Vielfalt für Olympia

Inmitten der internationalen Debatte um die Verantwortung von Sportorganisationen, die künftige Gestaltung von Sport-Großevents sowie des Agenda-2020-Prozesses des IOC kann Deutschland zeigen, wie in einem demokratischen Staat die Olympische Idee zeitgemäß interpretiert und umgesetzt werden kann. Vielfalt und Geschlechtergerechtigkeit sind als Teil umfassender Nachhaltigkeit mit den drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Soziales tragende Prinzipien gesellschaftlicher Verantwortung im 21. Jahrhundert. Dabei erfordert die Erschließung zusätzlicher Potentiale für den Sport eine Sportkultur, die insbesondere auch Mädchen und Frauen respektiert, wertschätzt und ihre gleichberechtigte Beteiligung in allen Handlungsfeldern des Sports sicherstellt.

Daher hat der DOSB die Erklärung Tor zur Vielfalt verfasst und drei Olympia-Gipfel abgehalten.

Der erste Olympiagipfel fand am 21. 03. 2015 in Frankfurt statt. Der zweite Olympiagipfel tagte am 30. 05. 2015 in Berlin. Last, but not least wurde der dritte Olympiagipfel im Rahmen der Frauen-Vollversammlung am 26.09.2015 in Nürnberg durchgeführt. Lesen Sie hierzu: Wir sind alle Hamburg.

Darüber hinaus engagiert sich der DOSB u.a. im Rahmen der Aktivitäten gegen Homophobie im Sport, bei der Charta der Vielfalt, sowie rund um Chancengleichheit im Sport.

Foto: picture-alliance

Berliner Erklärung gegen Homophobie im Sport

(Unterzeichnungsdatum: 17. Juli 2013, Berlin)

Der DOSB gemeinsam mit dem DFB sowie sechs Bundesligavereine, drei Bundesminister und weitere Institutionen und Verbände fordern gemeinsam ein Ende der Homophobie im Sport.

Wird sich heute ein Profifußballer outen? Die Neugierde war groß bei den über 100 geladenen Gästen und zahlreichen Journalisten am 17. Juli in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom. „Ich habe das Gefühl, dass wir hier heute etwas Historisches schaffen“, heizte ZDF-Moderatorin Kathrin Müller-Hohenstein, die durch die Veranstaltung führte, die Stimmung an.

Doch wer auf die große Sensationsnachricht oder schnelle Schlagzeile hoffte, wurde enttäuscht. Stattdessen stellte die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld ein ehrgeiziges Programm vor, das das teilweise raue Klima im Fußballsport viel nachhaltiger verändern könnte. Die „Berliner Erklärung“, die an diesem Mittwoch feierlich enthüllt wurde, ist mehr als ein bloßes Bekenntnis zum Kampf gegen Homophobie im Sport.

Stiftungsvorstand Jörg Litwinschuh konnte dafür zum einen ein prominent besetztes Bündnis schmieden: Mit Hans-Peter Friedrich, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Kristina Schröder gehören nicht nur drei Bundesminister zu den 15 Erstunterzeichnern, sondern auch die Vizepräsidentin des Deutschen Olympischer Sportbunds Ilse Ridder-Melchers, DFB-Chef Wolfgang Niersbach sowie sechs Präsidenten von Erst- und Zweitligavereinen, darunter Uli Hoeneß vom FC Bayern München. Zum anderen findet die Erklärung deutliche Worte: „In weiten Teilen des Sports sind homophobe Tendenzen dennoch nach wie vor stark ausgeprägt, homosexuelle Sportlerinnen und Sportler fühlen sich diskriminiert und in ihren Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt.“

