Wulff: Bedeutung des Sports wird noch wachsen

03.12.2011

Bundespräsident Christian Wulff hat dem deutschen Sport eine Hauptrolle bei der zukünftigen Entwicklung unserer Gesellschaft zugesprochen.

Der Bundespräsident ist ein Freund des Sports. Das demonstrierte er beim gemeinsamen Fototermin mit DOSB-Präsident Thomas Bach und der Karategruppe der Kinder vom TSV Binswangen. Foto: picture-alliance/Frank May

Thomas Bach eröffnete die 7. Mitgliederversammlung des DOSB. Foto: picture-alliance/Frank May

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich nahm Stellung zum Stellenwert des Sports in der Politik. Foto: picture-alliance/Frank May

Klaus Wowereit schilderte einmal die Bereitschaft Berlins für eine mögliche Bewerbung Olympische Spiele. Foto: picture-alliance/Frank May

Die Karate-Kids vom TSV Binswangen begeisterten mit ihrer Vorführung die Delegierten und Gäste. Foto: picture-alliance/Frank May

Wulff würdigte die Bedeutung der ehrenamtlichen Arbeit und dankte dem Sport für seinen bisherigen Beitrag insbesondere für die Integration. „Sie machen sich um unser Land, um Ihr Land verdient“, sagte der Schirmherr des DOSB zum Auftakt der 7. Mitgliederversammlung am Samstag in Berlin, ehe er die höchste Auszeichnung des deutschen Sports erhielt: DOSB-Präsident Thomas Bach überreichte dem Staatsoberhaupt die Ehrenmedaille des Deutschen Olympischen Sportbundes.

In seiner Grundsatzrede betonte der Bundespräsident zugleich die Autonomie des Sports. Die Bedeutung des Sports wird eher noch wachsen“, sagte Wulff. Aber auch die ethische Verantwortung des DOSB für den Sport sei damit noch einmal gestiegen. „Sie haben die große Aufgabe, die Werte des Sports nach vorn zu bringen, und dass der Sport nicht missbraucht wird. Die Autonomie des Sports ist etwas, dem wir alle in besonderer Weise verpflichtet sein sollten.“

Bach zollt Wulff "Dank, Respekt und Anerkennung"

DOSB-Präsident Thomas Bach betonte, der DOSB sei sich seiner gesellschaftspolitischen Verantwortung bewusst, ehe er Wulff ehrte. Der Bundespräsident habe immer ein offenes Ohr, viel Verständnis und ein großes Herz für die Menschen und den Sport im Besonderen, sagte Bach in seiner Laudatio. „Sie setzen sich immer wieder für die sozialen Belange des Sports ein, interessieren sich für den Werdegang unserer Athletinnen und Athleten. Sie unterstützen den deutschen Sport sowohl national wie auf der Bühne der internationalen Politik. Immer steht bei Ihnen das ehrenamtliche Engagement im Sport in Vordergrund, immer respektieren und fördern Sie die verantwortungsvolle Autonomie des deutschen Sports, immer fordern Sie unseren Beitrag zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft."

Ein ganz besonderes Zeichen habe der Bundespräsident durch seine engagierte und sehr persönliche Unterstützung der Bewerbung von München um die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2018 gesetzt. Schon als die Bewerbung vor allen Dingen national noch mit vielen Schwierigkeiten und Gegnern zu kämpfen hatte, habe er sich entschieden, zur IOC Session nach Durban zu reisen und das Bewerbungsteam dort anzuführen.

