Der Verein ist der Star

31.01.2018

Spitzensportler und -sporterinnen kommen aus Sportvereinen. Sie bilden die Basis für ihre späteren Leistungen und ohne sie wäre Olympisches Gold nicht möglich.

Die Sterne des Sports glänzen golden und sind die wichtigste Auszeichnung des Breitensports. Foto: DOSB/BVR

Kalendarische Koinzidenz der Ereignisse: Binnen 24 Stunden wurden die deutschen Aktiven für die kommenden Olympischen Winterspieler sowie die Vereine für den goldenen Stern des Sports nominiert. Mehr als ein zufällig gleiches Datum?

Am 23. Januar veröffentlichte der DOSB seine Nominierungsliste über die deutschen Olympioniken für die Winterspiele in Südkorea. 154 Aktive wurden ausgewählt und werden Sportdeutschland vertreten. Sie haben sich durch herausragende Wettkampfleistungen in ihren Sportarten qualifiziert und streben jetzt nach olympischem Gold. Dazu die Meldung, dass Bundespräsident Walter Steinmeier (auch Schirmherr des DOSB) die Eröffnungsveranstaltung am 9. Februar in PyeongChang persönlich besuchen werde.

Einen Tag später erfolgte die Nominierung der Preisträger für den „Großen Stern des Sports 2017 in Gold“,  mit dem drei Vereine aus siebzehn Finalisten ausgezeichnet wurden. Das erfolgte durch den Bundespräsidenten persönlich, der sich dafür viel Zeit nahm und offen Respekt wie Begeisterung über Ideenreichtum, beharrliches Engagement und erfolgreiches Wirken vor Ort bei den ausgezeichneten Vereinen zeigte. Tausende Vereine hatten sich im Frühjahr 2017 in allen Regionen bei ihren Volks- und Raiffeisenbanken um den „wichtigsten Preis des Breitensports“ (DOSB-Präsident Hörmann) mit ihren vielfältigen sozialen Projekten beworben. Der DOSB richtet ihn gemeinsam mit dem Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken seit 2004 aus.

Damit enden die Parallelen. Die Olympioniken, in der Vorbereitung ohnehin eher Vagabunden zwischen Wettkämpfen und Trainingslagern mit gelegentlichen Heimaturlauben, fokussiert auf Anforderungen und Regeln ihrer Sportart, als Profis oder staatlich Bedienstete wie dual Studierende mehr oder weniger verdienstvoll ausgestattet, ziehen fern der Heimat in ihr Olympisches Dorf, das für rund 14 Tage die ganze Welt aufnimmt.

Derweil werden die mit goldenen Sternen ausgezeichneten Vereine wie auch die im Frühjahr 2017 angetretenen rund 5000 übrigen Bewerber vor Ort aktiv sein: In ihrem Dorf oder in der Großstadt, in einem Klein- oder Großverein, einem neu gegründeten oder traditionsreichen Klub, bei einer klassischen Sportart oder ganz neuen Bewegungsidee. Wie schon seit Jahr und Tag und auch in Zukunft. So beindruckend vielfältig, ideenreich und weit verbreitet diese und ungezählte andere Vereine sind, so haben sie doch etwas gemeinsam: Hilfestellung für Schwächere und ehrenamtliches Engagement. Keiner der acht Millionen freiwilligen Mitarbeiter im organisierten Sport hat seine Tätigkeit mit dem Gedanken begonnen, einmal den großen Stern des Sports in Gold mit einer respektablen Geldsumme aus der Hand des Bundespräsidenten zu erhalten. Die Motive liegen tiefer.

Das Geheimnis der Erfolgsformel für Kontinuität und Kompetenz des Vereinssports – so 2016 auf dem Hamburger Sportkongress formuliert - ist die Freiheit zur Organisation eigener Interessen an sportlich-gesunder Entwicklung von gleichberechtigten Mitgliedern zum Gemeinwohl aller Bürger. Das setzt Energien und Ideen frei, gibt Motivation und Erfolg bei gemeinsamer Gestaltung neuer Aufgaben. Immer wieder und überall, wie rund 90.000 Sportvereine täglich bestätigen.

