100 Tage: Der Countdown für Baku 2015 hat begonnen

04.03.2015

In genau 100 Tagen beginnen in Baku in Aserbaidschan die 1. Europaspiele. Vom 12. bis 28. Juni treten dort 6000 Athleten in 20 Sportarten an.

Michael Vesper, Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov beim Pressegespräch zu den 1. Europaspielen in Baku 2015. Foto: DOSB

Alexander Wölffing (re.) stellte die Übertragungsplanungen seines Senders SPORT1 für Baku vor. Foto: DOSB

Mit dabei sind die Tischtennis-Stars Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov. Am Mittwoch berichteten beide auf einer Pressekonferenz des DOSB in Neu-Isenburg von ihrer Vorbereitung auf die Premiere der Europaspiele, bei denen es für sie auch um die Möglichkeit geht, sich direkt für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro zu qualifizieren. Der Einzelsieger hat die Fahrkarte sicher. "Am schönsten wäre es, wir würden beide im Finale darum spielen", sagte der sechsmalige Europmeister Boll mit einem Seitenblick auf den Kollegen Ovtcharov, den Olympiadritten von London und Einzel-Europameister von 2013.

SPORT1 überträgt die Spiele live

Den Fragen der Jounalisten stellte sich auch Alexander Wölffing, der stellvertretende Chefredakteur und Leiter Sport beim TV-Sender SPORT1, der die Spiele live übertragen wird. Rund 80 Stunden wird SPORT1 im Free-TV aus Baku berichten, werktags zwischen 14.00 Uhr (erste Woche) oder 17.00 Uhr (zweite Woche) und 20.00 Uhr. Auch die Eröffnungsfeier (12. Juni) und Schlusszeremonie (28. Juni) werden direkt übertragen. "Für uns ist das eine große, reizvolle Aufgabe, als offizieller Broadcast-Partner über ein so großes Multi-Sportereignis zu berichten", sagte Wölffing.

Michael Vesper, Vorstandsvorsitzender des DOSB und Gastgeber der Pressekonferenz, erläuterte noch einmal die Entstehungsgeschichte der Spiele. Er räumte ein, dass auch der DOSB vor der Einführung skeptisch gewesen sei. Es sei der Wunsch der 49 Europäischen Nationalen Olympischen Komitees gewesen, ein ähnliches Format zu entwickeln, das es für andere Kontinente mit Afrikaspielen, Pan-Amerika-Spielen und Asienspielen schon gebe. Im Dezember 2012 habe der Dachverband des deutschen Sports in Absprache mit seinen Spitzenverbänden zugestimmt, "unter der Voraussetzung", so Vesper, "dass wir die Premiere genau auswerten und dann unsere Position zu den Spielen neu überdenken". Das werde der DOSB tun, obgleich es schon Interessenten für eine Fortsetzung der Spiele gebe.

6000 Athleten/innen treten in 20 Sportarten an

In Baku werden mehr als 6000 Athletinnen und Athleten in 20 Sportarten und 253 Wettbewerben antreten. Mehr als 3000 Offizielle werden mit nach Baku reisen. Der DOSB wird eine Mannschaft von rund 300 Athletinnen und Athleten entsenden, die am 21. April und 5. Mai nominiert werden.

Neben 16 olympischen Sportarten sind auch vier nicht-olympische im Programm von Baku: Basketball Drei gegen Drei, Beach Soccer, Karate und die Kampfsportart Sambo. In drei Sportarten gibt es die Möglichkeit, sich direkt für die   Olympischen Spiele Rio 2016 zu qualifizieren: im Tischtennis, Triathlon und Schießen. Außerdem gibt es in sieben weiteren Sportarten die Möglichkeit, Ranglistenpunkte für die Olympia-Qualifikation zu sammeln: im Bogenschießen, Boxen, Judo, Radsport, Taekwondo, Ringen und Volleyball.

Nicht vertreten ist die deutsche Mannschaft in der Leichtathletik, deren Wettbewerbe als 3. Liga der Team-Europameisterschaft ausgetragen werden, bei den Radsport-Wettbewerben Straße und Mountainbike sowie im Sambo und Beach Soccer. Im Basketball Drei gegen Drei haben deutsche Spieler die Qualifikation verpasst.

Ein Sonderfall sind die Schwimmwettbewerbe, die alle als U19-Europameisterschaften ausgetragen werden. Dabei ist Deutschland gut vertreten, aber eben mit jugendlichen Teilnehmern.

