Verena Jung ist neue Handball-Frauenbeauftragte

25.01.2016

Verena Jung ist die neue Frauenbeauftragte des Deutschen Handballbundes (DHB). Im Interview spricht sie über ihre Ziele im neuen Amt und die ersten Schritte.

Die neuen DHB-Frauenbeauftragte, Verena Jung, ist außerdem amtierende Vizepräsidentin des Hamburger Handball-Verbands. Foto: privat

Die studierte Betriebswirtin, die früher die persönliche Referentin des damaligen DOSB-Präsidenten Thomas Bach war, tritt die Nachfolge von Sandra Polchow und der kommissarischen Amtsinhaberin Anja Salzwedel an.

Frau Dr. Jung, wieso haben Sie sich entschieden, dieses Amt zu übernehmen? Wie sind Sie dort „reingerutscht“, wenn ich es flapsig formulieren darf?

VERENA JUNG: Bereits seit 2013 bin ich Beisitzerin in der Frauenkommission des DHB und hatte also Zeit, mich mit dem Themenfeld und der Arbeitsweise der Kommission vertraut zu machen. Als meine Vorgängerin Sandra Polchow aus privaten Gründen leider das Amt nicht mehr wahrnehmen konnte, wurde ich gefragt, diese Aufgabe zu übernehmen. Natürlich habe ich gründlich überlegt, ob ich dem Amt neben meiner Arbeit und bestehendem ehrenamtlichen Engagement gerecht werden kann, so dass ich es nicht als Reinrutschen bezeichnen würde.

Was möchten Sie als Frauenbeauftragte erreichen?

Die Vision muss sein, dass wir dieses Amt irgendwann nicht mehr benötigen, da die zum Teil anderen Bedürfnisse von Mädchen und Frauen als Spielerinnen, Trainerinnen, Schiedsrichterinnen, Ehrenämtlern etc. automatisch mit berücksichtigt werden. Wir sind bereits auf einem guten Weg, aber noch lange nicht am Ziel, und gerade für die genannten Interessensgruppen laufen bzw. starten wir Initiativen.

Neben dem "was" ist aber auch das "wie" wichtig. Die Zeit der Suffragetten ist in meinen Augen vorbei. Was wir brauchen, sind offene, konstruktive Gespräche mit allen Beteiligten wie zum Beispiel dem Ehren- und Hauptamt im DHB und den Landesverbandsvertretern sowie pragmatische Lösungen.

Was werden die ersten Schritte sein, die Sie in Ihrem neuen Amt angehen möchten?

Neben der Fortführung der Schiedsrichterinnen- und Trainerinnenprojekte zusammen mit dem DOSB möchte ich den oben erwähnten konstruktiven Dialog mit den Landesverbänden beginnen, um mit ihnen Wege zu finden, wie wir die Entscheidungsgremien bunter und diversifizierter gestalten können. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass gemischtere Gruppen bessere Entscheidungen treffen sind augenscheinlich, doch wir müssen zusammen die Rahmenbedingungen so gestalten, dass Frauen aber auch jüngere Männer Ehrenamt und zum Beispiel Beruf und Familie vereinbaren können.

Wird es in der Frauen-Kommission noch weitere personelle Veränderungen geben?

Natürlich ist mit meiner Berufung mein Platz als Beisitzerin frei geworden, den wir nicht vakant lassen wollen. Allerdings habe ich es auch zur Bedingung meiner Wahl gemacht, dass wir unsere Arbeitsweise überdenken. Ich maße mir und der Kommission nicht in allen Bereichen Expertise an, weswegen wir diese punktuell und sinnvoll hinzuziehen müssen. Ein Beispiel ist das Trainerinnenprojekt, bei dem wir mit dem DOSB kooperieren und Trainerinnen einbinden, die tagtäglich an der Seitenlinie stehen.

Karsten Döring, der Präsident des Thüringer HC, kritisierte unlängst, der DHB werde „vom Männer-Handball dominiert“. Wie stehen Sie zu dieser Aussage?

Zu Art und Inhalt dieser Aussagen werde ich mich nicht äußern. Es geht hier um etwas Grundsätzliches: Sicherlich hat der Männer-Handball mehr Strahlkraft, ist stärker professionalisiert und dominiert so erst einmal die Wahrnehmung, aber es geht der Frauenkommission und mir nicht um einen Wettbewerb zwischen Männern und Frauen. Durch meine berufliche Zeit als persönliche Referentin des ehemaligen DOSB-Präsidenten Thomas Bach und in der Fußballbranche kenne ich die vielfältigen Gründe der aktuellen Situation und damit verbundene Effekte zu Genüge. Zum Beispiel ist der Punkt TV-Präsenz des Frauen-Handballs eine ganz harte Nuss, wo sich sicherlich alle im DHB freuen würden, wenn man die knacken könnte. Viele Leute im DHB arbeiten bereits nicht nur mit Blick auf die Weltmeisterschaft 2017 an einer besseren Positionierung des Frauen-Handballs, und mit den oben genannten Initiativen versuche auch ich, meinen Teil dazu beizutragen.

In meinen Augen wäre es allerdings falsch, dem Männer-Handball Unterstützung zu entziehen oder den Erfolg zu neiden. In vielen Aspekten können Männer- und Frauen-Handball voneinander profitieren, wenn ich zum Beispiel an die Kooperation des Hamburger Handballverbands mit der Eliteschule des Sports in Hamburg denke. Und von der Sogwirkung, die medial gut aufbereitete Handball-Events entfachen können, profitiert schließlich auch der Frauen-Handball. Ich werde in jedem Fall unseren Jungs bei der Europameisterschaft in Polen alle verfügbaren Daumen drücken.

 
 

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