Wissenschaftler fordern Umdenken im olympischen Spitzensport

24.02.2016

Die Deutsche Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) hat ihre Reihe der Experten/innenworkshops fortgesetzt: „Olympischer Spitzensport in Deutschland in der Krise?“ war das Thema.

Der Spitzensport muss weiterhin in der Breite gefördert werden, darüber waren sich die Experten einig. Foto: LSB NRW

Die versammelten Expertinnen und Experten aus den unterschiedlichen Teildisziplinen der Sportwissenschaft und verschiedenen Handlungsfeldern des Spitzensports gaben weitreichende Denkanstöße für den Sport in Deutschland und speziell für eine Erneuerung des Spitzensportfördersystems: „Wir wollen uns noch mehr Gehör verschaffen als Wissenschaftler“, lautete die abschließende Botschaft von Prof. Kuno Hottenrott (Universität Halle-Wittenberg) als dvs-Präsident, der zusammen mit dem Trainingswissenschaftler Prof. Martin Lames (Technische Univer-sität München) die Tagungsleitung innehatte.

Auf der einen Seite wird in den letzten Jahren eine immer größer werdende Unzufriedenheit im deutschen Spitzensport und im bundesweiten Nachwuchs-Leistungssport spürbar: Sportlerinnen und Sportler drohen bei den Olympischen Spielen immer mehr ins Mittelmaß abzudriften. Auf der anderen Seite muss in Anschlag gebracht werden, dass in den letzten rund 20 Jahren an den Instituten für Sportwissenschaft der Universitäten in Deutschland immer weniger Forschungen im Leistungssport ermöglicht wurden, weil immer weniger Forschungsgelder (auch die über das Bundesinstitut für Sportwissenschaft vergebenen) zur Verfügung standen.

Mehr Vorbilder

„Das Spitzensportsystem nach der Wende hat in vielen Punkten versagt, jetzt müssen wir gemeinsam zukunftsorientierte Lösungen schaffen“, so beschrieben Prof. Hottenrott und Prof. Lames die gegenwärtige Situation bei einem Pressegespräch.

Einig war man sich, dass Deutschland unter den derzeitigen Förderstrukturen zukünftig keine Spitzensportnation mehr sein werde. Die internationale leistungssportliche Konkurrenzfähigkeit sinke weiter. Deutschland werde nicht mehr als erstklassig aufgestellt angesehen. „Die Forderung des Innenministers nach 30 Prozent mehr Medaillen ist der falsche Weg“, sagte Hottenrott.  Prof. Lames nannte „diese Medaillenzählerei“ absolut untragbar und nicht dazu geeignet, junge Menschen für den Leistungssport zu begeistern. Deutschland brauche mehr Vorbilder, die „die Olympischen Werte Fair play, Respekt und Freundschaft wieder vorleben.“, ergänzte Hottenrott.

Zukunftsfähige Trainer

Auch ein Umdenken hinsichtlich zunehmender Zentralisierung und Konzentrierung des  Spitzensports auf wenige Leistungszentren und wenige Erfolgssportarten erscheine zukünftig erforderlich, sagte se. „Der Spitzensport muss weiterhin in der Breite gefördert werden, talentierte Kindern müssen wohnortnah den Sport ausüben können, der ihnen auch Spaß macht“, so Hottenrott. Dazu werde auch eine Reform der Trainerausbildung in Deutschland notwendig sein. „Wir brauchen sehr gut akademisch ausgebildete Trainer, die mit den wachsenden Anforderungen in der Zukunft klarkommen und hohe pädagogische Kompetenzen haben“, bekräftigten die beiden Sportwissenschaftler, zumal „die in Deutschland noch vertretene Auffassung einer nicht-akademischen Trainerausbildung nicht nur im internationalen Vergleich veraltet, sondern auch nicht zukunftsfähig ist“.

Ziel des 3. Experten/innenworkshops war es auch, das Potenzial der Sportwissenschaft für den Spitzensport in Deutschland mit einer stärkeren Einbindung sportwissenschaftlicher Expertise herauszustellen. Dazu sah die Workshop-Konzeption inhaltlich mehrere aufeinander folgende Plenar-Blöcke vor.

Zunächst ging es um die Beschreibung der Ausgangssituation mit einem Impulsreferat und zwei Statements aus der Sicht der Sportgeschichte und der Sportsoziologie. Im zweiten Block wurden Anforderungen an ein modernes Leistungssportsystem skizziert. Block drei thematisierte dann die „Unterstützungspotenziale der Wissenschaft für den Leistungssport“, bevor darauf aufbauend „Überlegungen zur zukünftigen Struktur der wissenschaftlichen Unterstützung des Leistungssports“ vorgetragen und ausführlich diskutiert wurden.

Opens external link in new windowWeitere Informationen über die Ergebnisse des Workshops und zur Arbeit und Aufgabe der dvs

(Quelle: dvs)

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