Bürgerrechte und friedlicher Fußball

    15.05.2009

    Vom Nationalen Konzept Sport und Sicherheit (NKSS) werden derzeit für Fußballfans zu wenige Projekte aus öffentlichen Mitteln gefördert.

    Zu wenig Geld für Fußballfans, bemängeln die Grünen. Copyright: picture-alliance

    Diese Auffassung gab die Abgeordnete Monika Lazar (Die Grünen) in einer eigens zum Thema „Bürgerrechte von Fußballfans stärken - Für einen friedlichen und integrativen Fußballsport“ einberufenen Diskussion im Deutschen Bundestag zu Protokoll. Zugleich plädierte sie im Namen ihrer Fraktion für eine deutliche Aufstockung der Finanzmittel für sozialpädagogische Maßnahmen bei Fanprojekten. „Für eine nachhaltige Verbesserung der Lage und die zunehmende Stärkung der Selbstregulierungskräfte in den Fanszenen erachten wir eine adäquate Finanzierung der Fanprojektarbeit für unerlässlich. Derzeit werden nur sechs Projekte nach den Vorgaben des NKSS gefördert - ein absolut unhaltbarer Zustand, zumal über den Wert dieser sozialpädagogischen Arbeit kein Zweifel mehr besteht“, erklärte Monika Lazar im Namen der der Oppositionsfraktion. Auf diesem Sektor könne der Bund durch die Initiierung von Sonderprojekten, die gegen Diskriminierung und Gewalt gerichtet sind, „unterstützend eingreifen“.

    Darüber hinaus fordert die Grünen-Fraktion die Einrichtung einer eigenständigen „Antidiskriminierungsstelle Sport“. Gesellschaftliche Phänomene wie Diskriminierung und Neonazismus müssten im Profifußball wie im Jugend- und Amateurbereich „weiterhin thematisiert werden“, äußerte Monika Lazar. Es bedarf der verstärkten Unterstützung von Faninitiativen, die oftmals die ehrenamtlichen Seismographen in den jeweiligen Fanszenen darstellen und nicht selten Pioniere in der Antidiskriminierungsarbeit waren und sind. Im Breitensport können gewaltpräventive und antidiskriminierende Programme, wie sie bereits in einigen Bundesländern existieren, dafür Sorge tragen, dass die DFB-Vorgaben gegen Diskriminierung auch bis in die untersten Ligen vermittelt werden.“

    Widerspruch vom ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichter Bernd Heynemann aus der Fraktion der CDU/CSU gab es hinsichtlich der von den Grünen aufgeworfenen Frage, ob durch teilweise unverhältnismäßige und massive Polizeieinsätze und strenge Kontrollen an den Stadiontoren, „wo sich Fans mitunter komplett entkleiden müssen“, womöglich die bürgerlichen Grundrechte von Fußballfans eingeschränkt werden. Die Notwendigkeit des angemahnten Dialogs darüber, „Freiheitsrechte und Sicherheitsinteressen in Einklang zu bringen“, sieht Heynemann nicht. „Wenn ich ins Stadion gehe“, erwiderte das Mitglied des Bundestags-Sportausschusses, „dann bin ich zu Gast bei einem Verein, bei einer Fußballförderation, bei einem Verband, und dann muss ich mich auch benehmen und muss mich Regularien unterwerfen.“ Kontrollen stellten „keine Diskriminierung der Fans“ dar, sondern Kontrollen müsse es geben „zur Sicherheit der Fans, zur Sicherheit der Spieler, zur Sicherheit des Fußballs“.

    Martin Gerster (SPD) unterstrich dass „die Förderung von Fanarbeit ein richtiges und wichtiges Instrument“ ist, um rechtsextreme, antisemitische und rassistische Äußerungen in die Schranken zu weisen. Er erinnerte daran, dass die „Koordinierungsstelle Fanprojekte“ (KOS) in Frankfurt am Main aktuell bereits mehr als 40 Initiativen betreut und die Bundesmittel dafür in diesem Jahr gegenüber 2008 um 30.000 Euro auf insgesamt 187.000 Euro aufgestockt worden sind. Die Forderung nach Erhöhung der Mittel sei damit „schon erledigt“. Detlef Parr, der sportpolitische Sprecher der FDP, mahnte in diesem Zusammenhang, die Erfahrungen der KOS besser zu nutzen, um „das Zusammenspiel zwischen Prävention, Repression und Integration zu optimieren“. „DFB und DFL haben auf dem Gebiet der Gewaltprävention schon viel erreicht“, betonte Parr. „Es gilt nun, tragfähige Konzepte weiterzuentwickeln, wie Diskriminierung im Fußball effektiv bekämpft werden kann. Wir dürfen jeder Form von Diskriminierung, ganz gleich wo, keine Chance geben!“ Einigkeit herrschte über die Fraktionsgrenzen hinweg darüber, dass dies - wie Lazar anmerkte - eine Aufgabenstellung von „gesamtgesellschaftlicher Natur“ sei.

     

    Kategorie: Sport und mehr