Die Preisträger für 2017 haben das eindrucksvoll bestätigt: Die Wuppertaler Sektion des Alpenvereins mit Klettern für Rollstuhlfahrer, der Judo-Club Wiesbaden mit Selbstschutztraining für Kinder, der Frauenlauf „Leben hilft e.V.“ aus Leipzig zum Schutz vor häuslicher Gewalt an Frauen, der Publikumspreis – eine Kooperation mit der ARD - für die Rudergemeinschaft Olympos Würzburg mit „Rudern für Alle“. Sie standen erstmals im Rampenlicht bundesweiter Öffentlichkeit.

Verdient hätten goldene Auszeichnungen auch die anderen Finalisten u.a. aus Dießen mit dem selbst errichteten inklusiven Sportpark, Füchse Berlin mit kooperativem Gesundheitszentrum, DLRG Brandenburg mit Schwimmen lernen für Kindergärten, ebenso als Flüchtlingshilfe bei der SG Aumund bei Bremen, der Schülersportverein Plön mit Segeln für sehbehinderte Kinder, die SG Groß Quassow mit sportlicher Resozialisation für jugendliche Straftäter, Rundflüge für todkranke Kinder durch die DJK Segelfluggemeinschaft Landau – beeindruckend und doch nur ein kleiner Teil des Vereinsalltags.

Die Sterne des Sports, die die Volks- und Raiffeisenbanken jährlich mit dem DOSB verleihen, sind gerade deswegen aller Ehren wie auch der Geldpreise wert. Marija Kolak, Präsidentin des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken, hat das prägnant zum Ausdruck gebracht. Sie berief das in ihren Banken praktizierte egalitäre Genossenschaftswesen als DNA ihrer Organisation und deren Vereinsengament.

Das deckt sich exakt mit der Begründung des DOSB bei seiner Bewerbung um die Anerkennung der Vereinssportbewegung als Weltkulturerbe – der 1811 in der Berliner Hasenheide errichtete Turnplatz vom seinerzeit noch jungen „Turnvater“ Jahn begründete die ersten Vereine und verwirklichte damit die mitreißenden Ziele von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Die DNA unserer Demokratie eben und das seit 200 Jahren mit bleibendem Erfolg. Jahns Arbeitsplatz in der fortschrittlichen Plamannschen Erziehungsanstalt lag nur ein paar Ballwürfe vom beeindruckenden Neubau der DZ Bank am Brandenburger Tor  – in ihr fand die feierlich-fröhliche Preisverleihung statt – entfernt, hier organisierte er mit seinem engsten Freund Friedrich Friesen u.a. den ersten Turnkünstlerverein. Gegenwart und Geschichte sind oft naheliegend.

Leben unsere Olympioniken bei den Spielen 2018 in einer ganz anderen Welt? Sind Goldmedaillen im fernen Olympia von den goldenen Sternen des Breitensports galaktisch entfernt? Nein, das macht die Dokumentation der Herkunftsvereine für die nominierten Olympioniken vom DOSB deutlich. Dort finden sich fast 50 Vereine wie TSC Berlin, TSV 1860 München, SC Bremerhaven, SC Potsdam, BSC Erfurt, SZ Breitnau, BSC Ilsenburg, BSC Oberbärenburg, SV Haag. Die Athleten kommen aus Spezial- wie Großvereinen, kleinen Ortschaften wie Landeshauptstädten, überall aus der ganzen Republik.

Auch hier bilden Vereine die Basis angesehener Leistungen. Sie werden getragen von Jugendbetreuern, Kampfrichtern und Vorständen. Ohne sie bliebe erstrebtes Gold unerreichbar.

(Autor: Prof. Dr. Hans-Jürgen Schulke)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.

 

 

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