Olympia-Qualifikation für Tischtennisspieler und Schützen

Besonders stark sind deutsche Teilnehmer im Tischtennis und Schießen vertreten, weil es dort um die Olympia-Qualifikation geht. Im Volleyball treten Frauen und Männer an. Im Judo dienen die Europaspiele als Ersatz für die ausgefallenen Europameisterschaften; außerdem gibt es hier paralympische Wettbewerbe. Auch in den Sportarten Kanu, Bogenschießen, Fechten, Karate, Radsport BMX, Ringen, Taekwondo und Turnen werden einige der besten deutschen Sportler dabei sein. Die Triathlon-Union hat die Art der Teilnahme noch nicht abschließend geklärt.

Im Tischtennis-Turnier gehören Timo Boll und Dimitrij Ovtcharov zu den Favoriten. Insgesamt nehmen 128 Tischtennisspieler an dem siebentägigen Wettbewerb (ab 13. Juni) teil. Neben der Einzelentscheidung, wo es um das Rio-Ticket geht, gibt es auch einen Mannschaftswettbewerb. Wer im Einzel nicht gewinnt, kann aber trotzdem auf Olympia hoffen: Der nächste Schritt dahin ist das kontinentale Qualifikations-Turnier in Istanbul im April 2016. Wer da nicht einen der zehn europäischen Startplätze erspielt, kann sich noch über die Olympia-Weltrangliste qualifizieren.

Den Tischtennisspielern ist Baku schon bekannt. Sie spielen in der renovierten Baku Sports Hall, wo auch Badminton-Wettbewerbe stattfinden. Ovtcharov gewann in der Stadt vor wenigen Wochen das Europe-Top-16-Turnier. Es konnte zwar noch nicht in der Halle ausgetragen werden, da die Renovierung noch lief. Aber dennoch haben Ovtcharov und Boll erlebt, wie intensiv sich Baku auf die Spiele vorbereitet und wie groß die Vorfreude dort ist. "Ich bin sicher, das wird ein cooles Event", sagte Ovtcharov.

DOSB will auf Presse- und Meinungsfreiheit drängen

Aserbaidschan steht aber zugleich auch in der Kritik wegen Menschenrechtsverletzungen und Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit. Michael Vesper, der auch Mitglied der EOC-Exekutive ist, erläuterte, wie der DOSB damit umgehe.

Der Dachverband habe dazu schon zahlreiche Gespräche geführt, unter anderem mit der Organisation Reporter ohne Grenzen, mit dem Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, mit dem Auswärtigen Amt und der deutschen Botschaft in Baku, dazu mit dem aserbaidschanischen Sportminister und dem Botschafter des Landes in Berlin. Zuletzt war eine Sprecherin der Organisation Human Rights Watch zu einem Gespräch mit dem DOSB in Frankfurt.

"Wir sind gerade über die Einschränkung der Pressefreiheit und über die Repressalien gegen Journalisten und Medien beunruhigt", sagte Versper. "Wir werden die Themen selbstverständlich bei unseren Gesprächen vor Ort und mit Vertretern des Gastgeberlandes auch zukünftig ansprechen." Wie schon bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi werde sich der DOSB mit Nichtregierungsorganisationen und Aktivisten in Baku zu Hintergrundgesprächen treffen.

Auch der Vorstand der Europäischen NOKs sei über die vollständige Einhaltung der Menschenrechte während der Spiele im Gespräch, erklärte Vesper. Es gebe die Zusicherung der aserbaidschanischen Regierung, dass dies garantiert werde. "Wir hoffen, dass gilt dann für alle Journalisten: die internationalen und die nationalen", sagte er.

Auch die Deutsche Europaspiele-Mannschaft werde vom DOSB über die Situation in Aserbaidschan informiert, ergänzte Vesper. Bereits beim ersten Teilmannschaftsleiter-Treffen im vergangenen Mai hatte ein Vertreter von Reporter ohne Grenzen als Experte berichtet. "Unsere Haltung in Fragen von Menschenrechten und Pressefreiheit ist klar und eindeutig", so Vesper: "Für beides stehen wir ein und beides gilt es zu schützen. Das werden wir auch in unseren Gesprächen in Aserbaidschan deutlich machen."

(Quelle: DOSB)


 
 

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