Wahlhearing des DOSB: Wohlwollende Worte für den Sport

10.06.2013

Der Sport kann sich auch weiterhin einer breiten politischen Unterstützung sicher sein. Das ist ein Ergebnis des Wahlhearings des DOSB mit Spitzenpolitikern aller fünf Bundestagsfraktionen in Berlin.

Die Spitzenvertreter der Bundestagsparteien standen den Fragen des organisierten Sports Rede und Antwort (v.li): Gysi, Oppermann, Trittin, Moderator Kerner, Brüderle, Kauder. Foto: picture-alliance/Robert Schlesinger

Ausdauer erwünscht: Thomas Bach (3.v.re.) schenkte den Politikern Laufschuhe des DOSB-Ausrüsters adidas in den passenden Parteifarben. Foto: picture-alliance/Robert Schlesinger

Bundestagspräsident Norbert Lammert mit Thomas Bach und DOSB-Generaldirektor Michael Vesper (li); Foto: picture-alliance/Robert Schlesinger

Der Ruder-Achter für die Flatow-Schule - eine der 41 Eliteschulen des Sports in Deutschland, die der DSGV fördert - wird den Gästen präsentiert. Foto: picture-alliance/Robert Schlesinger

Gastgeber Fahrenschon (re.) zeigt Bach und Lammert den Ruderachter. Foto: Camera4/Eberhard Thonfeld

Volker Kauder, CDU/CSU-Fraktionsvorsitzender, Thomas Oppermann, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle, FDP-Fraktionsvorsitzender und Spitzenkandidat, Gregor Gysi, Die Linke-Fraktionsvorsitzender und Mitglied des Spitzenteams, und Jürgen Trittin, Bündnis 90/Die Grünen-Fraktionsvorsitzender und Spitzenkandidat, waren der Einladung des DOSB gefolgt, gut 14 Wochen vor der Bundestagswahl unter der Moderation von Johannes B. Kerner auf Fragen des Sports Rede und Antwort zu stehen. Im Sparkassenhaus des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes verfolgten die rund 150 Gäste, Präsidenten/-innen und Generalsekretären/-innen der 98 Mitgliedsorganisationen des DOSB, die "engagierte und sachkundige Diskussion", wie DOSB-Präsident Thomas Bach sagte. "Die Mitglieder wägen nun Ihre Argumente",  ergänzte er. "Und der DOSB kommt auf Ihre Zusagen und wohlwollenden Worten sicher zurück.

Dem Wahlhearing schloss sich der Parlamentarische Abend des DOSB an, den Bundestagspräsident Norbert Lammert eröffnete. "Wir befinden uns in einem Superwahljahr", sagte er: Zwei Spitzenpositionen gelte es zu vergeben - "die des IOC-Präsidenten und des Bundeskanzlers oder der Bundeskanzlerin". Lammert wies darauf hin, dass manche meinten, diese Wahlen seien schon entschieden, "aber man sollte sich nie zu früh zu sicher sein". Hilfreich sei, überzeugende Argumente vorbringen zu können. "Das ist in beiden Fällen deutlich erkennbar", sagte er und wünschte Bach viel Glück.

Der DOSB-Präsident dankte Lammert, der nicht nur ein Freund des Sports, sondern "ein überzeugter Sportabzeichen-Ableger" sei, auch im Jubiläumsjahr des 100 Jahre alten Sportordens.

Gastgeber Georg Fahrenschon, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), übergab anschließend einen Ruderachter an die Flatow-Schule, eine der 41 Eliteschulen des Sports in Deutschland, die der DSGV fördert. "Wir freuen uns, die jungen Leute zu unterstützen und ihnen gutes Handwerkszeug mit auf den Weg zu geben", sagte Fahrenschon an diesem Abend. Auf den Tag genau, wie der Bundestagspräsident anmerkte, 184 Jahre nach dem allerersten Achterrennen zwischen den Mannschaften aus Oxford und Cambridge.

