Was steht im Dritten Deutschen Kinder- und Jugendsportbericht?

09.03.2016

Im Sommer des vergangenen Jahres wurde der dritte Kinder- und Jugendsportbericht vorgestellt. In einer siebenteiligen Serie werden nun ausgewählte Ergebnisse vorgestellt. (Teil 5)

Bewegungs-, Spiel- und Sportaktivitäten werden fast flächendeckend an allen Ganztagsschulen angeboten. Foto: LSB NRW

Der Kinder- und Jugendsport ist mehr denn je im Wandel. Das ist das wesentlichste Fazit des Dritten Deutschen Kinder- und Jugendsportberichts, der im Sommer letzten Jahres in Essen in Anwesenheit von Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Alfons Hörmann, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vorgestellt wurde. Das sechsköpfige Herausgeberteam mit dem Essener Sportpädagogen Prof. Werner Schmidt als Gesamtleiter hat dem aktuellen 640-seitigen Bericht demzufolge den treffenden Untertitel „Kinder- und Jugendsport im Wandel“ verliehen.

Damit wird auch das Anliegen verfolgt, das Alfons Hörmann in seiner Rede auf der 12. Mitgliederversammlung des DOSB am 5. Dezember 2015 in Hannover anmahnte, indem er dazu aufrief: „Lesen Sie und erarbeiten und analysieren Sie mit uns gemeinsam den aktuellen Kinder- und Jugendsportbericht.“ Unsere Serie soll die vollständige Lektüre des Berichtes zwar nicht vollends , sie kann aber gleichsam als Einladung dienen, dieses und jenes genauer nachzulesen, um den Wandel im Kinder- und Jugendsport noch besser zu verstehen und gegebenenfalls darauf – je nach Standpunkt und Möglichkeiten – sinnvoll und angemessen zu reagieren. Der fünfte Teil der Serie beschäftigt sich mit den Forschungsberichten über „Herausforderungen für den Sport“.

Zu diesem vierten Kapitel gehören vier Beiträge: Der erste stammt von der Osnabrücker Sportpädagogin Prof. Renate Zimmer und betrifft die „Frühkindliche Bildung und Sport“. Der zweite behandelt das Thema „Ganztag und Sport“, der dritte von Dr. Jessica Süßenbach und Stefan Claus betrifft die kommunalen Bildungslandschaften und den Sport, der vierte und letzte schließlich thematisiert die Partnerschaft von Staat und Sport. Zugegeben – mit dieser Auflistung wird der Bereich der „Herausforderungen“ etwas eng geführt. Man könnte beispielsweise – ohne die Bedeutung der aufgeführten Themen zu schmälern – auch fragen, ob es nicht noch andere wichtige Herausforderungen im bzw. für den Sport gerade mit Blick auf Kinder und Jugendliche gibt, denen offenbar in diesem Bericht nicht weiter nachgegangen wird … die Doping-Problematik bzw. die Doping-Prävention sei daher wenigstens explizit genannt! 

Auf zwei der in diesem vierten Kapitel enthaltenden Beiträge soll stellvertretend für die anderen beiden etwas näher eingegangen werden: Den „Ganztag und Sport“ hat Prof. Nils Neuber (Münster) bearbeitet. Die Ganztagsschule ist mittlerweile integraler Bestandteil unseres Bildungssystems geworden – ob Jungen und Mädchen deswegen weniger Sport treiben, lässt sich derzeit (noch) nicht belegen, aber „unstrittig ist jedoch ein Wandel des Sportengagements“ (S. 417). Bewegungs-, Spiel- und Sportaktivitäten werden fast flächendeckend an allen Ganztagsschulen angeboten: Etwa ein Drittel aller Ganztagsangebote sind sportlich ausgerichtet; mehr als die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler nehmen daran teil. Es fehlen jedoch derzeit z.B. systematische Erhebungen über Umfang und Inhalte der Angebote sowie deren methodische Inszenierungen, geschweige denn gibt es Studien zu den (gewünschten) Wirkungen auf Schülerseite.

Die Partnerschaft von Staat (hier: Bund, Land und Kommune) und Sport (hier der in Vereinen und Verbänden als die dominanten Sportorganisationen) hat sich längst etabliert, treffen doch hier die beiden fundamentalen Grundsätze der Autonomie des (organisierten) Sports und der nach subsidiärer Förderung von staatlicher Seite geradezu „partnerschaftlich“ aufeinander.

Inwiefern verbirgt sich dahinter nun eine (neue?) Herausforderung für den Sport? Dieser Frage geht der Berliner Sportsoziologe Prof. Sebastian Braun (Humboldt-Universität zu Berlin) nach. Er fokussiert seinen Beitrag auf die Deutsche Sportjugend (dsj), die den Jugendsport – wie er schreibt – nach innen gegenüber den Mitgliedsorganisationen und nach außen gegenüber staat-lichen Akteuren repräsentiert. Vor diesem Hintergrund untersucht Braun „spezifische Herausforderungen, mit denen die dsj und damit auch der Jugendsport in Gesellschaft und Politik aufgrund gesellschaftlicher und staatlicher Veränderungsprozesse konfrontiert ist“ (S. 467). Im Ausblick werden von Braun vor allem Herausforderungen „nach innen“ angemahnt – nämlich durch das wachsende „Spannungsverhältnis zwischen Ökonomie und Mission“ und der abnehmenden „Loyalität von Jugendlichen gegenüber verbandlich organisierten Großorganisationen“, was sich im expandierenden „Raum jugendlicher Sportszenen und -aktivitäten rund um den Erlebnis-, Abenteuer- und Freizeitsport“ widerspiegeln dürfte (S. 482).   

Werner Schmidt, Nils Neuber, Thomas Rauschenbach, Hans Peter Brandl-Bredenbeck, Jessica Süßenbach & Christoph Breuer (Hrsg.): Dritter Deutscher Kinder- und Jugend-sportbericht. Kinder- und Jugendsport im Umbruch. Schorndorf 2015: Hofmann Verlag. 640 Seiten; 49,90 Euro.

(Quelle: DOSB/Prof. Detlef Kuhlmann)

 
 

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