Thomas Bach ist der neue IOC-Präsident

10.09.2013

Zum ersten Mal steht ein Deutscher an der Spitze der olympischen Bewegung. Die 125. Session des Internationalen Olympischen Komitees in Buenos Aires wählte Thomas Bach zum neunten IOC-Präsidenten.

Vortritt für den Nachfolger: Jacques Rogge bittet Thomas Bach ans Rednerpult.

Thomas Bach verneigt sich zum Dank vor den IOC-Mitgliedern.

Der Moment der Entscheidung: Der scheidende Präsident Jacques Rogge nennt den Namen seines Nachfolgers Thomas Bach.

Bach überreicht Rogge den Olympischen Orden (Foto: alle Picture Alliance)

Der 59 Jahre alte DOSB-Präsident, der seit der Bekanntgabe seiner Kandidatur im Mai als Favorit auf das höchste Amt im internationalen Sport galt, erreichte im zweiten Wahlgang die notwendige absolute Mehrheit. Bach ist Nachfolger des Belgiers Jacques Rogge, der in der letzten Amtshandlung seiner zwölfjährigen Präsidentschaft um 12:41 Uhr Ortszeit (17.41 Uhr MESZ) den Umschlag öffnete und den Namen des Wahlsiegers verlas: "Thomas Bach".

Mit einem vielfachen "Danke" in den unterschiedlichsten Sprachen brachte der sichtlich bewegte Bach seine Gefühle zum Ausdruck. Sein besonderer Dank ging an Rogge und an alle, die ihn auf dem langen Weg an die Spitze des IOC unterstützt und begleitet hatten, aber auch an die fünf Mitbewerber und "diejenigen, die mich nicht gewählt haben". Er wolle ein Präsident für alle sein. "Es ist mir eine Riesenehre", sagte Bach und ehrte Rogge in seiner ersten Amtshandlung mit dem Olympischen Orden in Gold.

Ein Kreis hat sich geschlossen

Für den Fecht-Olympiasieger von 1976 schließt sich 32 Jahre nach seinem ersten großen internationalen Auftritt als Sport-Funktionär 1981 beim IOC-Kongress in Baden-Baden der Kreis. Bach gehörte der ersten IOC-Athletenkommission an. Als erst neunter Präsident seit ihrer Gründung 1894 wird der Wirtschaftsanwalt aus Tauberbischofsheim nun das IOC mindestens in den kommenden acht Jahren und höchstens die nächsten zwölf leiten.

Das DOSB-Präsidium gratuliert

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) verliert dagegen seinen Gründungspräsidenten, der, wie das DOSB-Präsidium in einer Erklärung nach der Entscheidung sagte, in den vergangenen sieben Jahren DSB und NOK erfolgreich zusammengeführt und den DOSB zu der Stimme des Sports in Deutschland entwickelt habe. "Aber wir gewinnen in diesem historischen Moment den ersten deutschen IOC-Präsidenten. Wir sind überzeugt, dass er die erfolgreiche Arbeit von Jacques Rogge fortführen und dabei die Athletinnen und Athleten in den Mittelpunkt seines Handelns stellen wird."

1991 wurde Bach ins IOC gewählt, 1996 erstmals in die Exekutive. 2000 wurde er zum ersten Mal  Vizepräsident und arbeitete verantwortlich in zahlreichen Kommissionen. Insbesondere als Leiter der juristischen Kommission sprach er stets als strikter Kämpfer gegen Doping.

Sieg im zweiten Wahlgang

Nun bestätigten ihn die IOC-Mitglieder schon im zweiten Wahlgang mit der absoluten Mehrheit von 49 der 93 Wahlberechtigten gegen seine vier verbliebenen Konkurrenten Richard Carrion (Puerto Rico, 29 Stimmen), Ng Ser Miang (Singapur, 6), Denis Oswald (Schweiz, 5) und Sergej Bubka (Ukraine, 4). Wu Ching-Kuo (Taiwan) war im ersten Wahlgang nach einer Stichwahl gegen Ng ausgeschieden. Schon da hatten 43 Mitglieder für Bach votiert, nur 23 für Carrion.

"Ein Präsident für alle"

Nun wird Bach sein Wahlmanifest unter dem Motto "Einheit in Vielfalt" in die Tat umsetzen. Seine Tür, seine Ohren und sein Herz seien offen, er werde ein "Präsident für alle" sein, sagte er in seinem ersten Wort an die Vollversammlung. Zu den Pfeilern seines Programms gehören ein strikter Kampf gegen Doping und Wettbetrug, dazu will er Afrika als Olympia-Gastgeber die Tür öffnen, dem Gewinnstreben um jeden Preis Einhalt gebieten und auch ein Projekt wie die Einführung eines Olympia-TV-Kanals angehen.

