Von Kampfsportlerinnen und Kampfkatzen

08.03.2012

Mit schlagkräftigen Argumenten und Regina Halmich stärkt der DOSB zum Start der Kampagne „Gewalt gegen Frauen - nicht mit uns!“ Frauen und Mädchen den Rücken.

Box-Weltmeisterin Regina Halmich ist Schirmfrau der DOSB-Kampgane. Foto: DOSB/camera4

DOSB-Vizepräsidentin Ilse Ridder-Melchers (mitte) freut sich über die politische Präsenz von Dagmar Freitag und Ute Schäfer (v.re.) zum Start der diesjährigen Kampagne. Foto: DOSB/camera4

Kampfsportlerinnen lassen sich von Regina Halmich Tipps geben. Foto: DOSB/camera4

Kampfsportlerinnen demonstrieren ihr Können. Foto: DOSB/camera4

Gruppenbild mit der Box-Weltmeisterin, Foto: DOSB/Camera4

In Berlin verdeutlichte die mehrfache Box-Weltmeisterin Regina Halmich am Mittwoch (7.3.) den Zusammenhang von richtiger Ausstrahlung und durchschlagendem Erfolg.

Gewalt hat viele Facetten - sie kann physisch oder psychisch sein, laut oder leise, aggressiv oder subtil. Tagtäglich trifft sie zahllose Frauen und Mädchen, aber auch Jungen oder Behinderte. Und sogar Profiboxerinnen. „Für mich brach damals eine Welt zusammen“, erinnert sich Ex-Boxerin Regina Halmich in Berlin anlässlich der DOSB-Auftaktveranstaltung zur Kampagne „Gewalt gegen Frauen - nicht mit uns!“ an einen Kampf in Kiew. Die beiden Klitschko-Brüder hatten geboxt, die Profiboxerin bestritt den Kampf dazwischen. „Bei der anschließenden Pressekonferenz durfte ich nicht vorne sitzen. Laut dem Bürgermeister von Kiew sollten Frauen sich die Nägel lackieren, denn sie gehören nicht in den Boxring, sondern in die Küche und ins Bett.“

Nicht nur deshalb steigt die mehrfache Weltmeisterin mit ihrer ganzen Frauenpower heute wieder in den Ring - als Schirmfrau verleiht sie dem Null-Toleranz-Prinzip des DOSB gegen jede Form von Gewalt ihre Stimme. „Wir wollen ein starkes Zeichen gegen Gewalt setzen und Frauen den Rücken stärken“, bringt DOSB-Vizepräsidentin Frauen und Gleichstellung Ilse Ridder-Melchers die bundesweite Mitmach-Aktion auf den Punkt. „Sport kann Frauen und Mädchen vor Gewalt schützen.“ Darum macht der DOSB in Kooperation mit Kampfsportverbänden und -vereinen sowie Frauenorganisationen schon im fünften Jahr Mädchen und Frauen mit kostenlosen Schnupperkursen in punkto Selbstbehauptung und Selbstverteidigung fit. Klar ist: Um Betroffenen professionell zu helfen und ihnen einen geschützten Raum zu bieten, ist die Vernetzung mit Frauenberatungsstellen und Frauennotrufen unverzichtbar - freie und kommunale Einrichtungen begrüßen die Zusammenarbeit mit Sportverbänden und -vereinen ausdrücklich. Aus diesem Grund waren neben DOSB-Präsident Thomas Bach auch zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Kampfsportverbände und Aktionspartnerinnen nach Berlin zu kommen, um beim bundesweiten Startschuss der Aktion dabei zu sein.

Dabei verschließt der DOSB die Augen nicht vor der Tatsache, dass Gewalt auch auf Sportplätzen und in Turnhallen stattfindet. „Gewalt - gegen wen auch immer - hat in unserer Gesellschaft und natürlich auch im Sport nichts zu suchen“, konstatiert Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestags. „Der Sport vermittelt Grundwerte, die von elementarer Bedeutung für die gesamte Gesellschaft sind. Gewalt - in welcher Form auch immer - torpediert die Grundwerte des Sports.“

Laut Ute Schäfer, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, schützt Schweigen die Falschen und deshalb plädiert sie für eine Enttabuisierung und eine Kultur des Hinsehens.

Eine Kultur der dosierten Gegenwehr empfiehlt Fatma Keckstein, Direktorin Frauensport und Vorstandsmitglied im Deutschen Ju-Jutsu-Verband: „Ein Selbstverteidigungskurs macht aus Frauen keine ausgebildeten Kampfkatzen. Wir sind bei Übergriffen immer noch die Schwächeren und sollten die Schrecksituation beim Angreifer durch unsere Gegenwehr zur Flucht nutzen.“ Trotzdem schützt Kampfsport präventiv vor Gewalt, wie Keckstein weiß: „Man ist sich seiner eigenen Stärke bewusst und fühlt sich selbstsicherer - das strahlt man aus.“ Auch die ehemalige Profiboxerin Regina Halmich ist von dieser Ausstrahlung überzeugt: „Kampfsportlerinnen haben eine aufrechtere Körperhaltung und einen anderen Blick. Frauen werden nicht zum Opfer, wenn sie selbstbewusst auftreten.“ Für sie hat Kampfsport einen dreifachen Nutzen: Er macht Spaß, hält fit und schützt obendrein vor Gewalt. Nur nicht vor unverschämten  Bürgermeistern.

Die Schnupperkurse der Aktion „Gewalt gegen Frauen - nicht mit uns!“ finden bundesweit ab dem 7. März statt - Infos gibt’s unter www.aktiongegengewalt.dosb.de.

(Quelle: DOSB)


 
 

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