Rundum-Bildung

13.01.2016

Keine Spitze ohne Breite ist eine einfache Formel im Sport. Diese sollte auch im olympischen und paralympischen Jahr 2016 nicht vergessen werden, meint die Autorin Ulrike Spitz.

2016 steht ganz im Zeichen der olympischen und paralympischen Spiele, trotzdem soll der Breitensport nicht vergessen werden. Foto: picture-alliance

Traditionell dominiert zu Beginn eines Sportjahres die bei so vielen Sportfans beliebte Vierschanzentournee die Sportszene, dieses Mal noch stärker durch die Top-Leistungen der deutschen Skispringer um Severin Freund; zudem freuten sich die zahlreichen Biathlon-Fans über ebenso grandiose Auftritte von Laura Dahlmeier und Co. Und trotzdem wird der Höhepunkt des Sportjahres 2016 ein anderer sein: die Olympischen und Paralympischen Spiele im August und September in Rio de Janeiro, Fußball-EM hin oder her.

Und so gab es neben den Festen im Schnee auch gleich zu Jahresbeginn spannende Vorboten auf Rio. Die europäischen Olympia-Qualifikationsturniere im Volleyball verbreiteten schon mal ein bisschen Olympiastimmung, selbst wenn die beiden deutschen Volleyball-Nationalmannschaften trotz begeisternder Auftritte und hochklassiger Leistungen am Ende die Tickets für Rio verpasst haben.

Weitere olympische Momente werden in den nächsten Monaten zahlreich zu erleben sein, in Olympia-Qualifikationen, in Vorbereitungswettkämpfen, in den Köpfen der Sportler, die schon sehr viel länger als seit Beginn dieses Olympischen Jahres professionell und konsequent auf dieses Highlight hinarbeiten.

Olympische Momente werden verstärkt auch im Februar zu erleben sein, bei den Olympischen Jugend-Winterspielen in Lillehammer. Dort wird zwar auch um Siege und Medaillen gekämpft, aber es geht auch und verstärkt um anderes: Um das Zusammentreffen mit Gleichgesinnten aus aller Welt, um die Vermittlung der Olympischen Werte von Freundschaft, Exzellenz und Respekt sowie von Wissen rund um die Sportkarriere, zum Beispiel Ernährung, professionelle Entwick-lung oder die Gefahren des Dopings. Eine sportliche Rundum-Bildung einerseits und die Bedeutung sportlicher Werte für das Leben andererseits.

Dies ist umso wichtiger in einer Zeit, in der der Sport durch manche Fehlentwicklung in manchen Verbänden stark um seine Glaubwürdigkeit kämpfen muss. Dabei sind seine Leistungen für die Gesellschaft unbestritten – gerade in den vergangenen Monaten haben speziell die Vereine an der Basis zum Beispiel bei der Integration von Flüchtlingen unbezahlbare Arbeit geleistet, haben dadurch für Zusammenhalt in der Bevölkerung gesorgt, und natürlich werden sie das auch 2016 tun – es ist absehbar, dass die Herausforderungen mindestens so groß bleiben wie bisher.

Andere Themen wie Gesundheit, Schule der Demokratie durch frühe Übernahme von Verantwortung oder freiwilliges Engagement zugunsten des Gemeinwohls werden in Sportdeutschland selbstverständlich gelebt, natürlich auch in einem Jahr, in dem Olympia den unbestrittenen Höhepunkt ausmacht.

Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Viel: Spitze und Breite stehen in einem engen Verhältnis, auch wenn das auf den ersten Blick nicht immer so scheint. Aber in den gleichen Vereinen, in denen Flüchtlingen bei der Eingliederung geholfen, in denen mit Präventions- und Reha-Angeboten die Gesundheit vieler erhalten, in denen der demografischen Entwicklung durch verstärkte Angebote für Senioren getrotzt wird – genau in diesen Vereinen haben auch diejenigen ihre Wurzeln, die im Sommer in Rio um olympische und paralympische Ehren kämpfen werden.

Alle erfolgreichen Sportlerinnen und Sportler haben als Kinder und Jugendliche im Verein ihre ersten Schritte gemacht – angeleitet von Übungsleiterinnen und Übungsleitern, die in ihrer Freizeit meist mit großer Freude ihr Wissen weitergaben. Die meisten Athletinnen und Athleten vergessen das nie und sind ihren Heimatvereinen tief verbunden. Im Freudentaumel olympischer oder paralympischer Erfolgsfeiern geht das manchmal unter. Dieses olympische und paralympische Jahr bietet die Chance zu zeigen, dass das eine ohne das andere nicht existieren kann.

(Autorin: Ulrike Spitz)

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.


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