Tod durch Ertrinken: DLRG zieht traurige Bilanz

18.03.2016

Nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind im vergangenen Jahr in Deutschland mindestens 488 Menschen ertrunken.

Die meisten Menschen ertrinken nicht an den Meeresküsten, wo DLRG-Rettungskräfte aufpassen, sondern in Binnengewässern. Foto: DLRG

Gegenüber dem Jahr 2014 stieg die Zahl der Opfer um 96 oder 24,5 Prozent. Dies sei der höchste Stand seit neun Jahren. Diese Zahlen gab der Präsident der DLRG, Hans-Hubert Hatje, in Hannover bekannt. Zurückzuführen sei der negative Trend auf den relativ schönen Sommer. Laut DLRG-Statistik ertranken allein 254 Menschen in den Sommermonaten Juni bis August. Mehr als jeder zweite tödliche Unfall (52 Prozent) ereignete sich damit in der schönsten Jahreszeit. Besonders die hohe Zahl der ertrunkenen Flüchtlinge (27) bereitet der DLRG erhebliche Sorgen.

Vorsicht an unbewachten Binnengewässern

Hatje: „Unfallschwerpunkt Nummer eins sind nach wie vor die unbewachten Binnengewässer. In Flüssen, Bächen, Seen und Teichen ertranken 387 Menschen, das sind fast 80 Prozent aller Opfer.“ An den Küsten von Nord- und Ostsee ertranken lediglich 14 Menschen – elf in der Ostsee und drei in der Nordsee. „Es zahlt sich aus, dass in fast allen Badeorten an den Küsten unsere Rettungsschwimmer für mehr Sicherheit im und am Wasser sorgen. Unser Konzept eines zentralen Wasserrettungsdienstes hat sich selbst bei einem großen Ansturm von Badegästen und Wassersportlern in der Hauptsaison bewährt“, begründet der DLRG-Präsident die geringe Zahl von Todesfällen an den deutschen Küsten. Mit Blick auf die Binnengewässer fordert Hatje von der öffentlichen Hand, Regelungen für eine verbindliche Absicherung der Binnengewässer, die von Schwimmern, Badegästen und Wassersportlern genutzt werden. Elf Menschen ertranken in einem Schwimmbad, fünf in einem privaten Gartenteich oder Swimmingpool, 71 weitere verloren in einem Hafenbecken, Graben oder an anderen Orten ihr Leben.

DLRG-Chef Hatje: „Die meisten Opfer ertranken in unbewachten Gewässern. Selbstüberschätzung, gesundheitliche Vorschädigungen, Übermut, Leichtsinn und Unkenntnis über mögliche Gefahren sind oft Ursache für tödliche Unfälle im Wasser.“ Das Risiko in unbewachten Gewässern zu ertrinken sei um ein Vielfaches größer als in Bädern und an Küsten, die von Rettungsschwimmern bewacht werden. „Unsere ehrenamtlichen Retter hatten überall viel Arbeit; die Strände und Bäder waren oft voll besetzt. Ohne ihren großen Einsatz und ihre schnelle Hilfe wäre die Zahl der Ertrunkenen noch deutlich höher“, so Hatje weiter.

Neue Risikogruppe: Flüchtlinge

Eine besondere Risikogruppe stellen inzwischen die Flüchtlinge dar. Insgesamt sind im vergangenen Jahr 27 Asylsuchende ertrunken. Die DLRG hat bereits reagiert. Präsident Hatje: „Wir haben kurzfristig die Baderegeln in über 25 Sprachen übersetzt, um den Menschen aus anderen Ländern die Gefahren im Wasser zu verdeutlichen.“

Ältere Menschen besonders betroffen

Besonders vom Ertrinken betroffen sind ältere Menschen. In der Altersklasse von 71 bis 80 Jahren ertranken 88 Personen. Aber auch bei den 16- bis 25-Jährigen waren es nach Angaben der DLRG 72 Frauen und Männer. Ein besonderes Augenmerk haben die Lebensretter natürlich immer wieder auf die Kinder bis 15 Jahre. Insgesamt kamen 25 in dieser Altersklasse ums Leben, im Jahr zuvor waren es 21. DLRG-Chef Hatje appelliert an die Eltern, die Kleinsten nicht aus den Augen zu lassen. Schon ein flacher Gartenteich könne für sie zur tödlichen Gefahr werden. Und eine Forderung an die Schulen und deren Träger hat er auch: „Dies zeigt deutlich, dass der Schwimmunterricht in den Schulen konsequent durchgeführt werden muss. Wir setzen uns deshalb mit Nachdruck für den Erhalt der Bäder ein und fordern die Kommunen auf, gerade den Grundschulen einen Zugang zu Bädern zu ermöglichen.“

Nichts Neues beim Geschlechtervergleich: 375 Männer (77 Prozent) und 97 Frauen (20 Prozent) kamen in deutschen Gewässern zu Tode.
Auch im vergangenen Jahr ertranken die meisten Menschen in Bayern. Laut DLRG-Statistik kamen dort 112 Menschen ums Leben. An zweiter Stelle rangiert Nordrhein-Westfalen mit 70 tödlichen Wasserunfällen, gefolgt von Baden-Württemberg (55) und Niedersachsen (50). Die sichersten Regionen waren das Saarland (wie im Vorjahr), Bremen und Thüringen in denen jeweils sieben Menschen ums Leben kamen.

Über die DLRG
Die DLRG ist mit rund 1,3 Millionen Mitgliedern und Förderern die größte Wasserrettungsorganisation der Welt. Seit ihrer Gründung im Jahr 1913 hat sie es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren. Schirmherr ist Bundespräsident Joachim Gauck. Die DLRG ist die Nummer Eins in der Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung in Deutschland. Von 1950 bis 2014 hat sie knapp 22 Millionen Schwimmprüfungen und über viereinhalb Millionen Rettungsschwimmprüfungen abgenommen. In über 2.000 Gliederungen leisten die ehrenamtlichen Helfer pro Jahr gut sieben Millionen Stunden freiwillige Arbeit für die Menschen in Deutschland. Die Kernaufgaben der DLRG sind die Schwimm- und Rettungsschwimmausbildung, die Aufklärung über Wassergefahren sowie der Wasserrettungsdienst. Rund 47.000 Mitglieder wachen jährlich mehr als zwei Millionen Stunden über die Sicherheit von Badegästen und Wassersportlern.

(Quelle: DLRG)


 
 

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