Leserbrief zur Berichterstattung über Thomas Bach

07.04.2017

Zur Berichterstattung über IOC-Präsident Thomas Bach schreibt Christian Klaue, IOC-Sprecher für die deutschsprachigen Länder:

IOC-Präsident Thomas Bach besucht am 15. März 2017 die Baustelle des olympischen Dorfs in Pyeongchang, Südkorea, wo vom 9. bis 25. Februar 2018 die Olympischen Winterspiele stattfinden. Foto: picture-alliance

"Mit Befremden habe ich am Freitag die Presseberichterstattung über IOC-Präsident Thomas Bach gelesen, die ein perfektes Beispiel für `Lückenjournalismus´ ist. Hier werden bewusst eine Reihe von Fakten ausgelassen, die nicht ins Bild passen.

Bevor Herr Bach im September 2013 zum IOC-Präsidenten gewählt worden ist, war er hauptberuflich Wirtschaftsanwalt, dessen Aufgabe es ist, die Interessen seiner Mandanten zu vertreten. Mit diesem Beruf hat er seinen Lebensunterhalt verdient, die Aufgaben im IOC und im DOSB übte er ehrenamtlich aus, erhielt dafür lediglich Aufwandsentschädigungen.

Nach seiner Wahl zum IOC-Präsidenten hat er alle anwaltlichen Mandate mit Ausnahme des Aufsichtsratsvorsitzes bei der Michael Weinig AG bzw. der Weinig International AG in seinem Heimatort Tauberbischofsheim niedergelegt, um sich voll seiner Aufgabe als IOC-Präsident widmen zu können. Diese Fakten wurden öffentlich kommuniziert. Als IOC-Präsident erhält er eine jährliche Aufwandsentschädigung, die von der IOC-Ethikkommission festgelegt und auf Wunsch von Herrn Bach im jeweiligen Jahresbericht des IOC veröffentlicht wird.

Mit Bezug auf die Berichterstattung über seine Tätigkeit für MAN Ferrostaal vom 1. Juni 2005 bis 31. Mai 2009 fehlt die Information, dass Herr Bach zu keinem Zeitpunkt eine Provision erhalten hat und niemals am Verkauf von Rüstungsgütern beteiligt gewesen ist. Im Rahmen einer jeweiligen allgemeinen Untersuchung, ist die Tätigkeit von Herrn Bach sowohl bei MAN Ferrostaal als auch bei der Siemens AG durch unabhängige amerikanische Anwaltskanzleien geprüft worden. In beiden Fällen wurde festgestellt, dass an der Integrität von Herrn Bach keine Zweifel bestehen.

Herr Bach hat sowohl der IOC-Ethikkommission wie auch dem Good-Governance-Beauftragten des DOSB stets seine Verträge angezeigt und diese Informationen regelmäßig aktualisiert. In beiden Fällen haben weder die Tätigkeit noch das Verhalten von Herrn Bach zu irgendwelchen Beanstandungen geführt.

Für Adidas arbeitete er vom 1. Oktober 1985 bis 31. Dezember 1987. Die ISL war ein eigenständiges Unternehmen. Darüber hinaus beginnen die im Artikel aufgeführten Schmiergeldzahlungen der ISL (nicht von Adidas) im Jahr 1989, während Herr Bach bei Adidas bereits Ende 1987 ausgeschieden ist.

Wenn man dies alles weiß, wird deutlich, dass an der Berichterstattung nichts dran ist, außer dem offensichtlichen Versuch, den Ruf von Herrn Bach zu schädigen.

Legte man im Übrigen den von den Autoren gewählten Maßstab an, dürfte man zumindest keinem selbstständig Tätigen mehr empfehlen, ein Ehrenamt im sozialen, kulturellen, politischen, karitativen oder sportlichen Bereich auszuüben, da diese Person ansonsten ihre berufliche Tätigkeit aufgeben müsste. Dies wäre für das deutsche Vereinswesen ein gravierender Verlust.

Es gilt hier, die Dinge mal wieder vom Kopf auf die Füße zu stellen. Der Beruf von Herrn Bach vor seiner Wahl zum IOC-Präsidenten war Wirtschaftsanwalt. Im Ehrenamt war er IOC-Mitglied und DOSB-Präsident und nicht etwa umgekehrt. Beides hat er immer sauber getrennt."

(Christian Klaue, IOC-Sprecher für die deutschsprachigen Länder)

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