Sport findet Stadt

11.06.2014

Der Sport spielt eine immer wichtigere Rolle beim Stadtmarketing, denn kein anderes Medium macht eine Stadt schneller bekannt, so Prof. Hans-Jürgen Schulke, Vizepräsident von Special Olympics.

Vereine sind wichtige Werbeträger für Städte. Foto: picture-alliance

Es war kein Zufall, dass im Millerntorstadion des FC St.Pauli renommierte Wissenschaftler und gewichtige Entscheidungsträger aus Sport, Politik und Wirtschaft über den Beitrag des Sports zum Stadtmarketing diskutierten. Schließlich sind die Bundesligavereine – Ligapräsident Reinhard Rauball referierte eindrucksvolle Zahlen – wichtiger Werbeträger für ihre Standorte und auch respektable Steuerzahler. So reisen zu jedem Heimspiel seines Vereins Borussia Dortmund hunderte englischer Fußballfans mit Chartermaschinen an. Im Ausland fallen beim Namen Ham-burg eher HSV oder St.Pauli ein als Containerhafen oder Michaeliskirche („Michel“).

Doch ist es nicht nur Bundesligafußball, durch den eine Stadt populär wird. Immer deutlicher wird, dass sich in Städten und Metropolregionen ein neues Netzwerk bildet zwischen Sportorganisationen, kommunalen Sportverwaltungen, Marketinggesellschaften der Städte, Medienpartnern und Wirtschaftsunternehmen. Seine Aufgabe ist die Positionierung der jeweiligen Stadt als attraktiver Standort für Menschen und Unternehmen. Das möglichst weltweit und mit unverwechselbaren Merkmalen – die Stadt wird zur „Marke“ mit Alleinstellungsmerkmal.

Globaler Hintergrund ist die wachsende Konkurrenz der Städte untereinander, die um leistungsstarke Wirtschaftsunternehmen, junge hochgebildete Arbeitskräfte und zahlungskräftige Touristen ringen. Maßnahmen wie Gewerbegebiete, Verkehrsinfrastruktur, Qualifizierungsangebote und Wohnungsbau sind selbstverständlich. Weiche Standortfaktoren werden wichtiger: Schulen und Kinderbetreuung, Erholungsmöglichkeiten – und immer mehr der Sport. Kein anderes Medium macht eine Stadt schneller bekannt, große Veranstaltungen locken Touristen, fördert die Gesundheit der Bewohner. Die vielen Sportvereine bieten Verheimatung in fremder Umgebung.

Umgekehrt sind die Akteure des Sports zunehmend gehalten, die besondere Marke ihrer Stadt zu stärken – am ehesten durch passende Veranstaltungen, vielleicht auch markante Sportstätten, durch starke Mannschaften, passende Sportangebote, eine treffende Kommunikation. Je mehr der Sport das Image der Stadt stärkt, desto eher kann er mit einer Förderung rechnen. Die wird dann nicht mehr allein aus den Sportetats kommen. Deshalb muss der organisierte Sport sich nicht neu erfinden – aber ein Mitdenken bei den Verantwortlichen für das Stadtmarketing eröffnet neue Optionen.

Das Hamburger Symposium hat an vielen Beispielen und Analysen illustriert, wie weit die Vernetzung von Sport und Stadtmarketing weltweit, national und regional fortgeschritten ist. Es ist aber auch deutlich geworden, wie schwierig oft eine erfolgreiche Umsetzung ist. Aktuell wird das an der beginnenden Fußball-WM in Brasilien deutlich wie auch an den Überlegungen des deutschen Sports zu einer Bewerbung um die Ausrichtung Olympischer Spiele. Gigantismus kann dem Image einer Stadt dauerhaft schaden, warnte Olympiasieger Professor Maennig. Auch hier gilt: Mind is better than money.

In jeder Ausgabe der DOSB-Presse, die wöchentlich erscheint, gibt es einen Kommentar zu aktuellen Themen des Sports, den wir hier als DOSB-Blog veröffentlichen. Diese mit Namen gezeichneten Beiträge geben nicht unbedingt die offizielle DOSB-Meinung wieder.

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