Alfons Hörmann hält die 7. Kölner Sportrede

20.05.2014

Was bewegt die Deutschen? Vor allem im Sport? Diese Frage hat Alfons Hörmann in den Mittelpunkt der 7. Kölner Sportrede gestellt, die er am Dienstag als erster DOSB-Präsident hielt.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann hielt die diesjährige "Kölner Sportrede". Foto: Andrea Bowinkelmann

Das Auditorium im Historischen Rathaus zu Köln folgte dem Vortrag Hörmanns mit großem Interesse. Foto: Andrea Bowinkelmann

Sportliches Geschenk für den Redner: Alfons Hörmann (Mitte) mit Gastgeberin Gabi Freytag, Direktorin der Führungs-Akademie, und DOSB-Vizepräsident Walter Schneeloch. Foto: Andrea Bowinkelmann

Was treibt die Menschen in Deutschland an, sich im Sportverein zu bewegen, sich im und für den Sport zu engagieren – und was erwarten sie vom Sport, insbesondere vom Spitzensport? Hörmann ging in seinem freien, mit vielen Bildern und Grafiken unterlegten Vortrag vor 250 Zuhörern im Historischen Rathaus Kölns eine Stunde lang das Thema vor allem an, indem er „die zwei Seiten der Medaille“ beschrieb:

Zwei Seiten der Medaille

Einerseits die Erfolgsgeschichte und die Faszination, die der Sport bis heute auf die Menschen ausübt; die fast 28 Millionen Mitglieder in mehr als 91.000 Sportvereinen, die 8,75 Millionen ehrenamtlich Engagierten – andererseits die Defizite oder kaum nachvollziehbaren „Weichenstellungen, mit denen sich der Sport das Leben selbst schwer macht“.

Einerseits seien die in großer Zahl international erfolgreichen Sportlerinnen und Sportler nach wie vor mit die besten Botschafter Deutschlands, und sie begeisterten die Zuschauer mit ihren Leistungen bei sportlichen Großveranstaltungen wie zuletzt bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi, sagte Hörmann. Und doch müsse man sich der mangelnden Akzeptanz einer Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland und der Diskussion um Großveranstaltungen wie die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar stellen.

„Der Sport hat viel zu bieten“, sagte Hörmann. „Aber er muss auch die Schwachstellen erkennen und angehen.“ Dazu zählte der DOSB-Präsident die oft nur zufällig zu beantwortende Frage, wie Kinder und Jugendliche über Schule und Vereinssport hinaus durchgängig bis in die Spitze gefördert werden können. Skeptisch betrachtete Hörmann auch die Struktur mit Landessportbünden und Fachverbänden, mit Olympiastützpunkten und anderen Leistungszentren und Instituten. "Sind sie wirklich so aufeinander abgestimmt, dass wir von einer ganzheitlichen Förderung sprechen können?", fragte er.

Bestandsaufnahme nach genau acht Jahren

In seiner Bestandsaufnahme auf den Tag genau acht Jahre nach Gründung des Dachs des deutschen Sports sprach Hörmann bei dieser Traditionsveranstaltung der Führungs-Akademie des DOSB auch eine mögliche weitere deutsche Olympiabewerbung an. Der DOSB sondiere es gerade gemeinsam mit den Interessenten Hamburg und Berlin. Aber deutlich sei: „Die Bevölkerung teilt nicht automatisch unsere Begeisterung für sportliche Veranstaltungen, wie wir es gerne hätten.“ Bei der abgelehnten Olympiabewerbung München 2022 sei es nicht einmal gelungen, die Mehrzahl der im Sport organisierten Menschen von den Vorteilen zu überzeugen.

