„Mit mir nicht!“

22.11.2017

Der Sport kann entscheidend dazu beitragen, Mädchen und Frauen in ihrem Selbstbewusstsein so zu stärken, dass sie aus dem „me too“ ein „mit mir nicht“ machen.

Beim Kampfsport lernen Frauen sich richtig zu wehren. Foto: DOSB

Alljährlich am 25. November wird der Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen begangen. Initiiert wurde der Tag von der UN-Generalversammlung, um die öffentliche Aufmerksamkeit auf Gewalt gegen Frauen zu lenken und Strategien zur Bekämpfung in den Blickpunkt zu rücken. Dies geschah am Beginn dieser Woche auch mit einer Veranstaltung in Berlin, als im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend die Preise im DOSB-Vereinswettbewerb „Starke Netze gegen Gewalt!“ 2017 vergeben wurden.

Wie wichtig es ist, gegen Gewalt an Frauen aktiv zu werden, führt nicht zuletzt die unter #metoo geführte Debatte vor Augen. Viele tausende Tweets verweisen auf das Ausmaß an Betroffenheit. Sie zeigen, wie viele Frauen auch hierzulande in respektloser Weise physisch oder verbal belästigt wurden. Sie zeigen zugleich, wie viele Männer ein solches Verhalten an den Tag legen, häufig ohne sich des Übergriffs bewusst zu sein. All diese Äußerungen sind in der Summe Ausdruck struktureller Gewalt in einer Gesellschaft, in der Männer mehr Macht besitzen und über mehr Geld verfügen als Frauen.

Im Ergebnis dieser Hierarchie glauben Männer, sich ein solches Verhalten gegenüber Frauen erlauben zu dürfen. Und Frauen meinen, sie müssten dies erdulden und dürften sich nicht zur Wehr setzen. Denn auch das wird unter #metoo sehr deutlich: das Ausmaß an Sprachlosigkeit und Hilflosigkeit bei den Betroffenen. Über Jahre und Jahrzehnte hatten sie sich nicht über das Erlebte geäußert, jetzt melden sich täglich weitere Frauen zu Wort. Seit nunmehr fünf Wochen ist die Debatte im Gange, viel länger schon als der #Aufschrei, der nach einer Woche wieder verhallt schien, oder die nach wenigen Tagen medial nicht mehr beachtete „kleine süße Maus“.

Was aber muss sich ändern, um es nicht beim „Darüber-Sprechen“ zu belassen? Es erfordert zum einen, bestehende Strukturen und Verhältnisse zu verändern und Frauen und Männer tatsächlich gleichzustellen. Es gilt aber zum anderen auch, Bewusstsein und Verhalten zu ändern und zwar sowohl bei Männern als auch bei Frauen.

Und genau dazu kann der Sport als wichtiger zivilgesellschaftlicher Akteur wesentlich beitragen. Ja, auch der Sport ist wie alle anderen gesellschaftlichen Bereiche nicht frei von Übergriffen und sexualisierter Gewalt. Vielleicht kann im Sport sogar ein besonderes Risikopotenzial gesehen werden: in der körperlichen Präsenz und Nähe, die dem Sport immanent sind, wie auch im nicht so förmlichen Miteinander und dem zuweilen lockeren bis rustikalen Umgangston. Meinte nicht sogar ein angehender Staatspräsident, seine unfassbar verächtlichen „pussy“-Äußerungen gegenüber Frauen damit bagatellisieren zu können, dass es ein Gespräch in der Umkleidekabine gewesen sei.

Deutliche Zahlen über das Ausmaß an sexualisierter Gewalt bei Kaderathletinnen und -athleten liefert die Studie „Safe Sport“. Sie dokumentiert aber auch, dass Vereine und Verbände unter dem Dach des DOSB sich aktiv mit der Problematik auseinandersetzen und wichtige Präventionsarbeit leisten. Dazu gehört ganz entscheidend, Mädchen und Frauen in ihrem Selbstbewusstsein so zu stärken, dass sie aus dem „me too“ ein „mit mir nicht“ machen.

Wie das beispielgebend geschieht, zeigen die im Vereinswettbewerb „Starke Netze gegen Gewalt“ ausgezeichneten Vereine. So wie sie haben viele Sportvereine Angebote, durch die sich Mädchen und Frauen als stark, durchsetzungsfähig und selbstbestimmt erfahren.

(Autorin: Dr. Petra Tzschoppe)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.

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