Interview mit Kristina und Hannes

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Stellvertretend für alle 15 Teilnehmer möchten wir Euch hier zwei Talente des diesjährigen Workshops der Eliteschüler des Sports hier etwas genauer vorstellen: Eine Deutsche Meisterin im Eiskunstlaufen einen Paralympics-Teilnehmer im Schwimmen. 

Hallo ihr zwei, stellt Euch doch erst einmal kurz selbst vor.

Kristina: Ich heiße Kristina Isaev, bin Eiskunstläuferin und komme von der Eliteschule des Sports des Sports in Mannheim und gehe dort auf die integrierte Gesamtschule Herzogenried.

Hannes: Ich bin Hannes Schürmann, bin 17 Jahre alt und war auf dem Berufskolleg Leverkusen. Das ist auch angeschlossen an die dortige Eliteschule des Sports. Seit August letzten Jahres mache ich nun eine Ausbildung als Kaufmann für Büromanagement.

Kristina, wie bist du zum Eiskunstlaufen gekommen?

Kristina: Das ist etwa 10 Jahre her. Damals haben wir noch in Russland gelebt. Mein Bruder fuhr Shottrack und eines Tages hat mich eine seiner Trainerinnen gefragt, ob ich nicht Lust hätte mal Eiskunstlaufen auszuprobieren. Das habe ich dann gemacht und es hat mir gleich Spaß gemacht. Damals war es aber natürlich noch nicht auf Leistungssport-Niveau. Als ich mit sechs Jahren angefangen habe, hatte ich nur einmal die Woche Training. Mit neun Jahren fing es dann an mit dem Leistungssport. Das heißt drei Stunden Training jeden Tag, außer sonntags.

Wie schaffst du das alles neben der Schule?

Kristina:
Da wir am Nachmittag Training haben, dürfen wir schon um 13 Uhr gehen. Viele meiner Mitschüler bleiben aber länger. Zwar gibt es in meiner Klasse noch einige Eishockey-Spieler, die auch Leistungssportler sind, aber deren Training findet erst am Abend statt. Ich arbeite den Stoff dann mit einer Nachhilfe in der Schule nach, damit ich nichts verpasse.

Und wie bist du zum Schwimmen gekommen, Hannes? 

Hannes: Meine Mutter war Schwimmlehrerin und hat mich somit immer zum Training mitgenommen. Anfangs war ich in einem Nicht-Behinderten Verein, dem SG Remscheid. Irgendwann haben wir dann nach einem Verein gesucht, weil ich mit den anderen nicht mithalten konnte. 2005 habe ich nach Leverkusen gewechselt, wo es auch paralympische Schwimmer und auch ein entsprechendes Training gibt.

Du hast früher auch mal Dreikampf gemacht, dich aber irgendwann ganz auf Schwimmen konzentriert. Gab es einen Grund? Warst du im Schwimmen einfach besser oder hat es dir mehr Spaß gemacht?

Hannes: Einerseits natürlich wegen der Erfolge, die einfach größer waren. Ausschlaggebend war letzendlich aber die Tatsache, dass durch die Behinderung auch Schmerzen aufgekommen sind und ich operiert werden musste. Da musste ich dann mit der Leichtathletik aufhören.

Was ist für dich das Besondere am Schwimmen?

Hannes: Das Beste ist, dass man viel trainieren muss. Ich trainiere sehr gerne, vor allem auch weil ich eine gute Gruppe gefunden habe, mit der es mir umso mehr Spaß macht.  Auch wenn ich durch die Ausbildung nur noch sechs Mal die Woche trainieren kann, ist es trotzdem wichtig eine Gruppe zu haben, mit der man sich wohl fühlt.

Wie sah denn dein Trainingsplan und deine -gruppe aus, als du noch zur Schule gegangen bist?

