Schwarzkopf gewinnt Silber bei Siebenkampf ihres Lebens

04.08.2012

Lilli Schwarzkopf hat bei den Olympischen Spielen im Siebenkampf nach einer zurückgenommenen Disqualifikation im abschließenden 800-m-Lauf die Silbermedaille gewonnen.

Nach dem 800m-Lauf schaut Liili Schwarzkopf noch ungläubig auf die Anzeigetafel. Foto: picture-alliance

Die 28-Jährige von der LG Rhein-Sieg war zunächst wegen angeblichen Bahnverlassens aus der Wertung des Laufes genommen worden. Dies stellte sich anschließend als Irrtum heraus. Es hatte sich dabei um die neben ihr laufende Russin Kristina Sawizkaja gehandelt. Der Lauf von Scharzkopf wurde danach umgehend wieder in die Wertung genommen. Nach einer mehr als halbstündigen Zitterpartie durfte sich Schwarzkopf am Ende doch über 6649 Punkte und Platz zwei hinter der mit 6955 Punkten siegreichen Britin Jessica Ennis freuen. Bronze ging an die Russin Tatjana Tschernowa mit 6628 Punkten.

 Triumphe und Dramen im Tollhaus Olympiastadion: Premierminister David Cameron sowie Prinz William und seine Kate feierten mit 80.000 freudetrunkenen Zuschauern eine Sternstunde der britischen Leichtathletik - die Gastgeber gewannen dreimal Gold innerhalb von 45 Minuten. Die Deutschen bejubelten nach dem glücklichen Ende der Disqualifikations-Posse um Siebenkämpferin Lilli Schwarzkopf (6649 Punkte) ihr zweites Silber.

Am Tag nach Silber durch Kugelstoß-Welteister David Storl, der Gold nur knapp verfehlte, gab es ansonsten statt deutscher Medaillen vor allem Enttäuschungen: Europameister Sebastian Bayer fehlten mit 8,10 m zwei Zentimeter zu Bronze, der WM-Zweiten Nadine Müller im Diskuswurf mit 65,94 m ebenfalls zwei Plätze zum Podest.

"Das war wirklich ein Geschenk der Briten über den Wettkampf hinaus bis an mein Lebensende. Sie haben schon einen eigenartigen Humor", sagte Lilli Schwarzkopf, nachdem geklärt war, dass ihr Fuß beim finalen 800-m-Lauf doch nicht die Bahn verlassen hatte. Als die EM-Dritte von 2006 dann die Medaille in der Hand hielt, sagte sie: "Das war der Siebenkampf meines Lebens. Das ist geil."

Hinter Olympiasiegerin Jessica Ennis (Großbritannien/6955) und Schwarzkopf belegte Tatjana Tschernowa (Russland) Rang drei (6628). Ohne Chance auf eine vierte Medaille in Serie blieb Jennifer Oeser (Leverkusen), nach Achillessehenproblemen gab sie im 800-m-Lauf auf und sagte weinend: "Ich bin in den letzten Wochen über Grenzen gegangen."

Die enthusiastischen Zuschauer im ausverkauften Olympiastadion feierten vor allem drei britische Helden: Siebenkampf-Queen Ennis verfehlte nur knapp die bislang nur von drei Frauen übertroffene 7000er-Grenze; Geheimfavorit Greg Rutherford gewann den Weitsprung; und Weltmeister Mo Farah rannte über 10.000 m zu Gold.

Schnellste Frau der Welt wurde wie 2008 in Peking Jamaikas Shelly-Ann Fraser-Pryce in starken 10,75 Sekunden. Silber blieb Weltmeisterin Carmelita Jeter (USA) in 10,78, Bronze holte Jamaikas zweimalige 200-m-Olympiasiegerin Veronica Campbell (10,81). Bereits im Halbfinale war Ex-Europameisterin Verena Sailer (Mannheim) in schwachen 11,25 gescheitert.

Nadine Müller, WM- und EM-Zweite, hatte im Diskusfinale ihre Nerven nicht im Griff und wurde Fünfte. Gold und Silber holten nach Dopingsperren Kroatiens Europameisterin Sandra Perkovic mit 69,11 m und Russlands Weltranglisten-Erste Darja Pischtschalnikowa (67,56) vor Chinas Weltmeisterin Li Yanfeng (67,22).
Hallen-Europameister Bayer fehlten zwei Zentimeter zu Bronze und sechs zu Silber. Weltmeister Mitchell Watt (Australien/8,16 m) und Will Claye (USA/8,12 m) holten hinter Rutherford (8,31 m) die Medaillen. Ex-Europameister Christian Reif (Ludwigshafen) hatte überraschend das Finale verpasst.

Entgegengefiebert hatten die Zuschauer auch den Vorläufen über 100 m. Usain Bolt, Olympiasieger von 2008, siegte in unspektakulären 10,09 Sekunden. Weltmeister Yohan Blake (ebenfalls Jamaika) lief in 10,00 die drittbeste Zeit. Überraschend war Ryan Bailey (USA) in 9,88 Schnellster.

Das erste Gold des Tages hatte beim Debakel der russischen 20-km-Geher der Chinese Chen Ding in 1:18:46 Stunden gewonnen. Nur 21. war Berliner Andre Höhne in 1:22:02.

Im Halbfinale über 400 m Hürden lief Felix Sanchez (Dominikanische Republik) acht Jahre nach seinem Athen-Olympiasieg in 47,76 Sekunden Jahres-Weltbestzeit. Im 400-m-Vorlauf verfehlte Belgiens Europameister Jonathan Borlee in 44,43 den Europarekord nur um eine Zehntelsekunde. Sportgeschichte schrieb Oscar Pistorius (Südafrika), der als erster beidbeinig Amputierter bei Olympia startete und in 45,44 ins Halbfinale lief.

Im Dreierpack zogen die WM-Zweite Martina Strutz, die deutsche Rekordlerin Silke Spiegelburg und Lisa Ryzih ins Stab-Finale ein. Dagegen scheiterte Brasiliens Weltmeisterin Fabiana Murer. Ebenfalls am Montag stehen Gesa-Felicitas Krause sowie Antje Möldner-Schmidt im Endlauf über 3000 m Hindernis.

(Quelle: SID)

 
 

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