Hörmann lobt Wiedervereinigung

30.09.2015

Alfons Hörmann hat sich anlässlich des 25. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung am 3. Oktober positiv über das Zusammenwachsen des Sports in Ost und West geäußert.

DOSB-Präsident Alfons Hörmann erklärt im Interview, dass der deutsche Sport wesentlichen Anteil daran habe, dass in Deutschland eine friedliche und erfolgreiche Wiedervereinigung gelungen ist. Foto: DOSB

Die Forderungen der Doping-Opfer sowie die anhaltende Debatte um einzelne Stasi-Fälle beschäftigten den Sport aber auch weiterhin - wie der 55-Jährige im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID) erklärte.

Herr Hörmann, am 3. Oktober feiert Deutschland 25 Jahre Wiedervereinigung. Zu wieviel Prozent ist der deutsche Sport zusammengewachsen?

ALFONS HÖRMANN: Prozentual ist das schwierig zu formulieren. Ich würde sagen, der deutsche Sport hat die Wiedervereinigung an vielen Stellen weit schneller und konsequenter umgesetzt, als das in anderen gesellschaftlichen Bereichen - etwa in der Politik - der Fall war. In den wenigen Wochen und Monaten wurden damals nicht nur tiefgreifende strukturelle Veränderungen vorgenommen, auch an der Basis und in den Vereinen wurden mustergültige Projekte umgesetzt.

Also ein positives Fazit?

Wenn wir heute zurückblicken, können wir sagen, dass die Wiedervereinigung im Sport strukturell und auch emotional vollzogen ist. Der Deutsche Olympische Sportbund in seiner heutigen Form ist ja auch ein Resultat dieser organisatorischen Weiterentwicklung. Pauschal würde ich sagen: Sportdeutschland basiert heute auf einem gesamtdeutschen Sportsystem. Doch eine Generation nach der Wiedervereinigung ist es nun an der Zeit, auch dieses neu zu überdenken. Deshalb analysieren wir in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesinnenminister Thomas de Maizière und seinen führenden Mitarbeitern, wie die Erfolge der Zukunft gesichert und optimiert werden können.

Wie groß war der Einfluss des Sports auf die gesamtdeutsche Wiedervereinigung?

Ich glaube, Sportdeutschland mit seinen 27 Millionen Mitgliedschaften als die größte Bürgerorganisation Deutschlands hat wesentlichen Anteil daran, dass eine friedliche und erfolgreiche Wiedervereinigung gelungen ist. Gerade der Sport hat ja den Vorteil, dass es keinen Ost-Elfmeter oder kein West-Foul gibt, sondern dass er nach einheitlichen Regeln funktioniert. Das gemeinsame Sport-Erleben hat von Beginn an dazu geführt, dass neben den faktischen auch die psychologischen Grenzen relativ zügig beseitigt wurden.

Eine Maßnahme der Wiedervereinigung war das Förderprogramm 'Goldener Plan Ost', der von 1999 bis 2009 71 Millionen Euro in die Infrastruktur des Ostens spülte. Sind die Schwimmbäder oder Sportplätze in Ost und West nun auf einem Stand?

Auch da würde ich nicht so sehr nach Ost und West trennen. Es gibt sowohl im Osten als auch im Westen viele vorbildliche Sportanlagen und infrastrukturelle Projekte, die ganz wesentlich zum heutigen Erfolg unserer Sportler – von der Spitze bis zur Breite an der Basis der Vereine – beitragen. Wir haben aber auch in Ost und West sowie in Nord wie Süd an zahlreichen Sportstätten nennenswerten Investitionsstau und teilweise besorgniserregende Zustände.

Ein Erbe der Wiedervereinigung sind die DDR-Dopingopfer, die bis heute keine regelmäßige Rente erhalten. Warum verweigert sich der Sport an diesem Punkt?

Da verweigern wir uns nicht, sondern nehmen das Thema weiter ernst. Es gab ja bereits zweimal Entschädigungszahlungen. Wir haben auch in den vergangenen Monaten wieder intensiv mit dem Doping-Opfer-Hilfeverein gesprochen, wie wir eine vernünftige Lösung finden.

Wann ist mit einer Entscheidung zu rechnen?

Ob das noch einige Wochen oder einige Monate in Anspruch nimmt, kann ich jetzt noch nicht sagen. An dieser Stelle ist es wichtiger, eine tragfähige Lösung zu finden, als schnell irgendeine plakative Antwort zu geben.

