Berliner Erklärung: Coming-out im Profi-Fußball

22.07.2013

Der DFB, sechs Bundesligavereine, drei Bundesminister und weitere Institutionen und Verbände fordern gemeinsam ein Ende der Homophobie im Sport.

Stellten in der Hauptstadt die Berliner Erklärung gegen Homophobie im Sport vor (v.re.): Tjark Woydt , Vizepräsident vom FC St. Pauli, Christine Lüders, Ilse Ridder-Melchers, Sabine Leutheusser-Schnarrenberg, Thorsten Manske, Vizepräsident Hertha BSC Berlin Foto: Bundesstiftung Magnus Hirschfeld

Wird sich heute ein Profifußballer outen? Die Neugierde war groß bei den über 100 geladenen Gästen und zahlreichen Journalisten am 17. Juli in der Hauptstadtrepräsentanz der Deutschen Telekom. „Ich habe das Gefühl, dass wir hier heute etwas Historisches schaffen“, heizte ZDF-Moderatorin Kathrin Müller-Hohenstein, die durch die Veranstaltung führte, die Stimmung an.

Doch wer auf die große Sensationsnachricht oder schnelle Schlagzeile hoffte, wurde enttäuscht. Stattdessen stellte die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld ein ehrgeiziges Programm vor, das das teilweise raue Klima im Fußballsport viel nachhaltiger verändern könnte. Die „Berliner Erklärung“, die an diesem Mittwoch feierlich enthüllt wurde, ist mehr als ein bloßes Bekenntnis zum Kampf gegen Homophobie im Sport.

Stiftungsvorstand Jörg Litwinschuh konnte dafür zum einen ein prominent besetztes Bündnis schmieden: Mit Hans-Peter Friedrich, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Kristina Schröder gehören nicht nur drei Bundesminister zu den 15 Erstunterzeichnern, sondern auch die Vizepräsidentin des Deutschen Olympischer Sportbunds Ilse Ridder-Melchers, DFB-Chef Wolfgang Niersbach sowie sechs Präsidenten von Erst- und Zweitligavereinen, darunter Uli Hoeneß vom FC Bayern München. Zum anderen findet die Erklärung deutliche Worte: „In weiten Teilen des Sports sind homophobe Tendenzen dennoch nach wie vor stark ausgeprägt, homosexuelle Sportlerinnen und Sportler fühlen sich diskriminiert und in ihren Entfaltungsmöglichkeiten eingeschränkt.“

Die Bekämpfung von Homophobie im Fußball sei besonders wichtig, betonte die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger in ihrer Eröffnungsrede. „Gerade vom Fußball als unangefochtenem Volkssport Nummer eins, der jede Woche Millionen vor den Fernseh-Bildschirm und in die Stadien lockt, kann eine ganz wichtige Funktion in diesem Bereich ausgehen.“ Der DOSB binde das Thema „Homosexualität im Sport“ in seine „Gender- und Diversity“-Aktivitäten ein, sagte Ilse Ridder Melchers. "Die erfolgreiche Integration vieler sozialer Gruppen bildet einerseits die existenzielle Grundlage für den organisierten Sport und ist andererseits gesellschaftspolitisch notwendig, soll das Motto `Sport für alle´ dauerhaft realisiert werden." Daran, dass Schiedsrichter im Stadion noch immer häufig als schwul bezeichnet werden, um sie zu beleidigen, erinnerte die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders.  In einer traurigen Konkurrenz hätten homophobe Sprüche sogar rassistische Beleidigungen überholt.

Hier setzt das von der Universität Vechta entwickelte Bildungsprojekt „Fußball für Vielfalt“ an, mit dem die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld die Ziele der „Berliner Erklärung“ in die Praxis umsetzen möchte. Die Initiative soll zunächst empirische Daten zu Homophobie und Fußball erheben. Anschließend sollen auf dieser Grundlage Bildungsmodule erstellt werden, mit denen in Vereinen, Fan-Organisationen und Schulen sensibilisiert und aufgeklärt werden kann.

Einen eigenen Beitrag für Vielfalt, Respekt und Akzeptanz leistete der Deutsche Fußball-Bund, der pünktlich zur Veranstaltung in Berlin eine 28-seitige Broschüre zum Thema „Fußball und Homosexualität“ vorstellte. Sie soll den Vereinen einen Leitfaden im Umgang mit homosexuellen Spielerinnen und Spielern geben.

Auch in der Bundesliga? Christine Lüders ging in ihrer Rede auf die Frage ein, die so viele Menschen bewegt. „Das Coming-out fehlt noch, aber es wird kommen. Wir alle arbeiten daran.“

(Quelle: Bundesstiftung Magnus Hirschfeld/DOSB)

 
 

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