Zur Förderung des Spitzensports zitierte Hörmann den Radsport-Olympiasieger und heutigen Vizepräsidenten des LSB Berlin, Robert Bartko: Der habe ihm gesagt, man müsse darauf achten, dass Förderung eine solide Basis, aber keine soziale Hängematte bilde. Dazu gehöre für die Verbände auch dies: „Wir werden unserer Verantwortung für die Athletinnen und Athleten dann nicht gerecht, wenn wir nicht auch zum richtigen Zeitpunkt darauf hinweisen, dass es an der Zeit wäre, sich anders zu orientieren“, sagte der DOSB-Präsident unter dem Beifall der Zuhörer.

Stützpunkte driften auseinander

Sorgen bereite ihm auch dies: 25 Jahre nach der Deutschen Einheit seien immer noch nicht alle Unterschiede ausgeglichen, erklärte Hörmann. Im Gegenteil, „nach vielen Gesprächen nach Sotschi“ äußerte er in Köln sein „Gefühl, dass die Stützpunkte wieder mehr auseinanderdriften“.

Die praktische Umsetzung der Anti-Doping-Arbeit in Deutschland sei die weltweit beste, sagte Hörmann. „Die Finanzierung gestaltet sich allerdings zu einem Politikum, das symptomatisch ist für unser föderales Gemeinwesen.“ Dass die im Bundesetat angekündigte Kürzung der Förderung des Schulsportwettbewerbes „Jugend trainiert für Olympia“ und „Jugend trainiert für Paralympics“ in diesem Zusammenhang zu sehen sei, kommentierte er so: „Vielleicht ist es gut, dass an einem solchen Thema einmal grundsätzlich das Problem der Förderung durch Bund und Länder geklärt wird.“

Bei seiner Tour d'Horizon gab der DOSB-Präsident zu, dass er die sportliche Basis vor seiner Wahl unterschätzt habe. Seitdem habe er kennengelernt, was vor allem auch in den Landessportbünden passiere. „Das wird schlichtweg zu wenig gewürdigt.“

Im kommunikativen Kreisverkehr

„Wir haben uns in manchen Themen zu lange im geistigen und kommunikativen Kreisverkehr bewegt“, kritisierte Hörmann. „Immer nur rundherum zu fahren, um keinen Fehler zu machen, ist der sicherste Weg, nicht ans Ziel zu kommen.“ Dazu gehöre etwa die Frage: „Wie gelingt es uns, das Thema Ganztagsschule nicht als Gefahr für den Sport, sondern als Chance zu begreifen?“ Oder auch: Greifen die Systeme in der Förderung des Spitzensports wechselseitig?

Jede Kette sei nur so stark wie ihr schwächstes Glied, erklärte Hörmann. Es nütze nichts, wenn stark aufgestellte Verbände neben eher kraftlosen Einrichtungen stünden und versuchten, Jugendliche in ihrer Sportlaufbahn bis in die Spitze zu begleiten.

„Vertrauen ist der Anfang von allem“, sagte der DOSB-Präsident. Er präsentierte keine fertigen Lösungen, sondern plädierte für mehr menschliches Miteinander und dafür, in der Kommunikation das persönliche Gespräch vorzuziehen. „Wo das nicht mehr stattfindet, wird es keinen dauerhaften Erfolg geben“, ergänzte er, nannte Beispiele aus Eishockey, Eisschnelllauf und Bobfahren und fasste zusammen: „In dem einen oder anderen Verband ist die Kommunikation vor allem mit den Athletinnen oder Athleten völlig abhanden gekommen.“

Mehr Miteinander

Das gelte oft auch für die Wahrnehmung im Außenverhältnis, die nicht immer so sei, wie wir sie gerne sähen. Auch der Sport sei gefordert, die Dinge zu erkennen und im gemeinsamen Miteinander anzugehen.

„Ein Team ist mehr als die Summe seiner Mitglieder“, schloss Hörmann. „Diesen Teamgeist müssen wir bewahren. Und nicht das Wort ,Team' so übersetzen: Toll, ein anderer macht's.“

(Quelle: DOSB)


 
 

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