsche Jugendmeisterschaften (2013 und 2014), 9. Platz – Europameisterschaft

Eliteschule des Sports:
Bochum-Wattenscheid

An der Eliteschule des Sports seit:
2 Jahren

Klasse:
12

Auszeichnungen:
Eliteschülerin des Sports aus Bochum-Wattenscheid 2013 und 2014


Laura, Du planst dieses Jahr Dein Abitur zu machen. Wann geht es für Dich mit den Prüfungen los, steht auch Sportpraxis auf dem Programm?
Am Freitag, bevor ich angereist bin, habe ich die letzte Vorabi-Klausur geschrieben. Ende April fangen dann die richtigen Prüfungen an, im Mai folgen die Mündlichen. Ich werde auch in Sport geprüft. Die sportpraktischen Prüfungen wurden etwas vorgezogen, um sie auf unsere Saisonhöhepunkte abzustimmen. Die Sportpraxis ist nochmal aufgeteilt in Spielpraxis, Leichtathletik und Ausdauer. In der Ausdauer werde ich mich für Schwimmen entscheiden, da ich eigentlich aus dem Leistungsschwimmen komme. Im Bereich Leichtathletik werde ich natürlich auf meine Paradedisziplinen Kugelstoßen, Weitsprung und 100m Sprint setzen. In der Spielpraxis habe ich mir Volleyball ausgesucht.

Du kommst ursprünglich aus dem Schwimmen? Wie bist Du denn dann zur Leichtathletik gekommen?
Als ich noch geschwommen bin, hatten wir unser Ausdauertraining an Land oft im Stadion der Leichtathleten. Mit der Zeit ist mir bewusst geworden, dass man sich beim Schwimmen selten unterhalten kann, da man die meiste Zeit mit dem Kopf unter Wasser ist. Die Leichtathleten hatten immer viel Spaß im Stadion und haben sich während des Trainings unterhalten können. Ich war damals jung und mir war die Interaktion wichtig, das ist auch heute noch so.  Das hat mich damals dazu bewogen, zur Leichtathletik zu wechseln. Rückblickend sicherlich auch keine schlechte Entscheidung :)

Damals wusstest Du aber noch gar nicht, ob Du in der Leichtathletik auch Chancen auf große Erfolge hast, oder?
Nein, mir ging es aber gar nicht um die Erfolge. Im Schwimmen war ich in der Hessenauswahl und hatte mich gerade als hessische Meisterin im Schwimm-Fünfkampf für die Deutsche Meisterschaft qualifiziert. Ich habe mich aber gegen die Teilnahme entschieden, weil mir der Weg nach Berlin irgendwie zu weit erschien. Ich war damals 11 oder 12 und wusste nicht, was es bedeutet, sich für die Deutsche Meisterschaft zu qualifizieren.
Meine Eltern haben natürlich versucht, Überzeugungsarbeit zu leisten, aber ich wollte nicht zur Deutschen Meisterschaft und lieber ganz zur Leichtathletik wechseln. Mir war es einfach wichtige mit anderen Sportlern zu kommunizieren und Leichtathletik hat mir viel Spaß gemacht. Außerdem bin ich nach wie vor ein Dickkopf und denke, dass man nur wirklich weiterkommt, wenn man Spaß hat. Meine Eltern haben mich aber immer unterstützt - egal, ob beim Schwimmen oder jetzt in der Leichtathletik.

Wer hat Dich bisher in Deiner Sportlaufbahn am meisten beeinflusst?
Beeinflusst haben mich generell die Leute, die ich getroffen haben und mit denen ich Spaß hatte. Irgendwann habe ich beispielsweise meine größte Konkurrentin getroffen. Wir haben uns gleich gut verstanden und irgendwann angefangen uns leistungstechnisch zu pushen. Aber im Grunde ging es immer darum, auch Spaß im Sport zu haben. Heute sind wir nicht mehr nur Konkurrentinnen, sondern auch Freundinnen. Mit jedem Wettkampf, jedem Erfolg lernt man neue Leute kennen und erlebt richtig viel. Das alles beeinflusst einen in irgendeiner Weise.

Warum hast Du an Deine Schule aus Deiner Sicht so gute Bedingungen, um Training und Schule miteinander zu verbinden?
Unser Oberstufenbüro kooperiert sehr gut mit dem Olympiastützpunkt. Wenn es nötig ist, werde ich für Training oder Wettkämpfe freigestellt. Die vielen Fehlstunden kann ich dann beispielsweise durch Referate kompensieren. Außerdem kommen die Lehrer teilweise sogar an den Olympiastützpunkt, um Nachhilfe zu geben oder mit uns einzelne Unterrichtsinhalte nachzuholen.

Weißt Du schon, was Du nach dem Abitur machen willst?
Klar, ich habe mich bei der Polizei beworben. Schon mit drei Jahren habe ich mit Polizeiautos gespielt. Seit sechs Jahren habe ich den Traum, zur Polizei zu gehen. Ich habe mir sogar Mappen angelegt, um mich über die verschiedenen Berufsfelder bei der Polizei zu informieren. Für mich ist es natürlich optimal, dass es in meinem Traumberuf auch Sportleistungsgruppen und Sportfördergruppen gibt. Demnächst habe ich einen Termin in Sachsen und bei der Bundespolizei habe ich mich auch schon beworben. Ich hoffe, dass ich dort angenommen werde.

Welche Eigenschaften braucht man in Deiner Sportart besonders?
Da ich ja kraftspezifisch echt eine Niete bin und nicht unbedingt wie ein typischer Werfer aussehe, habe ich für mich herausgefunden, dass in meinem Alter der Kopf noch ziemlich entscheidend ist. Ich hatte vorletztes Jahr eine sehr gute Saison, in der ich gut gestoßen habe und auch mental sehr fit war. Dann bin ich krank geworden und in einen Trott reingekommen. Ich habe eher vor mich hintrainiert und einfach geschaut, was draus wird. Aber es lief nicht wirklich gut. Im Trainingslager habe ich dann Fabienne Schönig kennengelernt. Sie ist Speerwerferin und war 2014 bei den Youth Olympic Games. Fabienne hat mich wieder mitgenommen in Sachen Motivation. Wir haben uns im Tennis und Golf gebattlet oder haben nochmal spontan eine Fahrradeinheit vor dem Techniktraining gemacht. Ich habe direkt gemerkt, dass ich wieder motiviert war und mich der Ehrgeiz gepackt hat. Wenn man selbstbewusst ans Kugelstoßen rangeht, weil man motiviert und ehrgeizig ist, verändert sich auch die Technik und man kommt viel weiter. Wenn man nicht so selbstgewusst ist, stößt man hingegen eher auf den Boden. Ich habe mir angewöhnt, wenn es mal nicht so gut läuft, richtig laut auf der Wettkampfanlage zu schreien und den Kopf hochzunehmen. Die Kugel fliegt dann meist auch nochmal einen halben Meter bis Meter weiter. Und das ist schon ein riesen Unterschied.

Vom Schwimmen zur Leichtathletik - Gibt es noch eine Sportart, die Du gerne mal ausprobieren würdest?
Na klar, ich habe heute ziemliches Interesse am Bobfahren gefunden. Geschwindigkeit –ob es jetzt Extremsport ist, wie Fallschirmspringen, oder Bobfahren – das würde mich schon sehr reizen. Generell habe ich aber schon sehr viel ausprobiert. Vom Tischtennis über Einrad fahren, Tennis, Volleyball, Basketball, Handball und Fußball bis hin zu Turnen und  Trampolin. Aber einmal in einem Bob zu sitzen, das wäre toll.


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