Der Kinder- und Jugendsportbericht legt Forschungslücken offen

19.08.2015

Mit dem aktuellen Kinder- und Jugendsportbericht ist die Diskussion zur Bedeutung von Sport wieder neu in Gang kommen, meinen die Autoren Martin Schönwandt und Boris Rump.

Ein Schwerpunkt des Berichtes ist die Zusammenarbeit zwischen Schulen und Sportvereinen. Foto: picture-alliance

Die Kernaussagen vorweg: Sport hat für Kinder und Jugendliche nach wie vor eine enorm hohe Bedeutung, ist gesellschaftlich anerkannt und wird positiv bewertet. Sport ist Teil der Gesellschaft, die Sportvereine sind fest in ihrem jeweiligen sozialen Umfeld verankert. In der Folge davon wird auch die gegenwärtige Situation des Kinder- und Jugendsports in Deutschland von den gesellschaftlichen Entwicklungen maßgeblich geprägt.

So steht es im Dritten Deutschen Kinder- und Jugendsportbericht, der in der vorigen Woche veröffentlicht worden ist. Es ist ein Bericht zum Stand der Forschung. Die Autorinnen und Autoren haben dazu unter der Federführung der Herausgebergruppe um Prof. Dr. Werner Schmidt auf Anregung und mit Unterstützung der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung alle verfügbaren empirischen Daten zusammengefasst, gesicherte Ergebnisse herausgestellt und offene Fragen formuliert.

Sie haben damit eine aktuelle Grundlage für die Entwicklungsaufgaben des Kinder- und Jugendsports geschaffen, vor allem auch Forschungslücken herausgearbeitet.

Es ist das besondere Verdienst der beteiligten Autorinnen und Autoren, dass mit dem Bericht die aus Sicht des gemeinnützig organisierten Kinder- und Jugendsports so wichtige Diskussion zur Bedeutung von Bewegung, Spiel und Sport für das Aufwachsen junger Menschen und die Rolle der Sportvereine in unserer Gesellschaft wieder neu in Gang kommen wird (oder bereits gekommen ist!).

Der Bericht gibt einige zentrale Themen vor: die Bedeutung von Sport als Bildungsinhalt; das komplexer werdende Miteinander von Sportverein und Schule bzw. Kindergarten vor dem Hintergrund, dass Kinder und Jugendliche immer mehr Zeit in Institutionen verbringen; die möglichen Auswirkungen eines leitungssportlichen Engagements junger Menschen; die Folgen, die sich aus dem demografischen Wandel ergeben, und schließlich was der Kinder- und Jugendsport dazu beitragen kann, der Verstetigung sozialer Ungleichheiten in unserer Gesellschaft entgegen zu wirken.

Als Kernstück des Berichts sind die Auswirkungen der schulpolitischen Veränderungen von Ganztagsschule und achtstufigen Gymnasium für den Kinder und Jugendsport herausgestellt. Auch wenn sich der gemeinnützige Sport an dieser Stelle zum außerschulischen Bildungsanbieter Nummer eins aufschwingen konnte, mangelt es den meisten Kooperationen an abgestimmten Inhalten und tragfähigen Strukturen.

Gerade in den ganztägig arbeitenden Schulen ist es notwendig, tägliche Sport- und Bewegungsgelegenheiten für alle Schüler/innen zu schaffen, am besten in Kooperation mit dem gemeinnützig organisierten Sport. Die Sportvereine sind dafür der ideale Bildungspartner und verfügen über ein vielfältiges Leistungsspektrum.

Klar ist aber auch, dass es diese Vereinsangebote innerhalb der Schule nicht zum Nulltarif geben kann und die Sportvereine eine adäquate finanzielle Unterstützung für ihre Arbeit erhalten müssen. Neben der Frage der Finanzierung geht es um die Weiterentwicklung der Angebote und Qualifizierungsmaßnahmen für Trainer/innen und Übungsleiter/innen, die Auslastung und gerechte Verteilung der Sportstätten sowie auch – gegebenenfalls – die Abstimmung von schulischen und leistungssportlichen Anforderungen an junge Athletinnen und Athleten.

Nur so wird es uns möglich sein, Kinder und Jugendliche für den Sport nachhaltig zu begeistern und die Zusammenarbeit von Schule und Verein weiterzuentwickeln.

Die intensive Lektüre lohnt sich, auch über die übergreifende Zusammenfassung und Handlungsempfehlungen hinaus. Gerade die einzelnen Berichte und ihre Fazits sind hilfreich, um – soweit die Daten es hergeben – die Potenziale des Kinder und Jugendsports neu zu bestimmen, die Sportvereine bei der systematischen Weiterentwicklung ihrer Angebote zu unterstützen und die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit allen interessierten Institutionen im Interesse von allen Kindern und Jugendlichen auszubauen. Und schließlich lässt sich der Forschungsbedarf auch aus Sicht der Praxis des Kinder- und Jugendsports konkretisieren.

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


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