Ein guter Tag für Sportdeutschland

10.03.2015

Das DOSB-Präsidium hat nach der Forsa-Umfrage zu einer Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele 2024/28 mit Berlin oder Hamburg ein positives Fazit gezogen.

Stellen die Ergebnisse der Umfrage in Berlin und Hamburg vor (v.re.): Bernhard Schwank, Alfons Hörmann, Michael Vesper, Ole Bischof (Vizepräsident Leistungssport), Christian Klaue (Moderation); Foto: DOSB

„Heute scheint für Sportdeutschland ein guter Tag zu sein“, sagte DOSB-Präsident Alfons Hörmann bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse bei einer Pressekonferenz in Neu-Isenburg. „81 Prozent der Berliner und 82 Prozent der Hamburger, die befragt wurden, würden es begrüßen, wenn Olympische und Paralympische Spiele wieder in Deutschland stattfinden“, sagte Hörmann. In beiden Städten habe auch die Zustimmung zugenommen, Spiele innerhalb der Stadtgrenzen ausrichten zu wollen. Gegenüber vorangegangenen Umfragen gab es in dieser Hinsicht ein Wachstum von sieben (Berlin) bzw. elf Prozent (Hamburg). „Das ist auch eine schöne Bestätigung der umfangreichen Arbeit in den beiden Städten, die in den vergangenen Wochen und Monate stattgefunden hat“, lobte Hörmann. „Wir sehen es auch als Resultat des intensiven Dialogs in beiden Städten.“

Als ein ebenso wichtiges Ergebnis bewertete der DOSB-Präsident die klare Abnahme der Nein-Stimmen in Berlin und Hamburg. „Die Zahl der Unentschiedenen ist mehr oder weniger gleichgeblieben, während diejenigen, die dagegen waren, ins Lager der Befürworter gewechselt sind.“ Die Werte zeichneten ein gutes Bild, dass die Idee von Olympischen Spielen in den Stadtgesellschaften angekommen sei und „nicht von Neu-Isenburg, Frankfurt oder Lausanne aus gesteuert und über die Köpfe der Menschen hinweg diskutiert wurde, wie das in einigen Medien zuweilen angeklungen ist“, meinte Hörmann.

Man habe das Meinungsforschungsinstitut Forsa gebeten, zur Festigung der Repräsentativität statt der üblichen 1000 Personen 1.500 Menschen sowohl in Hamburg als auch in Berlin zu befragen, erläuterte der DOSB-Vorstandsvorsitzende Michael Vesper. Er nahm auch Stellung zu vorangegangenen Diskussionen über das Auswahlverfahren der Befragungen in beiden Städten. „Fakt ist, dass ein Teil der Berliner Befragten im sogenannten ‚Omnibus‘ interviewt wurden: Forsa macht hier monatlich für eine Berliner Zeitung repräsentative Umfragen. 1002 Befragte, die in dem Omnibus sitzen, wurden nun zusätzlich zur Olympiabewerbung befragt, weitere 498 sind exklusiv hinzugekommen.“ Das, so Vesper, sei ein in der Meinungsforschung übliches und eingeübtes Verfahren. „Die Fragen nach Olympia wurden selbstverständlich zuerst gestellt“, sagte Vesper. Man habe sich außerdem davon überzeugt, dass es bei der computergestützten Telefonbefragung für einen Interviewer nicht möglich sei, individuelle Reihenfolgen festzulegen.