Die Bekämpfung von Homophobie im Fußball sei besonders wichtig, betonte die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in ihrer Eröffnungsrede. „Gerade vom Fußball als unangefochtenem Volkssport Nummer eins, der jede Woche Millionen vor den Fernseh-Bildschirm und in die Stadien lockt, kann eine ganz wichtige Funktion in diesem Bereich ausgehen.“ Der DOSB binde das Thema „Homosexualität im Sport“ in seine „Gender- und Diversity“-Aktivitäten ein, sagte Ilse Ridder Melchers. "Die erfolgreiche Integration vieler sozialer Gruppen bildet einerseits die existenzielle Grundlage für den organisierten Sport und ist andererseits gesellschaftspolitisch notwendig, soll das Motto `Sport für alle´ dauerhaft realisiert werden." Daran, dass Schiedsrichter im Stadion noch immer häufig als schwul bezeichnet werden, um sie zu beleidigen, erinnerte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders.  In einer traurigen Konkurrenz hätten homophobe Sprüche sogar rassistische Beleidigungen überholt.
Hier setzt das von der Universität Vechta entwickelte Bildungsprojekt „Fußball für Vielfalt“ an, mit dem die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld die Ziele der „Berliner Erklärung“ in die Praxis umsetzen möchte. Die Initiative soll zunächst empirische Daten zu Homophobie und Fußball erheben. Anschließend sollen auf dieser Grundlage Bildungsmodule erstellt werden, mit denen in Vereinen, Fan-Organisationen und Schulen sensibilisiert und aufgeklärt werden kann.

Einen eigenen Beitrag für Vielfalt, Respekt und Akzeptanz leistete der Deutsche Fußball-Bund, der pünktlich zur Veranstaltung in Berlin eine 28-seitige Broschüre zum Thema „Fußball und Homosexualität“ vorstellte. Sie soll den Vereinen einen Leitfaden im Umgang mit homosexuellen Spielerinnen und Spielern geben.

Auch in der Bundesliga? Christine Lüders ging in ihrer Rede auf die Frage ein, die so viele Menschen bewegt. „Das Coming-out fehlt noch, aber es wird kommen. Wir alle arbeiten daran.“

(Quelle: Bundesstiftung Magnus Hirschfeld/DOSB)

Hier finden Sie die Berliner Erklärung

Impulspapier "Chancengleichheit und Vielfalt"

(Beschlossen auf der 6. Frauen-Vollversammlung des DOSB, 18. September 2011)

Sport ist Vielfalt!

Diese Aussage beschreibt die enorm gewachsene soziale Vielfalt der Menschen, die heute Sport treiben. Von einem wachsenden Sportinteresse über die verschiedenen Bevölkerungsgruppen hinweg profitieren auch die 91.000 Sportvereine in Deutschland. Die damit einhergehende Vielfalt an Motiven, Interessen, körperlichen Voraussetzungen, kulturellen oder religiösen Hintergründen, zeitlichen oder finanziellen Ressourcen stellt gleichzeitig eine der größten Herausforderungen des organisierten Sports für die Zukunft dar, will er dauerhaft Mitglieder, freiwillig Engagierte und ehrenamtliche Mitarbeiter/innen für sich gewinnen und binden. Die erfolgreiche Integration vieler sozialer Gruppen bildet einerseits die existenzielle Grundlage für den organisierten Sport und ist andererseits gesellschaftspolitisch notwendig, soll das Motto „Sport für alle" dauerhaft realisiert werden.

 

Hier finden Sie das Impulspapier

Charta der Vielfalt

Die Charta der Vielfalt ist eine Unternehmensinitiative zur Förderung von Vielfalt in Unternehmen und Institutionen. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel ist Schirmherrin. Die Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özoğuz, unterstützt die Initiative.

Die Initiative will die Anerkennung, Wertschätzung und Einbeziehung von Vielfalt in der Unternehmenskultur in Deutschland voranbringen. Organisationen sollen ein Arbeitsumfeld schaffen, das frei von Vorurteilen ist. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen Wertschätzung erfahren – unabhängig von Geschlecht, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität.

Die Charta der Vielfalt wurde von Daimler, der BP Europa SE (ehemals Deutsche BP), der Deutschen Bank und der Deutschen Telekom im Dezember 2006 ins Leben gerufen. Mehr als 1.750 Unternehmen und öffentliche Einrichtungen haben die Charta der Vielfalt bereits unterzeichnet und kontinuierlich kommen neue Unterzeichner hinzu.

Der DOSB unterzeichnete die Charta im Dezember 2007.

(Quelle: Charta-der-Vielfalt.de)

Hier finden Sie die Charta im Wortlaut

 
 

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