„Quotenmann – na und?!“

11.10.2017

Kluge und erfolgreiche Gleichstellungspolitik gelingt nur, wenn nicht nur Frauen, sondern Frauen und Männer gemeinsam an einem Strang ziehen, stellt Autorin Petra Tzschoppe fest.

Frauen und Männer sollten auch in Sachen Gleichstellung gleichberechtigt zusammen arbeiten. Foto: picture-alliance

Haben Sie diese Behauptung von Präsidenten schon gelegentlich gehört: „ Ich hätte ja gern eine Frau im Präsidium, aber ich finde einfach keine.“? Ja, so etwas kann wohl vorkommen, in besonderen Fällen auch mit umgekehrten Vorzeichen.

So geschehen, als es um die Besetzung der vier Arbeitsgruppen ging, die ausgehend vom Beschluss der vorjährigen Frauenvollversammlung zu den „Strategischen Eckpunkten im Themenfeld Gleichstellung im Sport des DOSB“ zu berufen waren. Mittels Ausschreibung wurden Personen mit entsprechender Expertise zum Mitwirken in vier AGs eingeladen. Die Resonanz war sehr gut, das Berufungsgremium konnte aus einer Vielzahl hochwertiger Bewerbungen auswählen. Beeindruckende Kompetenz nicht nur aus dem Sport, auch aus Wirtschaft, Politik, Medien und weiteren gesellschaftlichen Bereichen. Lediglich ein Mangel war zu konstatieren: nämlich der an Bewerbungen von Männern. Offenbar waren diese trotz offener, im Sport und darüber hinaus breit verteilter Ausschreibung der Auffassung, dass es Frauensache sei, in den gleichstellungspolitischen Handlungsfeldern aktiv zu werden.

Nun gibt es aber seit Dezember 2014 im DOSB eine in der Satzung fixierte Geschlechterquote, die besagt, dass Gremien mit mindestens 30 Prozent Frauen und eben auch Männern zu besetzen sind. Mit diesem Anspruch blieben die entsprechenden Plätze in den AGs zunächst unbesetzt, und ein zweiter Anlauf zum Komplettieren der AGs wurde unternommen. Mit gezieltem Nachfragen waren die gesuchten Männer gar nicht so schwer zu finden. Die nun komplett mit Expertinnen und Experten besetzten AGs präsentierten auf der 12. Frauen-Vollversammlung des DOSB Ende September in Bremen eine erste Zwischenbilanz ihrer Arbeit. Die Delegierten erhielten inhaltliche Einblicke in die bisherige Tätigkeit der AGs und nutzten die Gelegenheit zu intensiver Diskussion mit den AG-Mitgliedern.

Deren Mitwirken erzielte gleich mehrere Effekte. Zum einen waren so viele Männer wie noch nie beim alljährlichen Treffen der Verantwortlichen für Frauen und Gleichstellung im DOSB aktiv beteiligt. Sie wurden von den weiblichen Delegierten willkommen geheißen. Zu erleben war eine Kultur der Offenheit im Miteinander – ohne Misstrauen, Herablassung oder Ablehnung, wie von Frauen in männlich dominierten Gremien gar nicht selten berichtet. Die AG-Experten präsentierten sich gendersensibel und selbstbewusst und hatten kein Problem mit einem Status als „Quotenmann“. So plädierte Georg Teichert, Gleichstellungsbeauftragter der Universität Leipzig und Mitglied der AG Frauen in Führungspositionen, für einen souveränen Umgang mit der Quote und bekannte: Ja, er sei erstens wegen seines Geschlechts berufen worden und zweitens nicht auf Grund von Inkompetenz, sondern eben wegen seiner Kompetenz.

Zum anderen wurde sehr deutlich, dass für die inhaltliche Arbeit in den vier benannten Handlungsfeldern „Mehr Frauen in Führungspositionen im Sport“, „Gewinnen von Trainerinnen und Kampfrichterinnen“ „Kampf gegen sexualisierte Gewalt“ sowie „Geschlechtergerechte Darstellung in den (Sport)Medien“ das Einbeziehen von Männern unerlässlich ist.

Es genügt eben keineswegs, wenn Männer signalisieren, die Frauen sollten das mal machen, während sie die Anliegen wohl unterstützen würden. Vielmehr müssen Männer, wie im Ergebnis eines Workshops in Bremen formuliert, „vom Unterstützer zum Gestalter“ werden. Dies führte bei Delegierten zu der Erkenntnis: ja, das muss ich als erstes ändern, ich brauche Männer in meinem Gremium. Anders formuliert, kluge und erfolgreiche Gleichstellungspolitik gelingt nur, wenn nicht nur Frauen, sondern Frauen und Männer gemeinsam an diesem Strang ziehen.

Das gilt im Übrigen auch, dann wieder mit umgekehrtem Vorzeichen, für alle weiteren Herausforderungen, denen wir im Sport oder auch in der Gesellschaft begegnen. Und die Behauptung, man fände keine Frauen, die mitbestimmen und mitgestalten wollen, gilt nicht. Nicht nur in Bremen waren sie. So hat zum Beispiel der Deutsche Fußball-Bund soeben mit seinem Leadership-Programm 24 Frauen auf dem Weg in Führungspositionen unterstützt, beworben hatten sich noch 125 weitere hoch motivierte Frauen.

Es gibt sie also ganz sicher in jedem Verband. Nach ihnen zu suchen, sie anzusprechen lohnt sich – für uns alle.

(Autorin: Petra Tzschoppe)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


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