Wie barrierefrei ist Hamburg? – Ein Praxistest

27.05.2015

Hamburg ist immer eine Reise wert. Aber wie gut sind die Hotspots der Stadt zu erreichen, wenn man mit dem Rollstuhl unterwegs ist? Zwei Rollstuhlfahrerinnen haben den Praxistest gemacht.

Hamburg ist beim Thema Barrierefreiheit auf einem guten Weg. Foto: picture-alliance

Die Autorin der Paralympics-Zeitung Katharina Schiller und die Bloggerin und Modemacherin Anastasia Umrik waren einen Tag mit dem Rollstuhl in Hamburg unterwegs:

An diesem Tag sind wir Touristinnen in unserer eigenen Stadt. Und wo zieht es Besucher als erstes hin? Richtig – an den Jungfernstieg. Dort hat man einen wunderschönen Blick auf die Binnenalster und kann Cocktails schlürfen oder Eis essen. Gleich dahinter liegt das Hamburger Rathaus, auf dessen Vorplatz der Opens external link in new window„Tag ohne Grenzen“ stattfinden wird.

Mit dem Bus kommen Rollstuhlfahrer überall hin

Die Station Jungfernstieg wird zwar von mehreren S- und U-Bahnlinien angefahren, doch barrierefrei sind davon nur die Bahnsteige der U2 und der U4. Deshalb empfiehlt es sich, bis zum Hauptbahnhof zu fahren und von dort aus mit der Shoppingtour auf der Mönckebergstraße zu beginnen und sich zum Jungfernstieg „vorzuarbeiten“. Ansonsten bringen einen verschiedene Buslinien mit barrierefreien Niederflurbussen an die Alster.

„Busfahren ist dank der Rampen die bequemste Art des Reisens in Hamburg. Damit kommt man eigentlich überall hin“, bestätigt Anastasia Umrik. An der Alster ist sie am liebsten und genießt die hanseatische Atmosphäre. Dies kann man besonders gut in den vielen Cafés und Restaurants. Das Café Mélange und das Alex im Alsterpavillon sind barrierefrei und auch das Café Paris wird demnächst dank Anastasia Umrik mit einer Rampe aus dem Projekt „Tausendundeine Rampe“ ausgestattet.

Ein Abstecher zum Hafen darf bei keinem Trip nach Hamburg fehlen. Leider ist die S- und U-Bahn-Haltestelle Landungsbrücken noch nicht barrierefrei ausgebaut. Nach Aussage der Hochbahn stellen vor allem die Kurvenlage der Bahnsteige und der Denkmalschutz die Verantwortlichen vor Herausforderungen, die aber nun in Angriff genommen werden. Und auch die S-Bahn-Zugänge werden nach Auskunft der Bahn im Laufe dieses Jahres barrierefrei ausgebaut.

Mit dem Bus sind die Landungsbrücken gut zu erreichen. Von hier aus starten die Hafenrundfahrten, doch nicht alle Schiffe sind stufenlos. Eine günstige Alternative sind die Fähren des Hamburger Verkehrsverbundes HVV. Diese sind auch mit Rollstuhl zugänglich.

Insgesamt fällt der Test gut aus

Von den Landungsbrücken aus ist die Reeperbahn nur einen Katzensprung entfernt. Die U-Bahn Station St. Pauli ist mit Rollstuhl gut zu erreichen. Doch „barrierefrei“ bedeutet nicht unbedingt, dass problemloses Bahnfahren immer gewährleistet ist. Inzwischen gibt es allerdings neue Züge, die den Ein- und Ausstieg für Rollifahrer erleichtern.

Zum Feiern geht Anastasia Umrik gerne in die Rock-Bar 20Flight. Bei vielen anderen Clubs und Bars ist der Zugang für Rollstuhlfahrer, speziell mit Elektro-Rollstuhl, allerdings eher schwierig.

Auch im nahegelegenen Schanzenviertel kann man den Abend bei einem Drink ausklingen lassen. Vor allem das Braugasthaus Altes Mädchen gehört zu Umriks Favoriten. Es ist hürdenlos zu erreichen und man kann zahlreiche Biersorten durchprobieren.

Insgesamt fällt der Test auf Barrierefreiheit in Hamburg für Anastasia Umrik gut aus. Was sie allerdings besonders stört, sind kleine Stufen und Schwellen. Von vielen Restaurant-, Bar- oder Boutiquebetreibern werden sie als „nicht so schlimm“ erachtet. Aber für Rollstuhlfahrer sind sie schwer bis nicht überwindbaren Hürden.

Barrierefreiheit sollte zum Lifestyle werden

Anastasia Umrik: „Es wird nicht erkannt, dass wir Rollstuhlfahrer eine Zielgruppe sind. Barrierefreiheit sollte zum Lifestyle werden. Wie aktuell der Trend für Bio oder Vegan. Dann machen es plötzlich alle, weil es einfach cool ist“.

Mit ihrem Modelabel inkluWAS und dem Verein anderStark trägt Umrik selbst zu diesem Lifestyle-Gefühl bei. Die Klamotten von inkluWAS erklären spielerisch das Thema Inklusion. Mit anderStark setzt Umrik die Schönheit von Frauen mit Behinderung in Szene.

Fazit: Hamburg hat noch einige Schritte vor sich, bis Barrieren – im öffentlichen Raum und in den Köpfen – abgebaut sind. Aber die Stadt ist auf einem guten Weg und so bleibt allen Besuchern des Opens external link in new window„Tag ohne Grenzen“ zu wünschen: Viel Spaß in Hamburg!

(Quelle: DOSB-Presse, Ausgabe 22/Katharina Schiller)

 

 


 
 

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