Der Sport steht geschlossen hinter der Leistungssportreform

02.12.2017

Einstimmig hat die 14. Mitgliederversammlung des DOSB am 2. Dezember in Koblenz den Willen des Sports zur schnelleren Umsetzung der Leistungssportreform bekräftigt und ein Leitbild für den DOSB verabschiedet.

In demonstrativer Geschlossenheit nahm die Mitgliederversammlung in Koblenz die Resolution „Standortbestimmung der Spitzenverbände zur Leistungssportreform“ an. Foto: DOSB / Jan Haas

Darüber hinaus nahm der DOSB die Mitgliedsorganisationen Nummer 100 und 101 auf, den Cheerleading und Cheerdance Verband Deutschland und den Bundesfachverband für Kickboxen WAKO Deutschland auf und verabschiedete seinen Vorstandsvorsitzenden Michael Vesper in den Ruhestand.

Alle der rund 400 Delegierten in der Rhein-Mosel-Halle stimmten auch zu, ab der neuen Wahlperiode im Dezember 2018 des Präsidiums eine extern besetzte Ethik-Kommission einzusetzen. Sie soll den Good-Governance-Beauftragten des DOSB ersetzen. Einstimmig wurde der neu gewählte Sprecher der Athletenkommission, der Fechter Maximilian Hartung, als Mitglied des Präsidiums bestätigt.

In demonstrativer Geschlossenheit nahm die Versammlung auch die Resolution „Standortbestimmung der Spitzenverbände zur Leistungssportreform“ an, die tags zuvor in der Konferenz der Spitzenverbände in Abstimmung mit den Landessportbünden (LSB) und den Verbänden mit besonderen Aufgaben verabschiedet worden war. Darin werden auch die offenen Punkte angesprochen und die „in wesentlichen Teilen verzögerte Umsetzung der Reform“ kritisiert, die nicht von den Spitzenverbänden zu verantworten sei.

Die noch kritischen Punkte der Reform erläutere DOSB-Vizepräsident Leistungssport Ole Bischof noch einmal: die Reduzierung von Stützpunkten und Bundeskadern, die ungeklärte Trainersituation und das fehlende Finanzierungskonzept. Auch Bischof forderte, zeitnah die unterschiedlichen Rollen von Bund, Ländern und Sport sowie die Finanzierung zu klären.

Geschlossenheit des Sports

Spitzenverbände-Sprecher Siegfried Kaidel, Präsident des Deutschen Ruder-Verbandes, bekräftigte: „Wir stehen klar zur Leistungssportreform. Sie muss kommen. Wir sind auf gutem Weg.“ LSB-Sprecher Andreas Silbersack (Sachsen-Anhalt) ergänzte, man unterstütze dabei den DOSB. Man werde „in aller Form“ DOSB-Präsident Alfons Hörmann und den DOSB-Vorstand Leistungssport, Dirk Schimmelpfennig „den Rücken stärken“, sagte er und betonte die Geschlossenheit des Sports: Er habe noch nie eine solche Qualität der Zusammenarbeit mit dem DOSB und den Spitzenverbänden erlebt wie in den vergangenen Monaten, sagte Silbersack.

Alfons Hörmann und der geschäftsführende Bundesinnenminister Thomas de Maizière zeigten sich in ihren Reden einig, dass zur Halbzeit des Projektes Leistungssportreform vieles bereits laufe und an anderer Stelle mehr Fahrt aufgenommen werden müsse. „Soweit aus eigener Kraft möglich, hat der Sport seine Hausaufgaben gemacht, die sich aus dem einstimmigen Beschluss für die Leistungssportreform ergeben haben“, sagte Hörmann. Er dankte den Verbänden für ihre „engagierte Arbeit und die fruchtbaren Verbandsgespräche“ und dem Team um Dirk Schimmelpfennig. „Jetzt sind wir aber an einem Punkt, an dem die Möglichkeiten des Sports enden“, sagte Hörmann. „Ohne Finanzierung geht es nicht weiter.“

In dieser Frage zeigte sich der DOSB-Präsident erfreut, dass de Maizière frühere Aussagen wiederholte, nach denen er sich für eine „substanzielle und nachhaltige“ Erhöhung des Sportetats einsetzen wolle. Der geschäftsführende Innenminister sagte, er werde um eine Erhöhung streiten, wenn er die Gelegenheit dazu bekomme. Allerdings sei mit einem Abschluss der Verhandlungen über den Bundesetat 2018 nicht vor Mitte kommenden Jahres zu rechnen. 

„Vermutlich wurde noch nie so viel über die Reform des Spitzensports diskutiert, und das ist gut“, sagte de Maizière, merkte aber auch an, es werde in den Diskussionen zur Reform „zu oft zu viel hinter dem Vorhang geredet“. Und manchmal werde auch vergessen, um was es eigentlich gehe. „Vieles läuft bereits“, sagte auch de Maizière. „An anderen Stellen muss mehr Fahrt aufgenommen werden.“ Aber auch dies gelte: „Spiele werden in der zweiten Halbzeit entschieden.“ Da wäre er auch gerne künftig als Sportminister dabei. Er kündigte an, die Winterspiele in PyeongChang 2018 zu besuchen – „es sei denn, in dieser Woche wird in einer neuen Bundesregierung über den Sport verhandelt“.

