Interview Etienne Kinsinger

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Der sympathische Nachwuchsringer Etienne Kinsinger wurde 2015 von der Eliteschule des Sports Saarbrücken als Jahresbester ausgezeichnet. Diese Auszeichnung wird gleich doppelt belohnt, denn neben der regionalen Ehrung laden der Deutsche Sparkassen- und Giroverband und der DOSB die Talente gleichzeitig zu einem Workshop ein. Mitte März ging es dann für Etienne und 15 weitere Talente nach Lausanne, die Heimat des IOC. In diesem Rahmen haben wir den 19-jährigen Ringer (60kg Gr.-röm.) zu seinen größten Erfolgen und seinen Zukunftsplänen interviewt. So viel vorweg: Seine Ziele hat er fest im Blick.

Wie bist Du ursprünglich zum Ringen gekommen und was fasziniert Dich so an der Sportart?
Zum Ringen bin ich durch meine Eltern gekommen. Gar nicht, weil sie selbst Ringer sind, sondern weil sie bei uns in Köllerbach öfters mal Bundesliga Ringen geschaut haben. Als sie dann – damals war ich erst drei Jahre – auf der Suche nach einem Sportverein für mich waren, haben sie mich zum Ringen geschickt. Da es mir Spaß gemacht hat, bin ich dabei geblieben.
Besonders fasziniert mich, dass Ringen eine sehr vielseitige Sportart ist, die einem viele verschiedene Fähigkeiten abverlangt und jedes Training, jeder Kampf anders ist. Man muss wirklich über seine Grenzen hinausgehen.

Was waren Deine größten sportlichen Erfolge?
2013 wurde ich Weltmeister bei den Kadetten. Da ich dort eine Goldmedaille gewonnen habe, würde ich das für mich eigentlich als meinen größten Erfolg bezeichnen. 2014 bin ich Dritter bei den Europameisterschaften der Junioren geworden – und das als jüngster Jahrgang. Das ist eigentlich eine Leistung, die fast genauso hoch anzurechnen ist wie die Goldmedaille von 2013. In diesem Jahr trete ich das letzte Mal bei den Junioren an und werde versuchen, nochmal oben anzugreifen.

Und wie stehen Deine Chancen auf die oberen Plätze?
Vom Leistungsvermögen her könnte ich schon oben mit dabei sein. Welche Chancen man genau hat, kann man vorher aber eigentlich gar nicht so genau sagen. Da kommen mehrere Faktoren zusammen, wie zum Beispiel die Tagesform oder die Zulosung der Gegner. Wenn man gleich zu Beginn starke Gegner hat, wird es nach hinten raus immer schwerer. Hat man zu Beginn eher leichtere Gegner, spielt das einem in die Karten und es bleibt für die späteren Gegner noch mehr Kraft.

Was sind deine nächsten großen sportlichen Ziele?
Ich bin in zwei Wochen bei der U23 Europameisterschaft. Wenn es mir da gelingt eine sehr gute Platzierung zu erreichen, könnte ich vielleicht dieses Jahr noch auf ein Qualifikationsturnier für Rio fahren. Das ist jetzt momentan mein erklärtes Ziel, auch wenn es parallel zum Abitur natürlich eine Herausforderung wird. Wenn ich mein Abitur geschrieben habe, müsste ich nämlich von dort direkt auf das Qualifikationsturnier und dort ins Finale kommen. Ich könnte mich jetzt auch allein auf das Abitur konzentrieren und die Wettkämpfe in den Hintergrund stellen. Aber ich will die Erfahrung unbedingt mitnehmen. Wenn ich mit 19 Jahren die Gelegenheit habe, sowas zu erleben, werde ich mir das nicht entgehen lassen.