Es geht aber um eine Rente und nicht um eine erneute Einmalzahlung?

Auch da kann ich noch nichts Endgültiges sagen, ehe die Verhandlungen zu Ende sind. Aber die Tendenz geht eher in Richtung Einmalzahlung.

Auch 25 Jahre nach der Wiedervereinigung reicht der lange Arm der DDR-Staatssicherheit in die Gegenwart. Der Fall des thüringischen LSB-Geschäftsführers Rolf Beilschmidt sorgt für Aufregung. Warum hat die Stasi-Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes keine Abberufung empfohlen?

Das müssen Sie die Kommissionsmitglieder fragen. Ganz bewusst hat man ja im DOSB eine neutrale Institution in Form dieser bewährten Geiger-Kommission geschaffen. Der aktuelle Fall ist wie zahlreiche andere anhand aller Unterlagen sorgfältig geprüft worden. Die Kommission hat am Ende klar und deutlich festgestellt, dass zahlreiche Vorgänge durchaus kritisch bis sehr kritisch gesehen werden müssen. Letztendlich ist die Kommission aber in der Abwägung aller Argumente zu der Erkenntnis und zur klaren Empfehlung gekommen, den heutigen Status zu belassen.

Ärgert Sie so ein Fall?

Unsere Aufgabe ist es gerade in solchen Themen nicht, Emotionen wie Ärger oder Freude zu entwickeln. Diese Vorgänge sind, wie z.B. auch Dopingfälle, sachgerecht und professionell zu bearbeiten.

Ihr Lieblingsthema Olympia. Wären die Spiele 2024 in Hamburg ein Zeichen an die Welt, dass Deutschland die Teilung vollends überwunden hat - oder spielt die Wiedervereinigung in neun Jahren keine Rolle mehr?

Aus meiner Sicht sehr wohl. Gerade eine Generation nach der Wiedervereinigung ein solch nationales Zukunftsprojekt mit der Metropole Hamburg umzusetzen, kann eine gute Antwort auf die Frage sein, was eint uns denn im gesamten Deutschland für die nächste Dekade?

Noch fehlt der deutschen Bewerbung genügend Strahlkraft auf internationaler Ebene. Wäre nicht etwa ein Mann wie Basketball-Star Dirk Nowitzki ein passender Botschafter, der Deutschland wie 2006 bei der Fußball-WM Franz Beckenbauer nach außen vertritt?

Unsere Arbeit ist im Moment noch stark auf die Bürgerbefragung in Hamburg und Kiel ausgerichtet. Am 29. November werden uns dann hoffentlich die Bürger das endgültige 'Go' geben. Danach rückt die internationale Phase stärker in den Vordergrund. Dann werden wir uns natürlich die Frage stellen, wer wird wo und wann auftreten. International bekannte Stars wie Dirk Nowitzki sind dabei jederzeit willkommene Botschafter für die Olympia-Bewerbung.

Muss man nicht parallel auch jetzt schon international arbeiten?

Das tun wir natürlich auch. Wir müssen schauen, wer uns aus Wirtschaft, Politik oder Kultur international unterstützt. Das ist auch der Grund, warum wir neben Gesellschafterversammlung und Aufsichtsrat ein neues Gremium für die Bewerbung ins Leben rufen. Das sogenannte Kuratorium wird unter Leitung von Claudia Bokel stehen, unserer IOC-Athletensprecherin. Als weltweit ranghöchste Athletensprecherin weiß sie, wie man die internationale Sportfamilie ansprechen muss.

Eine große Aufgabe steht ja auch in Form der Flüchtlingsbewegung an ...

Das stellt tatsächlich über alle Regionen und Strukturen hinweg eine überragende Herausforderung dar. Die gesamte Sportfamilie versucht mit allen Kräften, dieser gesellschaftlichen Verantwortung bestmöglich gerecht zu werden, auch wenn das teilweise in den Grenzbereich der Belastung führt. Doch wir tun dies aus Überzeugung und auch in der gewonnenen Sensibilität, welchen Wert wegfallende Grenzen in der aktuellen Krise plötzlich wieder erhalten. Der wahre Wert der Wiedervereinigung wird uns somit genau 25 Jahre danach nochmal sehr deutlich vor Augen geführt.

(Quelle: Sport-Informations-Dienst)

 
 

Olympia Partner

Sport für Alle Partner

Olympia Partner

Sport für Alle Partner