Was steht im Dritten Deutschen Kinder- und Jugendsportbericht?

24.02.2016

Im Sommer des vergangenen Jahres wurde der dritte Kinder- und Jugendsportbericht vorgestellt. In einer siebenteiligen Serie werden nun ausgewählte Ergebnisse vorgestellt. (Teil 3)

Rund 20 Prozent der deutschen Sportvereine sind kinder- und jugendorientiert. Foto: LSB NRW

Der Kinder- und Jugendsport ist mehr denn je im Wandel. Das ist das wesentlichste Fazit des Dritten Deutschen Kinder- und Jugendsportberichts, der im Sommer letzten Jahres in Essen in Anwesenheit von Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Alfons Hörmann, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vorgestellt wurde. Das sechsköpfige Herausgeberteam mit dem Essener Sportpädagogen Prof. Werner Schmidt als Gesamtleiter hat dem aktuellen 640-seitigen Bericht demzufolge den treffenden Untertitel „Kinder- und Jugendsport im Wandel“ verliehen.

Damit wird auch das Anliegen verfolgt, das Alfons Hörmann in seiner Rede auf der 12. Mitgliederversammlung des DOSB am 5. Dezember 2015 in Hannover anmahnte, indem er dazu aufrief: „Lesen Sie und erarbeiten und analysieren Sie mit uns gemeinsam den aktuellen Kinder- und Jugendsportbericht.“ Unsere Serie soll die vollständige Lektüre des Berichtes zwar nicht vollends , sie kann aber gleichsam als Einladung dienen, dieses und jenes genauer nachzulesen, um den Wandel im Kinder- und Jugendsport noch besser zu verstehen und gegebenenfalls darauf – je nach Standpunkt und Möglichkeiten – sinnvoll und angemessen zu reagieren. Der dritte Teil der Serie beschäftigt sich mit den vorliegenden Forschungsergebnissen aus „Sportszenen“.

In diesem Teil des Berichtes werden die Situation bzw. die Aktivitäten der Kinder und Jugendlichen in insgesamt sieben „Sportszenen“ näher beschrieben. Kurze Quizfrage: Welche sind das wohl? Richtig – und gleich der Reihe nach: Sportvereine (1), Schulsport (2), Leistungssport (3), Kommerzieller Sport (4), Trendsport (5), Informeller Sport (6) und die Kinder- und Jugendhilfe (7). Zu diesen sieben Sportszenen liegen jeweils Beiträge im Band vor. Zugegeben – diese Auflistung ist etwas gewöhnungsbedürftig: Man könnte z.B. (fälschlich) daraus schließen, dass der Leistungssport, weil er hier als eine eigene Szene außerhalb der Sportvereine behandelt wird, gar nicht (mehr) in Sportvereinen stattfindet.

20 Prozent der Sportverein sind kinder- und jugendorientiert

Der Beitrag über die Sportszene „Sportvereine“ stammt von einer dreiköpfigen Kölner Forschergruppe um Prof. Christoph Breuer, der auch für die sog. Sportentwicklungsberichte mit der „Analyse zur Situation der Sportvereine in Deutschland“ verantwortlich zeichnet, die der DOSB seinerzeit zusammen mit dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft in Auftrag gegeben hatte.

Demzufolge werden hier auch aktuelle bzw. längsschnittliche Daten referiert, die aus diesen Sportentwicklungsberichten stammen – so beispielsweise zum kinder- und jugendorientierten Sportverein, der sich durch Beteiligungsmöglichkeiten für Jugendliche auszeichnet, über einen Jugendwart oder eine Jugendwartin verfügt und dessen Vereinsführung die Aussage „Unser Verein engagiert sich stark in der Jugendarbeit“ voll vertritt.

Demnach können rund 20 Prozent Sportvereine in Deutschland als solche bezeichnet werden. Dazu passt auch noch ein anderer Befund hinsichtlich der Kooperation bzw. der gemeinsamen Angebotserstellung mit Partnern. Abgesehen davon, dass einige dieser Partner ohnehin im Kinder- und Jugendbereich (z.B. Schule, Jugendamt) anzusiedeln sind, ist der Anteil der kinder- und jugendorientierten Vereine, die verteilt über die gesamte Partnerpalette (z.B. mit Krankenkassen, Grundsicherungsämtern) kooperieren, deutlich höher als der anderer Sportvereine.

Sportunterricht wird von Schülerinnen und Schülern positiv bewertet

Die Sportszene „Schulsport“ wird – um im Bild zu bleiben – von den beiden Heidelberger Sportpädagogen Prof. Rüdiger Heim und Jan Sohnsmeyer (unter der Mitarbeit von Janian Donalies-Vitt, Daniel Kraft und Caroline Schinke) in Szene gesetzt. Ihr Bericht konzentriert sich im Wesentlichen auf Befunde aus Forschungsbeiträgen, die nach 2008 publiziert worden sind.

Der Artikel ist thematisch fokussiert auf kontextuelle Rahmenbedingungen des Sportunterrichts, die ihn bestimmenden Unterrichtsprozesse (hier insbesondere: Unterrichtsklima, Klassenführung und Motivation, Anerkennungs- und Missachtungsprozesse). Ferner werden Befunde über Sportlehrerinnen und -lehrer (übrigens der mit rund acht Seiten längste Abschnitt!) sowie den Wirkungen des Sportunterrichts (hier: fachliche und fachübergreifende Leistungen und Fähigkeiten bzw. Kompetenzen) referiert.

Am Ende folgt eine kurze Zusammenfassung, in der (mindestens) zwei „Merksätze“ in Bezug auf die Profession des Sportlehrberufes herausstechen: „Lernerfolge hängen in besonderem Maße vom Engagement der Lehrpersonen ab“. Und: „Während der Sportunterricht aus Schülersicht sehr positiv eingeschätzt wird, gilt diese Anerkennung leider noch nicht für Lehrkräfte anderer Fächer und die Elternschaft“ (Seite 139).

Der Szene-Begriff erhält im Aufsatz über die Sportszene „Trendsport“ eine Bedeutungserweiterung, findet doch Trendsport gerade in sog. „lokalen Szenen“ statt und ist doch gegenwärtig eine auffällige Tendenz zur Medialisierung von „Trendsportszenen“ zu beobachten, wie eingangs des Beitrags geschrieben steht. Im Kern geht es darum, exemplarisch die vier Trendsportszenen von ersten Bicycle bzw. Moto Cross (BMX), von zweitens Skateboarding, von drittens Surfen und schließlich von Parkour bzw. Freerunning als jugendliche Bewegungskulturen zu verorten.

Werner Schmidt, Nils Neuber, Thomas Rauschenbach, Hans Peter Brandl-Bredenbeck, Jessica Süßenbach & Christoph Breuer (Hrsg.): Dritter Deutscher Kinder- und Jugend-sportbericht. Kinder- und Jugendsport im Umbruch. Schorndorf 2015: Hofmann Verlag. 640 Seiten; 49,90 Euro.

(Quelle: DOSB/Prof. Detlef Kuhlmann)

 
 

Olympia Partner

Sport für Alle Partner

Olympia Partner

Sport für Alle Partner