Auch in der Niederlage habe Wulff zur gemeinsamen Sache und zur Mannschaft gestanden. Für diese große staatsmännische wie menschliche Geste zollt Ihnen der deutsche Sport Dank, Respekt und Anerkennung“, sagte Bach. Das gelte umso mehr, als Wulff auch nach dem Scheitern der Olympia-Bewerbung seine Hinwendung zum Sport nicht vermindert habe. „Wir wissen mit Ihnen einen starken Helfer, einen verlässlichen Menschen und einen wirklichen Freund an unserer Seite.“

Bundespräsident hebt integrative Kraft des Sports hervor

Wulff betonte vor den 256 Delegierten und rund 200 Gästen vor allem die integrative Kraft des Sport, gerade angesichts der jüngsten Ereignisse. „Das Stadion darf nicht der Ort werden, seinen Emotionen, Fanatismus und Ausländerfeindlichkeit freien Lauf zu lassen“, sagte der Bundespräsident. „Auch mit Hilfe des Sports müssen wir Ausländerfeindlichkeit, Hass und Gewalt noch stärker entgegentreten.“ Sport trage zu Vielfalt, Offenheit und Interesse am Anderen bei, wie das sonst in keinem anderen Bereich der Gesellschaft möglich sei. „So wird Reichtum der Vielfalt implementiert.“

Das Staatsoberhaupt dankte dem DOSB für sein Programm „Integration durch Sport“. Wer gemeinsam Sport treibe, lerne sich kennen, die unteschiedlichen Fähigkeiten zu schätzen und zu achten. „Wir können kaum hoch genug schätzen, wie wichtig der Sport zum Zusammenwachsen unserer Gesellschaft ist“, ergänzte Wulff. „Da dürfen wir den Sport nicht alleine lassen. Es ist unsere zentrale Aufgabe zu zeigen, was wir in unserem Lande nicht wollen.“
Für das kommende Jahr kündigte der Bundespräsident seinen Besuch bei den Paralympics in London an. Es sei ihm ein besonderes Anliegen, den Behindertensport zu unterstützen. „Er ist erst dann in der Gesellschaft angekommen, wenn nicht mehr die Behinderung, sondern der Sport im Mittelpunkt steht“, sagte Wulff.

Er nannte Deutschland eine große Sportnation, der es gut anstünde, bald wieder Olympische Spiele ausrichten zu können. „Sie haben mich auf ihrer Seite, wann immer und mit welchem Ort Sie sich bewerben“, sagte Wulff. „Es ist eine großartige Möglichkeit, sich als weltoffen zu präsentieren.“ Deutschland habe ein solch positives Image in aller Welt, auch weil es durch Veranstaltungen wie die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 geprägt sei. „Überstürzen Sie nichts“, ergänzte er, „aber nehmen Sie die Zukunft in den Blick.“

Bundesinnenminster und Regierender Bürgermeister zu Gast

Bach begrüßte auch Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit als Ehrengäste der Mitgliederversammlung.

Friedrich hob hervor, dass es im Bundeshaushalt trotz strikten Sparkurses gelungen sei, die 132 Millionen für den Sport in den nächsten Haushalt festzuschreiben. „Wir gehören zu den weltbesten Sportnationen“, sagte der Minister. „Es wird schwierig und ist ambitioniert, den fünften Platz in London zu verteidigen. Genauso wichtig sind die paralympischen Spiele. Es geht dabei um mehr als um Sport, es geht um eine Botschaft für die Gesellschaft.“

Friedrich kündigte an, einen Runden Tisch einzusetzen, um über die künftige Finanzierung der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA) zu sprechen. Er forderte Länder und Wirtschaft auf, ihren Beitrag zu leisten.

Friedrich:  Olympiabewerbung ist Gelegenheit sich zu präsentieren

Es sei deutlich geworden, was die Olympiabewerbung um die Winterspiele 2018 an Engagement und Kraft freigesetzt habe, betonte Friedrich. „Es ist wichtig, dass wir diese sportlichen Großveranstaltungen in unserem Lande habe, und dass wir uns darum bemühen. Es ist eine Gelegenheit, uns in jeder Hinsicht zu präsentieren.“ Er unterstütze die Haltung des Sports, dass dies weniger eine Frage des Ob, sondern des Wann sei. „Die Regierung wird an Ihrer Seite stehen, wie immer Sie sich auch  entscheiden“, sagte Minister.