Seit 2012 bist Du Jugendsprecher des Saarländischen Ringerverbandes. Wie kam es dazu?
Der Saarländische Ringerverband wollte damals die Stelle des Jugendsprechers neu schaffen und hat mich dann gefragt, ob ich mir vorstellen kann, Jugendsprecher zu werden. Mir liegt die Aufgabe auch persönlich sehr am Herzen, denn ich finde, dass die Jugend einen anderen Blickwinkel hat als einige Präsidiumsmitglieder und das beleuchtet nochmal eine andere Seite. Dazu kommt noch, dass ich später gerne im Bereich Medien und Journalismus arbeiten möchte und die Erfahrung und die Kontakte, die ich durch den Posten bekomme, mir sicherlich später zugutekommen. Seit 2014 bin ich sogar Jugendsprecher des Deutschen Ringer-Bundes und Pressesprecher des Saarländischen Ringerverbandes.

Das klingt nach viel Arbeit. Wir schaffst Du es, das noch neben Schule und Sport zu machen?
Die Stelle als Pressesprecher teile ich mir seit neuestem mit einer anderen Ringerin, die wie ich noch zur Schule geht. Sie macht nächstes Jahr Abitur und will auch in den Medien- und Journalismusbereich. Das klappt super, es macht mir wirklich Spaß und hilft mir bestimmt später bei meiner Berufskarriere.
Als Jugendsprecher bin ich bei drei bis vier Sitzungen pro Jahr, bei denen wir über verschiedenste Dinge sprechen, beispielsweise wie die Deutsche Meisterschaft organisiert wird. Ich gebe dann meinen Input aus Sicht der Sportler und diskutiere auch mit. Die Entscheidungen treffen wir dann gemeinsam und jede Stimme zählt dort gleich viel.

Seit wann bist Du auf einer Eliteschule des Sports? Schon seit der fünften Klasse oder hat Du erst später gewechselt?
Ich bin erst seit der achten Klasse dort. Ich hatte auch schon vorher darüber nachgedacht, allerdings war das Angebot an der Schule damals erst ab der achten Klasse wirklich auf die Sportarten spezialisiert. In der fünften Klasse hätte ich zwar zusätzlichen Sportunterricht gehabt, aber nicht unbedingt Ringen. Aber ab der achten Klasse hat es für mich dann total Sinn gemacht und ich habe daher auf das Rotenbühl-Gymnasium gewechselt. Ich bin sehr, sehr zufrieden, dass ich den Schritt gemacht habe. Seitdem ich dort bin, habe ich mich wirklich weiterentwickelt, habe irgendwann auch auf das Internat gewechselt, um mir alles so gut wie möglich einzuteilen und die Zeit für Schule und Sport besser auszunutzen. Nicht zuletzt durch die Schulzeitstreckung habe ich es sehr gut hinbekommen, Schule und Sport zu koordinieren und so mein Abi in diesem Jahr zu machen.

Was sind Deine beruflichen Pläne nach dem Abitur?
Da ich ja gerne in den Bereich Medien und Journalismus gehen möchte, wollte ich eigentlich auch schon in diese Richtung studieren. Die Laufbahnberatung hat mir allerdings davon abgeraten. Einerseits, da es im Saarland nicht so möglich ist und ich schon in eine Großstadt ziehen müsste, in der Ringen nicht auf dem Niveau auszuüben ist, andererseits sind auch viele in diesem Beruf Quereinsteiger. Daher werde ich wahrscheinlich BWL oder Wirtschaft und Recht studieren. So kann ich mich später über meine praktischen Erfahrungen noch spezialisieren und halte mir auch weitere Optionen offen.

Durch meine Arbeit als Pressesprecher des Saarländischen Ringerverbandes kann ich mir auch jetzt schon sehr gute Kontakte aufbauen, um sie vielleicht später für mein Volontariat zu nutzen. So ist zumindest der jetzige Plan. Wer weiß, vielleicht gefällt mir dann im BWL-Studium auch ein anderer Bereich super. Dann kann ich es mir immer noch überlegen.

Vielen Dank für das Interview, Etienne. Wir wünschen Dir alles Gute für deine sportliche und berufliche Zukunft.