Rettet das Fair Play

26.07.2017

Was Fair Play heißt, kann in diesen Tagen bei den World Games bestaunt werden. Manche Sportarten unterstützen die Konkurrenz, andere kommen ganz ohne Schiedsrichter aus, beobachtet Autor Jörg Stratmann.

Eröffnungsfeier der World Games im polnischen Breslau (Wroclaw). Foto: DOSB

Die World Games, die Spiele der nichtolympischen Sportarten, sind ein Schaufenster der Vielfalt. Hier ist im schönsten Licht zu besichtigen, was sonst eher im Schatten steht, obgleich es auch hier um Weltklasseleistungen geht. Da staunt selbst der Fachmann – und wundert sich dann, wie gerade hier besonders gepflegt wird, was sonst leider nicht mehr immer und überall zu den selbstverständlichen Grundlagen des Sports gehört.

Es war gleich der erste Wettkampftag der Lebensretter in der Orbita-Schwimmhalle von Breslau. Das Finale über 100 Meter Retten mit Flossen war entschieden. Die Jury hatte den Italiener Piroddi, eigentlich hinter Landsmann Musso Zweiter, disqualifiziert. Er sei zu spät aufgetaucht. So gab es plötzlich zwei Medaillen fürs World Games Team Deutschland, Silber für Kevin Lehr, Bronze für Jan Malkowski. Doch die Italiener legten erfolgreich Protest ein – und bedienten sich in der Beweisführung eines Videos, dass die deutschen Gegner zur Verfügung gestellt hatten. „Selbstverständlich“, wie Teamchef Holger Friedrich sagte. „So ist das nun mal in der Sportlerfamilie“. Auch wenn es eine Medaille kostet.

Fair Play, so heißt es in der Internationalen FairPlay-Charta, „bezeichnet nicht nur das Einhalten der Spielregeln, Fair Play beschreibt vielmehr eine Haltung des Sportlers.“ Und deshalb eignet sich die Begebenheit am Beckenrand bei den World Games als Vorbild: für ein Verhalten in einer Konkurrenzsituation, die längst nicht immer so selbstverständlich im Geist des Sports und seiner Vorschriften gemeistert wird.

Könnte es nicht auch anders gehen? Zum Beispiel so: Athleten wetteifern ohne Schiedsrichter um höchste Titel, einigen sich friedlich bei Regelüberschreitungen. In gegenseitigem Respekt und selbstverantwortlich. Eine schöne Utopie? Nicht ganz. Auch hier sind die World Games Vorbild. Bei der Frisbee-Mannschaftssportart „Ultimate“ oder „Flying Disc“, einer körperlosen Spielart des American Football, ist genau das die wichtigste Regel. Und es funktioniert, das werden auch die Spiele in Breslau zeigen. Für diese beispiellose Art, Mannschaftssport zu betreiben, hat der Deutsche Frisbeesport-Verband, in Breslau nicht vertreten, vor fünf Jahren den „Fair Play Preis des Deutschen Sports“ erhalten.

Hier ist im Ideal zu besichtigen, was der Philosoph und Ruderolympiasieger Hans Lenk sagt: „Fairness ist die ureigenste Tochter des Sports, die Zukunft haben sollte, haben wird, und zwar in unserer ganzen Gesellschaft.“ Eine wirksame und glaubhafte Erziehung zum Fairness-Gedanken sei deshalb besonders förderungswürdig und dringlich.

Nun ist aber zum einen Ultimate Frisbee eine friedliche Ausnahme. Und zum anderen ist der Sport, wie vielfach festgestellt, kein Reparaturbetrieb der Gesellschaft. Und doch, das ist die gute Nachricht, kann der Sport helfen. Und deshalb können wir das Beispiel der Lebensretter gar nicht groß genug herausstellen. Rettet das Fair Play, könnte auch ihr Motto sein. Es gibt, wie gesagt, einen Preis, der das würdigt.

(Autor: Jörg Stratmann)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


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