Vorstandmitglied Schwank: "Wir müssen international überzeugen"

16.03.2015

DOSB-Vorstandsmitglied Bernhard Schwank, zuständig für Internationales und Olympiabewerbung, spricht im Interview über das Rollenverständnis im DOSB, die Olympiabewerbung und die IOC-Reform.

Bernhard Schwank ist im DOSB-Vorstand für den Bereich Internationales und Olympiabewerbung zuständig. Foto: DOSB/Torsten Silz

Mit der im Dezember auf der Mitgliederversammlung beschlossenen Strukturreform hat der DOSB neue Akzente für die eigene Arbeit wie für den organisierten Sport insgesamt gesetzt. Wie nehmen Sie das neue Rollenverständnis von Präsidium und Vorstand wahr?

BERNHARD SCHWANK: Wir haben im Vorfeld dieser Entscheidung der Mitgliederversammlung 2014 sehr intensiv im Präsidium und in der Direktorin über das Rollenverständnis und die Art und Weise des Miteinanders diskutiert. Und ich glaube, dass die Entscheidungen, die die Mitgliederversammlung getroffen hat, grundsätzlich dazu führen, das Rollenverständnis von Präsidium und Vorstand zu klären. Die neue Struktur trägt damit zugleich zu einer größeren Klarheit bei, welche Aufgaben das Präsidium und welche Aufgaben nun der Vorstand wahrzunehmen hat.

Für den Vorstand ist die Verantwortlichkeit nach §26 BGB ein wichtiger Schritt. Wir sind als Kollegialorgan im Vorstand in der Gesamtheit für das Wohlergehen des DOSB verantwortlich. Dabei schaut nicht jeder nur auf seinen eigenen Verantwortungsbereich, sondern auch auf den aller anderen. Dies stärkt zum einen die Zusammenarbeit, stärkt aber gleichzeitig auch die Entscheidungen, die man trifft, weil sie dann im Bewusstsein der Gesamtverantwortung herbeigeführt werden. Das neue Zusammenspiel von Präsidium und Vorstand ist natürlich ein Prozess, etwas das sich entwickeln muss und das wir gemeinsam mit Leben füllen müssen. Ich spüre hier allerdings einen starken Willen beider Seiten, dies auch zu tun.

Sie sind im Vorstand zuständig für Internationales und Olympiabewerbung. Welche Aussage soll mit der direkten Verknüpfung der beiden Bereiche vermittelt werden?

Zunächst einmal macht diese Verknüpfung inhaltlich sehr viel Sinn, da es sich bei einer Bewerbung für Olympische und Paralympische Spiele um ein internationales Projekt handelt. Somit ist es wichtig, die Kräfte innerhalb des DOSB an dieser Stelle zu bündeln und daher auch die Zusammenführung dieser beiden Themen. Mit der Olympiabewerbung haben wir für die kommenden zwei Jahre – und im Erfolgsfall auch für etwas länger – ein herausragendes Projekt des DOSB. Und da gehört die internationale Arbeit ganz wesentlich dazu, denn wir müssen international überzeugen. Am Ende entscheiden Menschen, die auf der ganzen Welt zu Hause sind, ob die Spiele nach Deutschland gehen. Diesen Menschen muss man auf internationaler Bühne begegnen, und dieser Umstand muss somit auch in der Vorstandsarbeit entsprechend gewürdigt werden.

Die Verknüpfung von Internationales und Olympiabewerbung könnte möglicherweise aber auch verstanden werden als eine zu starke Fokussierung des Bereiches auf den Aspekt Olympiabewerbung?

Diese Gefahr besteht m. E. nicht. Die Arbeit des DOSB im Bereich internationaler Entwicklungen wird unvermindert weitergehen. Das, was wir seit vielen Jahren international in der Entwicklung, in der Zusammenarbeit und in Projekten mit Kooperationsländern tun, bleibt davon unberührt und wird fortgesetzt. Aber natürlich wird die Bewerbung auch dort Eingang finden. Denn, wenn wir international unterwegs sind, werden wir selbstredend für unsere Olympiabewerbung kämpfen und versuchen, die Menschen davon zu überzeugen.