Hannes: Früher habe ich acht Mal in der Woche trainiert. Zuerst war ich in einer kleinen Gruppe von drei Schwimmern, wollte nach den Paralympischen Spielen 2016 dann aber eine größere Gruppe. Deswegen bin ich nach Wuppertal und schwimme dort mit 17 weiteren Schwimmern, wo teilweise auch Nicht-Behinderte Schwimme dabei sind. Das ist aber kein Problem, denn unsere Trainingsinhalte sind die gleichen, ich schwimme sie aber in gekürzter Version.

Im Sport gibt es immer viele Höhen und Tiefen, lasst uns über eure Höhen reden. Was war euer sportliches Highlight?

Kristina: Einmal bin ich Baden-Württembergische Meisterin und letztes Jahr sogar Deutsche Meisterin geworden.

Hannes: Zu meinen Highlights zählt definitiv die Teilnahme bei den Paralympics in Rio im letzten Jahr. Außerdem halte ich auf der Kurzbahn zwei Weltrekorde, einen Europarekord und ein paar deutsche Rekorde. Auch der Sieg im Eins gegen Eins mit einem älteren Gegner, der national auch mein größter Konkurrent ist, ist eines meiner Highlights.

Was habt ihr sportlich und beruflich in den kommenden Jahren so vor?

Kristina: Mein sportliches Ziel ist es, mich für die Junioren Weltmeisterschaft nächstes Jahr zu qualifizieren. Irgendwann möchte ich auch gerne bei den Olympischen Winterspielen laufen. Beruflich möchte ich erst einmal meinen Realabschluss machen und dann mit dem Gymnasium weitermachen. Mein Traum ist später Sport zu studieren.

Und deine Ziele, Hannes?

Hannes: Mein Fokus liegt erstmal auf der Ausbildung. Deswegen muss ich das Schwimmen an zweite Stelle setzen und trainiere auch momentan weniger.  Nächstes Jahr finden die Weltmeisterschaft statt. Das war der Vorteil als ich noch auf der Eliteschule, da habe ich für mein Training frei bekommen.

Kristina, was gefällt dir an deiner Schule besonders gut?

Kristina
: Ich finde es gut, dass ich früher gehen kann, wenn ich zum Training muss. Und natürlich auch, dass ich Nachhilfe bekomme, um alles nachzuholen.

Habt ihr zwischen Sport und Schule noch Zeit für Freizeit und Freunde?

Kristina: Da wir samstags keine Schule haben und nur drei Stunden am Vormittag trainieren, habe ich am Nachmittag immer Zeit, um etwas mit Freunden zu unternehmen. Die meisten meiner Freunde sind auch Eiskunstläufer. Wir machen dann oft etwas nach dem Training.

Hannes: Bei mir ist es da etwas schwieriger. Ich sehe meine Freunde zwar beim Training, aber sich dabei zu unterhalten ist nicht möglich. Und wenn ich ein Wochenende dann mal frei habe, bin ich auch ganz froh darüber mal ein bisschen Zeit für mich zu haben.

Kristina, du bist in Hagen geboren, dann mit deiner Familie nach Russland gezogen und später wieder zurückgekommen. Was sind für dich im Training die größten Unterschiede zwischen Deutschland und Russland?

Kristina: Das Training an sich ist eigentlich gleich. In Russland gibt es aber viel mehr Leute, die Eiskunstläufer sind.  Darum war es auf dem Eis immer viel voller. Meistens waren es zehn bis 15 Leute, die gleichzeitig trainiert haben. Hier in Mannheim sind eigentlich nur drei oder vier Leute – alle aus dem C-Kader - gleichzeitig auf dem Eis. Das finde ich sehr gut, denn so haben wir viel mehr Platz zum Trainieren.

Hannes, an was erinnerst du dich besonders, wenn du an die Paralympischen Spielen in Rio zurückdenkst?

Hannes: Es war einfach beeindruckend und viel größer als all die anderen Wettkämpfe, die ich zuvor besucht habe. Allein die Stimmung war unbeschreiblich toll und ich hoffe, dass ich noch einmal die Chance bekomme, an Paralympischen Spielen teilnehmen zu können.

Danke euch beiden und viel Erfolg in der kommenden Saison!