Auf die Frage, in welcher Weise die Umfrageergebnisse zur Vorbereitung der Entscheidung um die endgültige Bewerberstadt gewertet werden, antwortete Bernhard Schwank, Vorstand Olympiabewerbung/Internationales. Auf Grundlage der ursprünglich 13 Fragen an Hamburg und Berlin und deren Antworten, die gemeinsam mit dem DOSB in den vergangenen Monaten in fünf Workshops weiterentwickelt worden sind, habe das DOSB-Präsidium in seiner letzten Sitzung einen Kriterienkatalog beschlossen. Auf dessen Grundlage wird das Präsidium am Montag, 16. März, einen Vorschlag für die Außerordentliche Mitgliederversammlung am 21. März erarbeiten. „International steht als Erstes immer die Frage nach dem ´reason why`; warum möchte eine Stadt, ein Land  die Spiele haben. Das ist also ein ganz wichtiges Kriterium.“ Denn damit verbinde sich auch die Frage nach dem Erbe von Olympischen Spielen. Als weitere Kriterien nannte Schwank das Gesamtkonzept, das auch mit der Stadtentwicklung harmonieren müsse, die Sportstätten und das Olympische Dorf, Umwelt und Nachhaltigkeit, die Organisation, die Finanzierung, die öffentliche, politische und wirtschaftliche Unterstützung, Transport und Unterbringung und schließlich die internationale Wettbewerbsfähigkeit. „Diese Kriterien gelten für die Olympischen Spiele wie für die Paralympischen Spiele“, betonte Schwank. Von einer Gewichtung der Kriterien habe das DOSB-Präsidium zum jetzigen Zeitpunkt abgesehen. „Wir wollen die Beratung mit den Spitzenverbänden und den Experten am Wochenende abwarten und am Montag entscheiden.“

Michael Vesper erläuterte den weiteren Fahrplan der Bewerbung: „Wir stehen heute vor einer Kaskade von drei Sitzungen. Am kommenden Sonntag (15. März) treffen wir uns mit den olympischen Spitzenverbänden, ergänzt durch die Vorsitzenden der Konferenz der Landesportbünde und der Verbände mit besonderen Aufgaben sowie der Sprecher der nichtolympischen Verbände. Berlin und Hamburg werden dann ihre Bewerbungen präsentieren.“ Die Reihenfolge für die Präsentation soll nicht alphabetisch festgelegt, sondern ausgelost werden. Die anschließende Debatte finde unter Ausschluss der Stadtrepräsentanten statt. Am Montag (16. März) trifft sich das Präsidium mit einer Gruppe von Experten/innen, deren Namen kurz vorher bekannt gegeben werden sollen, um sich von diesen beraten zu lassen. Die Senatoren der beiden Städte werden abermals präsentieren. Danach findet eine Fragerunde mit anschließender Diskussion aller Beteiligten statt. Das Präsidium, so Vesper, werde im Anschluss beraten und eine Entscheidung fällen: „Wir planen, diese Entscheidung in einer Pressekonferenz gegen 19.00 Uhr bekannt zu geben.“

Damit sichergestellt ist, dass es innerhalb des DOSB-Präsidiums keine Befangenheit zugunsten einer Stadt gibt, wurde eine „Unbefangenheitserklärung“ erstellt. „Jedes Präsidiumsmitglied wurde heute vor den Beratungen aufgefordert, eine eventuelle Befangenheit klar zu dokumentieren. Die Kollegin Gudrun Doll-Tepper hat aufgrund ihres Mitwirkens beim Landessportbund Berlin als Vizepräsidentin erklärt, an den Beratungen und auch der Beschlussfassung nicht teilzunehmen. Alle anderen Präsidiumsmitglieder haben ihre Unbefangenheit erklärt“, sagte Alfons Hörmann.

Hörmann machte nochmals deutlich, dass die Forsa-Umfrage eines von vielen Kriterien für die Entscheidungsfindung des Präsidiums ist. „Alle, die in den nächsten Tagen mit uns ins Gespräch gehen, haben die Chance, die Ergebnisse für sich selbst zu reflektieren.“ Nach Auffassung Hörmanns ist durch den Wettbewerb in beiden Städten viel Engagement, Herzblut, Kreativität und Leidenschaft investiert worden, auch weil das Gefühl da war, nicht „ganz allein“ zu sein. „Wenn es dann auf die internationale Ebene geht, wird das Ganze hoch zwei oder drei in ganz anderer Schlagzahl erfolgen müssen. Deshalb sehen wir die derzeitige Phase als wertvolles und wichtiges Trainingscamp für beide Städte.“

(Quelle: DOSB)


 
 

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