Seinen Kolleginnen und Kollegen im DOSB-Präsidium wird sich der neue IOC-Präsident schon am kommenden Montag bei der nächsten Sitzung in Frankfurt begegnen. Bei einem Rücktritt Bachs als DOSB-Präsident wird satzungsgemäß Hans-Peter Krämer, Vizepräsident Wirtschaft und Finanzen, (oder der Generaldirektor) das Amt vorübergehend übernehmen.

Bundespräsident, Bundeskanzlerin und Putin gratulieren

Zahlreiche Prominente hatten Bach vor der Wahl alles Gute gewünscht. Und schon kurz nach seiner Wahl trafen die ersten Glückwünsche ein.

Bundespräsident Joachim Gauck schrieb Bach: "In Ihrem neuen Amt tragen Sie Verantwortung für die künftige Gestalt des IOC." Bundeskanzlerin Angela Merkel schickte "herzliche Glückwünsche" und schrieb: "Ich freue mich sehr darüber, dass Deutschland mit Ihnen auf der internationalen Ebene auch weiter hervorragend vertreten ist." Der für den Sport zuständige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) nannte Bachs Wahl "eine historische Situation." Auch Außenminister Guido Westerwelle twitterte Glückwünsche.

Russlands Präsident Wladimir Putin gratulierte dem neuen IOC-Präsidenten sogar persönlich. Putin rief kurz nach der Wahl Bachs in Buenos Aires Dimitri Tschernischenko, den OK-Chef der Olympischen Spiele 2014 in Sotschi, auf dem Handy an. Der reichte weiter an Bach, der die Glückwünsche des Staatschefs entgegennahm.

Auch Fußballgröße Franz Beckenbauer zeigte sich erfreut, "dass ich Thomas Bach zur Wahl gratulieren kann. Dass er als erster Deutscher in das höhste Amt des Sports gewählt wurde, ist eine hohe Auszeichnung für uns alle", sagte er. Wolfgang Niersbach, Präsident des Deuschen Fußball-Bundes, erklärte: "Es ist eine Anerkennung für seine großartige Arbeit und ein Zeichen für die Wertschätzung des deutschen Sports. Er kann sich hundertprozentig darauf verlassen, dass der deutsche Fußball hinter ihm steht."

Auch Bundestrainer Joachim Löw zeigte sich der Wahl in Buenos Aires erfreut. "Ich weiß, dass Thomas Bach Fußballfan ist. Auch wir von der Nationalmannschaft haben ihm für die Wahl zum IOC-Präsidenten die Daumen gedrückt", sagte Löw, während Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff ergänzte: "Die Wahl von Thomas Bach an die Spitze der Olympischen Bewegung ist eine Auszeichnung für den gesamten deutschen Sport."

"Ein Deutscher an der Spitze des IOC, das ist doch das, worauf wir Deutschen alle stolz sein können", meinte Dirk Nowitzki, Basketball-Profi vom NBA-Klub Dallas Mavericks. Turn-Star Fabian Hambüchen sagte: "Thomas Bach ist ein hervorragender IOC-Präsident."

Athleten twittern Glückwünsche

Bob-Rekord-Olympiasieger André Lange erzählte, auch er habe die Daumen gedrückt. "Nach 20 Jahren sehr guter Arbeit als Vize ist seine Wahl ein logischer Schritt", sagte er. Der dreimalige Kanu-Olympiasieger Andreas Dittmer (Neubrandenburg) meinte: "Ich freue mich sehr für ihn. Sicher ist ein deutscher IOC-Präsident auch nicht hinderlich bezüglich einer deutschen Olympia-Bewerbung."

Heide Rosendahl, Doppel-Olympiasiegerin von 1972, ergänzte. "Bachs Wahl zum IOC-Präsidenten tut dem deutschen Sport gut. Er ist schon ein Sympathieträger aus der Sicht Vieler."

"Eine gute Wahl" twitterte Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe und Hockey-Olympiasieger Moritz Fürste meinte: "Gut für Deutschland - wir sind gepsannt, was passiert."

Nahezu sämtliche Spitzensportverbände hatten Bach die Daumen gedrückt. "Er ist authentisch mit seinem Hintergrund als ehemaliger Spitzensportler", sagte Präsident Karl Altenburg vom Deutschen Tennis Bund. "Eine Wahl von Thomas Bach zum IOC-Präsidenten ist auch eine Anerkennung für das deutsche Sportsystem, das mit seinen 28 Millionen Mitgliedschaften und 8,8 Millionen Ehrenamtlichen weltweit einmalig ist", meinte Rainer Brechtken, Vorsitzender des Deutschen Turner-Bundes.

Auch Dagmar Freitag, Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, gratulierte, erklärte aber auch: "Die Olympischen Spiele dürfen nicht länger vornehmlich unter der Prämisse ungezügelter Kommerzialisierung und Gewinnmaximierung für das IOC stattfinden."

(Quelle: DOSB, SID)

 
 

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