Zur Eröffnung des Wahlhearings, das auch live im Internet auf dosb.de übertragen wurde, hatte Bach erklärt, er sei sehr gespannt, von den Parteienvertretern zu hören, "wie sich die verbale Unterstützung in eine faktische umsetzt". Dafür kam dieser Abend vielleicht ein wenig zu früh. Auch deshalb, weil einige Wahlprogramme, die ohnehin wenig zum Sport sagen, bislang noch als Entwürfe auf ihre Verabschiedung durch die Partei warten. Dennoch zeigten alle Sprecher, dass sie sich der Rolle des Sports und dessen gesamtgesellschaftlicher Bedeutung bewusst sind und die Förderung von Spitzenleistungen weiter unterstützen wollen, vor allem in der Vorbildfunktion für die Jugend.

Zum Sport als Staatsziel äußerten sich vor allem SPD und Linke. "Beides, Kultur und Sport, sind wichtige Staatsziele", sagte Gregor Gysi. "Ich möchte beides haben." Thomas Oppermann, dessen Fraktion den Antrag, Sport ins Grundgesetz aufzunehmen, in den Bundestag eingebracht hat, wartete sogar mit einem konkreten Vorschlag auf. "Lassen wir es zu, dass wir in der letzten Sitzungswoche darüber abstimmen. Und: Geben Sie die Abstimmung frei", sagte er. Er sei sich sicher, dass die Zustimmung für den Sport überwältigend wäre.

Völlig einig war sich die Runde, dass ausreichende Spitzensportförderung nötig sei. "Ich glaube, dass man das mit einem transparenten Verfahren gut hinbekommt", sagte Jürgen Trittin. Wobei man auch von anderen lernen könne. "Zum Beispiel haben die Briten das ganz gut gemacht." Auch bei der CDU/CSU habe der Spitzensport "alle Sympathie", sagte Volker Kauder: "Er motiviert junge Menschen, am Breitensport teilzunehmen." Boris Becker und die Entwicklung im Tennis sei nur ein Beispiel von vielen. "Wir geben schon viel für den Spitzensport", ergänzte er. "Aber ich sehe, dass da noch Wünsche offen sind, und ich will das jetzt nicht mit einem Nein entscheiden." Auch Gregor Gysi hält Leistungssport "für wichtig". Man müsse ermöglichen, dass Kinder und Jugendliche Breitensport treiben können. "Und die werden angespornt durch Leistungssport. Das ist doch klar."

Rainer Brüderle sagte, bei der Förderung sei nicht nur staatliches Geld wichtig. "Für mich ist ein Euro, der eigenständig gegeben wird, mindestens so wichtig", sagte er und wies darauf hin, was der Bund auch beim Thema Duale Karriere über Bundeswehr oder Bundespolizei fördere. "Das muss man auch in Betracht ziehen, dem Sportler einen gesicherten Weg zu bieten", sagte er.

Konsens herrschte auch darin, dem Sport eine vernünftige Infrastruktur bereitzustellen. Thomas Oppermann wies darauf hin, dass dies im Breitensport immer schwieriger werde. "Die Kommunen haben dabei riesige Probleme", sagte er. "Wir müssen aufpassen, dass wir da nicht unterschiedliche Voraussetzungen schaffen. Wahrscheinlich müsse sich der Bund auch hier vorsichtig engagieren. "Nur mit Vorbildern ist den Jugendlichen nicht geholfen, sie brauchen auch die Möglichkeit, Sport zu treiben." Volker Kauder nannte die ganz unterschiedlichen Bedingungen in der Infrastruktur hin: "In Baden-Württemberg sind die Bedingungen hervorragend", sagte er, wies aber auch auf Reibungen in der Diskussion zwischen Bund und Ländern hin. "Eines sei klar", sagte er: "Die Länder können nicht immer darauf bestehen, etwas  allein machen zu wollen, aber beim Bezahlen ist der Bund dabei. In einigen Fragen haben wir da erhebliche Defizite."

Brüderle ergänzte, Breitensport sei nicht nur Fundus für Spitzensport, sondern er sei auch Prävention, für die Gesundheit ebenso wie gesamtgesellschaftlich im Sozialverhalten. Oppermann erwähnte in diesem Zusammenhang das neue Präventionsgesetz. Er sei "enttäuscht", sagte er, "dass versäumt wurde, die hochklassigen Angebote des Sports besser zur Geltung zu bringen".