Tiefgreifende Reformen gab es nicht nur beim DOSB, sondern mit der Agenda 2020 auch beim IOC. Damit haben sich auch die Bedingungen für Bewerbungen um Olympische Spiele verändert. Welche Änderungen schätzen Sie als besonders relevant ein im Zusammenhang mit einer Bewerbung einer deutschen Stadt?

Zur Agenda 2020 des IOC zunächst eine allgemeine Bemerkung: Bewerbungen um die Durchführung von Olympischen und Paralympischen Spielen werden nachhaltiger, flexibler, kostengünstiger und transparenter. Vor dem Hintergrund der Erfahrungen, die anlässlich der vergangenen Vergaben von Olympischen Spielen gemacht wurden, kann dies dem IOC und der Olympischen Bewegung insgesamt nur gut tun.

Für uns bedeutet die Reform natürlich eine Bestätigung, wenn es darum geht Olympische Spiele nachhaltig zu gestalten. Dazu gehört die Hoffnung, dass die Agenda auch Auswirkungen auf die Meinung einer breiten Öffentlichkeit insofern hat, als die Leute erkennen, dass das IOC verstanden und Reformen beschlossen hat, die nicht nur oberflächlich sind, sondern tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen. Und wir glauben, dass damit auch die Bereitschaft, sich für eine Bewerbung im eigenen Land einzusetzen, steigt. Natürlich wird es darauf ankommen, wie die Reformen in der Realität umgesetzt werden. Wir haben in Gesprächen beim IOC in jüngster Vergangenheit deutlich gespürt, dass die Agenda 2020 deutliche Auswirkungen haben wird.

Mit Berlin und Hamburg bewerben sich aktuell zwei Städte für die Austragung der Olympischen Spiele 2024, ggf. auch für 2028. Der nationale Bewerbungsprozess ist in vollem Gange und erste Entscheidungen, wer für Deutschland gegen Mitbewerber wie Rom oder Boston antreten wird, stehen unmittelbar bevor. Wir wollen ein wenig weiter schauen: Welche Impulse gehen Ihrer Ansicht nach von einer deutschen Bewerbung für die Sportentwicklung insgesamt aus?

Bereits die Diskussion um eine deutsche Bewerbung hat schon positive Auswirkungen. Die Befassung und die Beschäftigung mit Olympia mit der Verbindung und Verknüpfung von Sport- und Stadtentwicklung in den Ämtern, den Stadtgesellschaften und in den Medien sind bereits enorm. Und dies wird sich nochmals um ein vielfaches steigern, wenn wir in den internationalen Wettbewerb eintreten.

Der ehemalige Oberbürgermeister Münchens, Christian Ude, äußerte sich im Zuge der Münchner Bewerbung für die olympischen Winterspiele dahingehend, dass man das, was München mit der Bewerbung erreicht habe, mit einer eigenen Werbekampagne um ein vielfaches hätte teurer bezahlen müssen.
Die Auswirkungen auf den deutschen Sport und seine Entwicklung werden bereits jetzt in der Bewerbungsphase sichtbar, und sie werden bei einem Zuschlag für die Durchführung der Olympischen und die Paralympischen Spiele noch um ein vielfaches stärker sein.

Worin sehen Sie in dieser neuen Funktion Ihre Hauptaufgaben und was möchten Sie nach einem Jahr erreicht bzw. umgesetzt haben?

Das liegt auf der Hand. Ungefähr in einem Jahr haben wir unser erstes Bewerbungsdokument beim IOC abgegeben. Das setzt voraus, dass wir erst einmal die beste der beiden Städte, die sich aktuell um die Ausrichtung der Spiele bewerben, auswählen. Es setzt zweitens voraus, dass wir mit dieser Stadt eine so gute Arbeit geleistet haben, dass wir einen überzeugenden Bürgerentscheid erzielt haben. Und drittens müssen wir in einem Jahr ein gemeinsames Konzept ausgearbeitet und dem IOC vorgelegt haben, dass in allen Facetten qualitativ hochwertig ist: von der Idee und der Konzeption über die Nachhaltigkeit bis hin zur Finanzierung und der Unterstützung der Bevölkerung. Das hätte ich gerne in einem Jahr erreicht.

(Quelle: Führungs-Akademie des DOSB)


 
 

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