Was steht im Dritten Deutschen Kinder- und Jugendsportbericht?

23.03.2016

Im Sommer des vergangenen Jahres wurde der dritte Kinder- und Jugendsportbericht vorgestellt. In einer siebenteiligen Serie werden nun ausgewählte Ergebnisse vorgestellt. (Teil 7)

Eine Handlungsempfehlung lautet, Bewegungs-, Spiel- und Sportaktivitäten in den Tagesablauf zu integrieren. Foto: LSB NRW

Der Kinder- und Jugendsport ist mehr denn je im Wandel. Das ist das wesentlichste Fazit des Dritten Deutschen Kinder- und Jugendsportberichts, der im Sommer letzten Jahres in Essen in Anwesenheit von Bundesinnenminister Thomas de Maizière und Alfons Hörmann, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) vorgestellt wurde. Das sechsköpfige Herausgeberteam mit dem Essener Sportpädagogen Prof. Werner Schmidt als Gesamtleiter hat dem aktuellen 640-seitigen Bericht demzufolge den treffenden Untertitel „Kinder- und Jugendsport im Wandel“ verliehen. Die siebenteilige Serie, die hier endet, stellt ausgewählte Ergebnisse des Berichtes vor.

Damit wird auch das Anliegen verfolgt, das der DOSB-Präsident in seiner Rede auf der 12. Mitgliederversammlung des DOSB am 5. Dezember 2015 in Hannover angemahnt hat, in dem er dazu aufrief: „Lesen Sie und erarbeiten und analysieren Sie mit uns gemeinsam den aktuellen Kinder- und Jugendsportbericht!“ Unsere Serie soll die vollständige Lektüre des Berichtes zwar nicht vollends ersetzen, sie kann aber gleichsam als Einladung dienen, dieses und jenes genauer nachzulesen, um den Wandel im Kinder- und Jugendsport noch besser zu verstehen und ggf. darauf – je nach Standpunkt und Möglichkeiten – sinnvoll und angemes-sen zu reagieren. Der siebte und abschließende Teil der Serie beschäftigt sich mit den sogenannten Handlungsempfehlungen des Kinder- und Jugendsportberichtes und rundet die Serie mit einem Blick in die früheren Berichte ab.

Der jüngste Kinder- und Jugendsportbericht schließt wie schon seine beiden Vorgänger schlaglichtartig mit sog. Handlungsempfehlungen. Im neuesten sind das insgesamt elf, im ersten Band waren es sechs thesenartige Komplexe, im zweiten Bericht wurden sie in drei thematisch eingegrenzte Bereiche gebündelt. Alle sind auch als „Aufrufe zum Handeln“ zu verstehen, enthalten sie doch Forderungen, die sich mal an die Sportpraxis, mal aber auch an die Sportwissenschaft selbst richten, auch wenn sie gar nicht nach bestimmten Adressaten ausgerichtet sind. Im Grunde können sich alle angesprochen fühlen, die Verantwortung im Kinder- und Jugendsport tragen und an seiner Verbesserung – an welcher Stelle und auf welcher Ebene auch immer – mitwirken möchten.

Bezüge zu den referierten Themen im Bericht lassen sich in den Handlungsempfehlungen allemal wiederfinden, sei es zur sexualisierten Gewalt im Kinder- und Jugendsport oder sei es zur Inklusion und zur Entwicklung kommunaler Bildungslandschaften und den Möglichkeiten des Sports. Mit Blick auf die Entwicklung des Kindersports im Norwegischen Sportbund wird in der zehnten Empfehlung ganz konkret in Richtung verbandliches Ausbildungswesen vorgeschlagen: „Ein konkreter erster Schritt könnte die Selbstverpflichtung von Sportvereinen sein, im Rahmen des Kinderschutzes Führungszeugnisse für alle Übungsleiter/innen verbindlich vorzuschreiben“.

Andere Empfehlungen sind gleich an mehrere Adressaten gerichtet. Eine davon geht ungefähr so: Im Zuge der fortschreitenden Institutionalisierung von Kindheit und Jugend besteht die Gefahr zur wachsenden Inaktivität mit zunehmenden Sitzzeiten. Eine Empfehlung aus sportmedizinischer Sicht lautet somit: „Schulen, Sportvereine und Kommunen sollten es daher als eine gemeinsame Aufgabe betrachten, Bewegungs-, Spiel- und Sportaktivitäten im Sinne der Primärprävention in einen ausgewogen rhythmisierten Tagesablauf von Kindern und Jugendlichen zu integrieren“ (S. 577). Und was speziell den Grundschulbereich anbelangt, wird in Empfehlung sieben einmal mehr gefordert, den in den letzten Jahren entstandenen Bedeutungsverlust (z.B. durch Reduzierung des Umfangs des pflichtgemäßen Sportunterrichts und durch den Einsatz von fachfremdem Personal) zu beheben. An wen könnte diese Empfehlung gerichtet sein?

Die letzte Empfehlung enthält angesichts der Veränderungen der strukturellen Rahmenbedingungen im Bildungsbereich den Aufruf, das Verhältnis von Schule und Verein neu zu bestimmen. Darin ist auch von den sog. „Best-Practice-Beispielen“ die Rede, die es überall gibt, die aber viel zu wenig multipliziert werden. Der letzte Satz im Bericht bringt einen „Aufruf zum Handeln“ auf den Punkt: „Empfohlen wird, dass Vereine und Verbände verstärkt dafür Sorge tragen, erfolgreich praktizierte Modelle der Kooperation zwischen Schulen und Vereinen bekannt zu machen und so die Chance der Übernahme dieser Modellprojekte an anderen Standorten zu schaffen“ (S. 579).

Ganz zum Schluss sei noch ein kurzer Blick zurück auf die beiden Vorgängerberichte gerichtet: Der Erste Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht (mit „nur“ 444 Seiten) war im Jahre 2003 erschienen; der Zweite (dann schon mit 520 Seiten) kam im Jahre 2008 hinzu und hatte (gemäß Untertitel) den „Schwerpunkt Kindheit“. Wurde im ersten Bericht über insgesamt 18 verschiedene Themen berichtet, waren es im zweiten allein zur Kindheit schon 24. Im jüngsten Bericht sind es 25 geworden. Allein angesichts dieser textlichen Entwicklung mag man zu der an sich naheliegenden Feststellung kommen: Der Deutsche Kinder- und Jugendsportbericht selbst befindet sich im Umbruch. Wer dem Umbruch genauer auf die Spur gehen möchte, kommt um die Lektüre der drei Berichte nicht umhin – die an dieser Stelle zu Ende gehende siebenteilige Serie könnte dazu eine Einstiegshilfe sein, um dann – gemäß der oben erwähnten Forderung von DOSB-Präsident Alfons Hörmann ins Gespräch zu kommen und Folgerungen aus dem Umbruch des Kinder- und Jugendsports nicht nur, aber auch für die zukünftige Gestaltung des kind- bzw. jugendgerechten Sports in Vereinen und Verbänden abzuleiten. 

Werner Schmidt, Nils Neuber, Thomas Rauschenbach, Hans Peter Brandl-Bredenbeck, Jessica Süßenbach & Christoph Breuer (Hrsg.): Dritter Deutscher Kinder- und Jugend-sportbericht. Kinder- und Jugendsport im Umbruch. Schorndorf 2015: Hofmann Verlag. 640 Seiten; 49,90 Euro.

(Quelle: DOSB/Prof. Detlef Kuhlmann)

 
 

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