Auch die Bedeutung des Ehrenamts traf in der Runde auf einhellige Zustimmung. "Selbstverständlich wollen wir das Ehrenamt weiter fördern", sagte Gysi und wies wie seine Bundestagskollegen darauf hin, dass sich einiges getan habe, beispielsweise mit dem Gesetz zum Bürokratieabbau, mit der Erhöhung der Übungsleiter- und Ehrenamtspauschalen. "Wir erkennen an: Ohne das Ehrenamt kann der Sport nicht so existieren", sagte Kauder.

Alle fünf Vertreter befürworteten eine harte Gangart gegen Doping. Oppermann plädierte noch einmal für den SPD-Gesetzentwurf, der in der vorigen Woche im Sportausschuss des Bundestages keine Mehrheit gefunden hatte. "Es gibt eine Schwelle, wo wir mit Sportgerichtsbarkeit nicht mehr hinkommen", sagte er. "Wir wollen Besitzstrafbarkeit auch bei geringen Mengen." Brüderle befürwortete einen parteiübergreifenden Ansatz. "Wirksamstes Mittel ist die Sperre", sagte er. "Beim Strafrecht habe ich Sorge, dass es sich über Jahre hinzieht." Dem stimmte auch Kauder zu. Gysi fand "Sportgerichte wichtig, weil sie schnell eingreifen können", wie er sagte. "Die Machenschaften der Hintermänner muss die Strafjustiz verfolgen." Trittin wies darüber hinaus auf die gemeinsame Verantwortung hin, dass die Entwicklung des Dopings auch bei Breitensport-Radrennen oder Cityläufen nicht um sich greife.

Beim Thema Inklusion im Sport sei zwingendste Voraussetzung, dass die Sportstätten zugänglich seien. Auch darin war sich die Runde einig. Das solle sogar gesetzlich festgeschrieben werden. Insgesamt, so stellte Jürgen Trittin fest, seien in diesem Thema die Sportvereine vielfach weiter als der Rest der Gesellschaft. "Der Sport zieht hier eher die Gesellschaft mit", sagte er.

Volker Kauder ergänzte, dass Übungsleiter auf diesem Feld besonders ausgebildet sein müssten. "Da muss man überlegen, ob man da nicht weitere Mittel zur Verfügung stellt", sagte er. Auch er dankte für die Arbeit und das Vorbild der Sportvereine. Darüber hinaus forderte er, dass die Behindertenarbeit in besonderen Einrichtungen nicht aufgegeben werden dürfe. "Mit Inklusion darf man nicht die sonderpädagogischen Maßnahmen an die Wand fahren", sagte er.

Ginge es nach den fünf Spitzenvertretern, so würden alle Bundestagsparteien geschlossen eine neue deutsche Olympiabewerbung unterstützen. Auch Jürgen Trittin erklärte, er habe zu denen gehört, die die Bewerbung von München unterstützten, ("das hat nicht jedem gepasst, aber das passiert in Parteien"). Nur habe ihn dieses Beispiel gelehrt: "Sie können so etwas heute nicht mehr machen ohne die Zustimmung der lokalen Bevölkerung", wie er sagte. "Es nützt nichts, nur von den Infrastrukturleistungen und anderen Vorteilen zu sprechen, denn es geht nicht gegen die Bevölkerung vor Ort.“ Darin stimmten alle anderen zu.

Auch Gregor Gysi berichtete von unterschiedlichen Auffassungen in seiner Partei. "Ich hätte nichts dagegen", sagte er. "Unter der Voraussetzung, dass klar ist, wer das bezahlt, dass der Bau anders als in Schönefeld gestaltet wird und dass wir Volksentscheide haben müssen."

"Die Deutschen sind gerne weltoffener Gastgeber solcher Veranstaltungen", sagte Thomas Oppermann. "Aber es muss nachhaltig sein, es muss umweltverträglich sein, und dann braucht man Mehrheiten."

"Wo immer das machbar ist, sollten wir es tun", schloss Rainer Brüderle. "Man muss den Ballon ja nicht immer größer aufblasen."

(Quelle: DOSB)


 
 

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