Rückblick auf 100 Jahre Frauensport

03.03.2011

Heute springen Frauen von Skischanzen; vor 100 Jahren undenkbar. DOSB-Vizepräsidentin Ilse Ridder-Melchers gibt im Interview Einblicke in die Entwicklung des Frauensports.

Ulrike Graessler beim FIS Cup Skispringen Frauen in Schonach am 8. Januar 2011. Foto:picture-aliance

Die legendäre französische Tennisspielerin Suzanne Lenglen (1899-1938) am 17. Juni 1920 in einem Doppel-Match in Wimbledon. Foto: picture-alliance

Ilse Ridder-Melchers, Foto: DOSB

Die Vizepräsidentin für Frauen und Gleichstellung im DOSB sagt: "Wir blicken nicht nur auf 100 bewegte und bewegende Jahre Frauensport zurück - auch der internationale Frauentag jährt sich am 8. März zum 100. Mal." Die vergangenen Dekaden waren für Ridder-Melchers wie ein Trainingslager für die gesellschaftliche Gleichberechtigung von Frauen.

Frau Ilse Ridder-Melchers, gibt es für Sie einen roten Faden durch die Geschichte der Sportlerinnen?

Egal welches Jahrzehnt - Frauen waren immer vom Sport begeistert. Keine Hürde war ihnen zu hoch, keine Etikette (und auch kein Korsett) zu eng, kein Vorurteil zu gewichtig. Sie haben Sportart für Sportart erobert, Grenzen und traditionelle Rollenklischees eingerissen. Sie waren hartnäckig, mutig, kraftvoll und manchmal auch listig, wenn sie an verbotenen Wettkämpfen teilnehmen wollten. Sportlerinnen haben in diesen 100 Jahren einen wesentlichen Beitrag geleistet, um traditionelle Schranken aufzubrechen. Der Sport wurde dadurch auch zum Trainingslager für mehr gesellschaftliche Gleichberechtigung. Heute haben Frauen alle Sportarten für sich erobert und viele Sportarten sowie unseren Blick darauf verändert. Fakt ist: Frauen erbringen Spitzenleistungen, sind hervorragende Botschafterinnen für unser Land und Vorbilder für nachwachsende Mädchengenerationen - leistungsstark, selbstbewusst, teamorientiert.

Und dieser rote Faden reicht bis ins Heute?

Er reißt einfach nicht ab - heute treiben über 10 Millionen Frauen und Mädchen Sport in unseren Vereinen. Bestes Beispiel für die rasante Entwicklung ist der Frauenfußball. Die fußballbegeisterten Frauen haben sich den Ball nicht aus dem Feld nehmen lassen und vor 40 Jahren zu einer ungeheuren Aufholjagd angesetzt, um eine der letzten Männerbastionen zu knacken. Mit Erfolg: Dank enormem Einsatz, Top-Leistungen und Teamarbeit haben sie sich nicht nur Respekt verschafft, sondern auch zweimal den Weltmeistertitel geholt. Und
wer weiß schon, was diesen Sommer bei der Frauenfußball-WM passieren wird?

Sie sind eine der Frauen, die die heutige Sportentwicklung maßgeblich beeinflussen - wohin soll die Reise gehen?

Die Liste der positiven Effekte ist lang: Sport hält gesund und fit, stärkt das
Selbstbewusstsein, fördert die gesellschaftliche Integration und Teilhabe. Sport im Verein fördert zusätzlich auch Gemeinsamkeit, Teamfähigkeit sowie die gegenseitige Akzeptanz von Leistungen - sowohl der eigenen als auch der anderen. Ohne Ansehen von Kultur, Geschlecht, Religion und politischen Überzeugungen. Daher ist unser Motto richtig: Sport für alle! Ich wünsche mir Sportvereine, die sich für alle Bevölkerungsgruppen öffnen und auch für Mädchen und Frauen attraktive Sportangebote machen. Und bei der Zukunftsgestaltung sollte der Sport in punkto gleichberechtigter Teilhabe von Frauen und Männern ebenso Spitze werden. Wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen der Verbände und Vereine, viele weibliche Vorbilder für den Nachwuchs sowie ein starkes Netzwerk, das diese Frauen begleitet und fördert.

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Wie herausragende Sportlerinnen, starke Frauen und mutige Vordenkerinnen Veränderungen herbeiführten und dazu beigetragen haben dem Ziel einer  uneingeschränkten Gleichberechtigung ein großes Stück näher zu kommen, das können Sie dem Beitrag „100 Jahre Frauensport“ entnehmen.

 
 

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