Die Mitgliederversammlung, die das Präsidium einstimmig entlastete, stimmte auch einmütig bei einer Enthaltung einer gemeinsamen Erklärung zu, nach der sich der deutsche Sport derzeit nicht um die Olympischen Winterspiele und Paralympics 2022 bewerben werde. Die Tür dafür sei damit nicht geschlossen, auch nicht für eine mögliche Bewerbung um Sommerspiele.

„Wir wollen Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland. Olympia ist eine großartige Vision, die unsere Gesellschaft weiterbringen kann“, sagte Generaldirektor Michael Vesper in der Begründung. Aber dafür gelte es, zunächst alle Parameter sorgfältig zu prüfen.

Positive Auswirkungen von Olympischen Spielen deutlich kommunizieren

Mit ihrer Erklärung bittet die Versammlung das Präsidium daher auch, alle Anstrengungen zu unternehmen, die positiven Auswirkungen der olympischen Idee und der Olympischen Spiele und der Olympischen Spiele für Sport, Gesellschaft und Wirtschaft, auch unabhängig von einer konkreten Bewerbung, deutlich zu kommunizieren. Dazu soll die Deutsche Olympische Akademie Willi Daume ihre Zusammenarbeit mit und ihr Angebot an Schulen ausweiten. Kern der Aktivitäten soll vor allem die Deutsche Olympiamannschaft als Erkennungsmarke für Olympia in unserem Lande sein.  

Auch Klaus Wowereit sprach sich in seinem Grußwort für Olympia in Deutschland aus, warb indes vor allem für eine Kandidatur für Sommerspiele in Berlin, das sich als internationale Sportmetropole etabliert habe. „Natürlich träumt man, als Politiker muss man Visionen haben“, sagte der Regierende Bürgermeister. „Olympische Spiele sind die Krönung. Sie fehlen noch. Berlin ist bereit für eine neue Kandidatur. Aber es geht nur gemeinsam. Ich biete das an. Egal, für wen Sie sich entscheiden, Berlin wird die Entscheidung unterstützen.
DOSB-Präsident Bach sagte Wowereit zu, Berlin wäre mit der erste Ansprechpartner, falls sich der DOSB für eine Kandidatur für Sommerspiele entscheiden werde.

Wowereit: Als Politiker muss man Visionen haben

Zweitens stimmte die Mitgliederversammlung einmütig einer Erklärung zur Neuregelung von Lotterien und Sportwetten zu. Darin begrüßt der DOSB grundsätzlich den von 15 Ländern gefundenen Kompromiss, wie er am 15. Dezember unterzeichnet werden soll. Der DOSB sieht darin die Chance, dass seine Hauptziele erreicht werden: insbesondere das Fundament der Finanzierung der gemeinnützigen Arbeit organisierten Sports zu sichern und zu verbessern, indem ein Drittel der Sportwetten-Konzessionsabgaben an den Sport fließe. Deshalb plädiert der DOSB auch ausdrücklich für eine bundeseinheitliche Regelung der Sportwetten und bittet Schleswig-Holstein, sich einer solchen Regelung nicht zu verschließen.

Bach: Sportvereine bieten Bindung, Orientierung und Vertrauen

Zuvor hatte Bach betont, dass Wertorientierung und Identifikationsmöglichkeit in den heutigen, von elementarer Unsicherheit geprägten Zeiten von eminenter Bedeutung für den Sport und unsere gesamte Gesellschaft sei. „Die Menschen suchen in diesen Zeiten nach Bindung, Orientierung und Vertrauen. Nach wie vor finden sie diese zumeist und am besten in einem unserer 91.000 Sportvereine.“ Für viele Menschen sei der Sportverein der letzte Faden, der sie mit der Gesellschaft verbindet – ein Faden, der sie vor vollkommener Ghettoisierung und die Gesellschaft vor der Bildung von Parallelgesellschaften bewahre.