Zuschauer sind für Wettkampf-Atmosphäre wichtig

Der Minister betonte auch die Bedeutung des Breitensports. Dabei hob er die Rolle der Zuschauerinnen und Zuschauer hervor. „Sie sind für die Atmosphäre eines Wettkampfs essenziell“, sagte de Maizière. „Deshalb ist das sportbegeisterte Publikum es wert, einmal in den Mittelpunkt gestellt zu werden. Wenn wir über den Sport reden, müssen wir auch darüber reden, dass und wie um Zuschauer geworben wird und wie der Sport attraktiv gemacht werden kann.“

Zur Leistungssportreform appellierte de Maiziére abschließend an alle Beteiligten aus allen Bereichen, dass der Spitzensport ohne Teamgeist nicht verbessert werden könne. Hörmann unterstützte ihn. „Die Ausführungen von Thomas de Maizière sind sehr motivierend“, sagte er. „Wir müssen mannschaftliche Geschlossenheit zeigen und die Einzelinteressen im Sinne des Großen und Ganzen zurückzustellen, um die Reform erfolgreich umzusetzen.“ 

Konzentration der Bundesstützpunkte

Zu den noch nicht geklärten Punkten gehört auch die Konzentration der Bundesstützpunkte. Der DOSB hat im August eine sportfachlich begründete Liste für das Anerkennungsverfahren künftiger Bundesstützpunkte vorgelegt mit 152 Stützpunkten (Sommersport), von denen 19 noch strittig sind.

Dazu kommen 36 Stützpunkte Wintersport, die – wie von vornherein festgelegt – erst nach den Winterspielen analysiert werden. Ursprünglich war von 204 Stützpunkten (Sommer und Winter) ausgegangen worden, doch die Analyse ergab, dass aufgrund zwischenzeitlicher Entwicklungen zwölf noch nicht berücksichtigt waren, zum Beispiel durch neue olympische Sportarten.

Die Länder haben bei der Sportministerkonferenz im Oktober dieser Liste inhaltlich zugestimmt, aber darum gebeten, sie für das Anerkennungsverfahren um 15 Stützpunkte zu erweitern. Das Bundesinnenministerium hat derweil das Ziel ausgegeben, weniger Stützpunkte zuzulassen. „Wir werden die besprochene Reduzierung um bis zu 20 Prozent auch künftig weiter anstreben“, sagte dazu Dirk Schimmelpfennig.

DOSB konsolidiert und auf gutem Wege 

Die Dachorganisation des deutschen Sports selbst sei insgesamt auf gutem Wege, berichtete Alfons Hörmann. Die notwendigen Anpassungen aus dem Projekt  Anstoß 2016 seien umgesetzt, die Finanzen konsolidiert. Aus diesem Projekt erwachsen sei auch die Entwicklung eines Leitbildes, das unter Beteiligung der Mitgliedsorganisationen und weiterer Stakeholder in Regionalkonferenzen und vielen weiteren offenen Diskussionen erarbeitet wurde. 

Leitbild als Vision des DOSB

Das Leitbild besteht aus einem übergeordneten Selbstverständnis sowie den drei Versprechen an die Gesellschaft, an die Mitgliedsorganisationen und an die Welt der Athletinnen und Athleten. Das Leitbild definiere Haltungen und Orientierungen des DOSB, auf denen nun die langfristige Strategie aufgebaut werde, erläuterte Hörmann. Es sei Teil einer dreigliedrigen Struktur, ein Jahrzehnt-Projekt, das auf kurzfristige Arbeitsprojekte projiziert werde. „Unser Wunsch wäre es, dass es nicht nur für den DOSB entwickelt wurde, sondern dass der organisierte Sport es komplett mitträgt“, sagte der DOSB-Präsident und sprach die Mitgliedsorganisationen direkt an. „Es ist kein statisches Werk, sondern es lebt und soll permanent weiterentwickelt werden. Auf diesem Weg werden wir Sie alle weiter mitnehmen.“

Vesper übergibt Staffelstab an Rücker 

Bei der Verabschiedung des Vorstandsvorsitzenden würdigte DOSB-Präsident Alfons Hörmann die Verdienste Michael Vespers in einem Amt mit unglaublich vielfältigen Themen und Aufgaben und überreichte ihm die Ehrennadel. „Herzlichen Dank für all das, was Du geleistet hast“, sagte er. 

In einer Videobotschaft blickte Hörmanns Vorgänger, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, auf die vielen gemeinsamen Jahre zurück und würdigte vor allem die gelungene Fusion von DSB und NOK, an der Vesper einen Mammutanteil habe. Vesper habe sich um den DOSB und den deutschen Sport verdient gemacht.

Michael Vesper erklärte, dass er mit großer Freude auf seine Zeit im Sport zurückblicke. „Im und für den Sport wirken zu dürfen, ist ein Geschenk, für das ich sehr dankbar bin“, sagte er. Den Schritt aus der Politik in den Sport habe er nie bereut. Der frühere NRW-Landesminister streifte die wichtigsten Themen seiner Amtszeit und wünschte dem DOSB und vor allem seiner Nachfolgerin Veronika Rücker mit ihrem Team viel Erfolg für die Zukunft. „Du hast eine spannende Zeit und eine begeisternde Aufgabe vor Dir“, sagte er zur Direktorin der Führungs-Akademie des DOSB, die zum 1. Januar den Vorstandsvorsitz des DOSB übernimmt. 

Veronika Rücker bedankte sich bei ihrem Vorgänger nicht nur für eine hervorragende Vorbereitungszeit, sondern auch für die Übergabe einer intakten Geschäftsstelle. Den Verbänden dankte sie für ihr Vertrauen  und kündigte eine gute Zusammenarbeit mit allen Stakeholdern an.

Eine ihrer wichtigsten Aufgaben sei die Verbandsentwicklung, sagte sie. Das Leitbild müsse umgesetzt und gelebt werden. Es gehe darum, die Perspektive des DOSB in den nächsten zehn Jahren zu zeigen, in Zusammenarbeit mit den Mitgliedsorganisationen.

(Quelle DOSB)


 
 

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