DOSB, Deutscher Frauenrat und Deutscher Tennis Bund diskutieren über Gleichstellung in Sport und Gesellschaft

18.12.2017

Mit der Hollywood-Produktion „Battle of the Sexes“, seit Ende November in den deutschen Kinos, wird ein historisches Tennisspiel in Szene gesetzt, in dem es um sehr viel mehr ging als nur um Tennis.

Am 20. September 1973 spielte Billie Jean King, die zu dem Zeitpunkt weltbeste Tennisspielerin, gegen den ehemaligen Wimbledon-Sieger Bobby Riggs in einem Schaukampf um die Gleichberechtigung. Der Film wirft damit auch aktuelle Fragen der Gleichberechtigung in Sport und Gesellschaft auf. Die Preview fand am 20.November im CineStar in Berlin vor zahlreichem Publikum insbesondere aus Berliner und Brandenburger Sportorganisationen statt.

Billie Jean King ist eine Legende des Tennissports. Die heute 74-Jährige gewann in ihrer Karriere zwölf Grand Slam-Titel im Einzel und 16 im Doppel. 1987 wurde sie in die Tennis Hall of Fame aufgenommen. Was diese Zahlen und Fakten nicht vermitteln, sind die Verdienste dieser außergewöhnlichen Sportlerin außerhalb des Tennisplatzes. Billie Jean King war davon überzeugt, dass Frauen im Tennis genauso viel Anerkennung – und Preisgeld – zusteht wie den männlichen Kollegen. Deshalb gründete sie 1973 zusammen mit acht anderen Spielerinnen die Women’s Tennis Association (WTA). Wegen ihres gesellschaftspolitischen Engagements wurde sie 1990 vom Magazin „Life“ zu den 100 wichtigsten Amerikanern des 20. Jahrhunderts gezählt. 2009 erhielt sie von Barack Obama die Presidential Medal of Freedom, eine der beiden höchsten zivilen Auszeichnungen der Vereinigten Staaten von Amerika. Einer der Schlüsselmomente, der aus der Tennisspielerin Billie Jean King ein internationales Symbol im Kampf um Gleichberechtigung machte, war der 20. September 1973. Vor den Augen von 30.000 Zuschauern im Astrodome von Houston und 90 Millionen vor den weltweiten Fernsehbildschirmen besiegte sie im „Battle of the Sexes“ das selbst ernannte „männliche Chauvinistenschwein“ Bobby Riggs mit 6:4, 6:3, 6:3.

Dieser Schaukampf um die Gleichberechtigung steht im Zentrum des Films mit Emma Stone und Steve Carell in den Hauptrollen. Die Preview nahmen DOSB, Deutscher Frauenrat und Deutscher Tennis Bund zum Anlass, um in einer anschließenden Diskussionsrunde vor allem eine Frage zu erörtern: Wie aktuell ist heutzutage der in „Battle of the Sexes“ dargestellte Kampf der Frauen um Gleichberechtigung im Sport und in der Gesellschaft?

DOSB-Vizepräsidentin Petra Tzschoppe verwies auf die seither erreichten Fortschritte, konstatierte aber: „Auch wenn in der Beteiligung von Frauen am Sport seither viel erreicht wurde, in Führungspositionen sind sie noch immer in der Unterzahl. Schauen wir in unsere Mitgliedsverbände, dann agieren auf den Entscheidungsebenen überwiegend Männer. Obwohl wir seit den 1980er Jahren daran arbeiten, sind die Schritte hier noch relativ klein. Deshalb haben wir im DOSB eine Geschlechterquote beschlossen: In allen Gremien müssen zu 30 Prozent Frauen, aber auch Männer vertreten sein. Es ist wichtig, dass wir gemeinsam gegen diese Diskriminierung und Ungerechtigkeit angehen.“

Bundestrainerin Claudia Kohde-Kilsch hat sich den Film über Billie Jean King, die sie persönlich gut kennt, war von der filmischen Umsetzung des Themas ebenfalls begeistert. „Der Film stellt sehr wahrheitsgetreu und gut dar, wie Billie Jean King für mehr Preisgeld, aber vor allem für mehr Anerkennung und Respekt gekämpft hat. Das ist uns als nachfolgender Generation von Tennisspielerinnen zugute gekommen. Dafür sind wir ihr noch heute dankbar.“

Mona Küppers, Vorsitzende des Deutschen Frauenrates und kommissarische Präsidentin des Deutschen Segler-Verbandes, ist überzeugt: „Wir sind zwar in einigen Bereichen weitergekommen, aber mich hat es trotzdem erschüttert, wie wenig sich doch von 1973 bis heute geändert hat. Noch immer kämpfen wir Frauen um gleichen Lohn für gleiche Arbeit und darum, ernst genommen zu werden.“

Nicht nur die anwesenden Sportschülerinnen und Sportschüler der Poelchau-Schule – einer Eliteschule des Sports – konnten aus der lebhaften Debatte nach dem Film einiges mitnehmen. Claudia Kohde-Kilsch: „Die Diskussionsrunde war interessant, auch weil ich persönlich viele der angesprochenen Themen genauso erlebe und empfinde.“ Den Film „Battle of the Sexes“ kann die frühere Nummer vier der Tennis-Weltrangliste „nur empfehlen, weil er sehr vieles aus der damaligen Zeit widerspiegelt – und auch aus der heutigen!“ Diese klare Kinoempfehlung bekräftigten alle Diskussionsteilnehmerinnen.


 
 

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