Bach wiederholte, dass der DOSB ein verlässlicher Partner sei, beim Thema „Integration durch Sport“ ebenso wie beim gemeinsamen Kampf gegen Doping, Manipulation und Korruption im Sport. Der Sport kämpfe in der Initiative „Foul von Rechtsaußen“ gemeinsam gegen Rechtsextremismus. Bach rief alle Vereine auf: „Lassen Sie keinen Zweifel zu an unserer humanen Wertorientierung, erlauben Sie keine Verantwortungsträger mit menschenverachtendem Gedankengut, ziehen Sie harte Konsequenzen gegen rechtsextreme Agitatoren.“

Wachstum des DOSB ist auf Gewinnung von Frauen zurückzuführen

Die größte zivilgesellschaftliche Organisation in Deutschland verzeichne in diesem Jahr ein Wachstum, das allerdings nahezu ausschließlich auf der Gewinnung von Frauen beruhe, sagte Bach. Deshalb sei es um so dringlicher, dass Frauen in angemessener Zahl Führungsaufgaben übernähmen. Bach wies abermals aufs Aktionsprogramm „Frauen an die Spitze“ hin, mit dem der DOSB die Mitglieder unterstütze.

Als einer der größten nichtstaatlichen Bildungsträger ist der DOSB auch Gründungsmitglied des Bündnisses für Bildung, das Bundesbildungsministerin Schavan gegründet habe. Sie würdige die Rolle des Sports ausdrücklich, berichtete Bach. Der äußerst positive Meinungsaustausch könne dem Sport und seinen Vereine neue Perspektiven bei der Mitgestaltung der Ganztagsschule eröffnen.

Zusammenarbeit mit Gesundheitsminsterium soll verstärkt werden

Der DOSB-Präsident kündigte an, die Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium zu verstärken. Grundlage sind das Strategiepapier „Sport und Gesundheit, das „Rezept für Bewegung“ mit der Bundesärztekammer und der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention. Dazu nannte Bach die gemeinsam mit dem ADAC und der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände gestartete Initiative gegen Medikamentenmissbrauch. „Wir fordern die Politik, aber auch die Tarifpartner dringend auf, endlich die Realität zu erkennen und Konsequenzen zu ziehen.“

Im Gegensatz zum Doping im organisierten Hochleistungssport sei die Diskussion über den Medikamentenmissbrauch in der Gesellschaft noch stark unterentwickelt, sagte Bach. Der Sport könne auch hier zur Lösung beitragen. „Er vermittelt Gesundheit, Lebensfreude und Zufriedenheit durch die Auseinandersetzung mit der eigenen Leistung, mit unseren natürlichen Grenzen, er schafft körperliche Sensibilität und psychische Achtsamkeit“, erklärte er.

Die Versammlung stimmte einer Satzungsänderung zu, mit der der DOSB die große Bedeutung des Kampfes gegen sexualisierte Gewalt betont, auch um das Vertrauen in den Sport aufrechtzuerhalten.

Der DOSB setzt sich zusammen mit seinen Mitgliedsverbänden Deutscher Behinderten-sportverband, Special Olympics und Deutscher Gehörlosen-Sportverband ein für den Schritt von der Integration zur Inklusion.
Bach appellierte an den Deutschen Bundestag, sein Versprechen bald einzulösen, nämlich bei der nächsten Ergänzung der Staatszielbestimmungen, den Sport in das Grundgesetz aufzunehmen. „Als gute Staatsbürger vertrauen wir darauf, als zivilgesellschaftlich engagierte Bürger hoffen wir auf Bewegung bei der noch zögernden Minderheit“, sagte Bach.

(Quelle: DOSB)

Die Rede des Bundespräsidenten

Die Begrüßungsrede des DOSB-Präsidenten >>>

Die Grundsatzrede des DOSB-Präsidenten >>>

Erklärung zur Olympiabewerbung >>>

 
 

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