Fair Play Preise 2013 in Wiesbaden überreicht

06.12.2013

Ehre für Andrej Schukow, Kai Pfaffenbach und den VFB Oldisleben: Am Freitagabend nahmen die Fair Play Preisträger 2013 in Wiesbaden ihre Auszeichnungen entgegen.

Der Sport, die Bundesregierung und die Medien gratulieren den Fair Play Preisträgern 2013 (v.li.) : Krämer, Schmidt, Röber, Singer, Nerius, Schukow, Friedrich und Fischer; Foto: Frank May

Im Rampenlicht standen die Preisträger bereits bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften im August in Moskau. Der russische Kampfrichter Andrej Schukow hatte beiläufig mitbekommen, wie der deutsche Fotograf Kai Pfaffenbach dem Hilfe suchenden Kugelstoßer David Storl kurz nach dem Wettkampf Bilder auf seiner Kamera zeigte. Zuvor war der vierte Versuch des Olympiasiegers wegen angeblichen Übertretens des Stoßkreises nicht gewertet worden. Schukow ließ sich die Fotos zeigen und gab schließlich den Versuch gültig. Diese unbürokratische Entscheidung bescherte David Storl zurecht den WM-Titel.

Am Freitagabend sollten der Referee und der Fotograf im prunkvollen Friedrich-von Thiersch-Saal im Kurhaus zu Wiesbaden und im feierlichem Rahmen vor den Repräsentanten des organisierten Sports in Deutschland für diese faire und vorbildliche Geste geehrt werden. Andrej Schukow war vor Ort, aber für Pfaffenbach nahm seine Frau Wiebke Singer den Fair Play Preis entgegen, denn der Fotograf von der Agentur Reuters bedauerte, kurzfistig absagen zu müssen. In beruflichen Auftrag reiste Pfaffenbach nach Südafrika zur Bestattung des verstorbenen Nelson Mandela.

Eine normale Situation

"Es war eine normale Situation für mich, ich habe einfach nur meinen Job gemacht und zugunsten von David entschieden", sagte der im Nordkaukasus geborene Schukow bescheiden. Im Übrigen sei eine ähnliche Situation bei der Universiade in Kazan in diesem Sommer passiert.

Wiebke Singer arbeitet in der selben Agentur wie ihr Mann und hatte deshalb den Vorgang am Fernseher mitverfolgt: "Ich  musste lachen, weil ausgerechnet mein Mann die Fotos gemacht hat. Aber solche Fotos macht er immer," sagte die Hanauerin stolz und fügte an. "Kai war sehr traurig, dass er nicht hier sein kann."

Steffi Nerius, Weltmeisterin im Speerwurf und Fair Play Botschafterin, beglückwünschte die Preisträger. Die Spitzensportlerin zeigte "hohen Respekt" vor der sportlichen Geste, die von wirklichem "Fair Play Charakter" zeuge.

Fairplay eingeübt und trainiert

In der Kategorie "Sonderpreis" ging die Fair Play Auszeichnung an den VfB Oldisleben in Thüringen, der schon seit 2009 ein Fair Play Statut eingeführt hat, das die Jugendlichen mitentworfen haben. "Davon profitiert nicht nur der Verein, sondern auch die Schule des Ortes, denn hier erworbene soziale Kompetenzen werden auch in die Klasse gebracht" sagt Thomas Röber, der Vereinsvorsitzende. "Fußball spielen wir ohne Schiedsrichter, die Konflikte regeln die Jugendlichen selbst. Sie verstecken sich nicht hinter dem Schiedsrichter und es gibt keine Verbote." Der Fair Play Botschafter und Paralympics-Sieger Rainer Schmidt, der die Auszeichnung übergab, ist "verblüfft" über dieses Konzept, das in der Region auf viel Beachtung stößt. " Es gibt mittlerweile viele Anfragen von benachbarten Kreisen, die was ändern wollen", sagt Thomas Röber.

Gemeinsamer Preis von DOSB, Bundesinnenministerium und VDS

Die Preise übergaben in Wiesbaden der Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich, DOSB-Präsident Hans-Peter Krämer und der Vizepräsident des Verbandes Deutscher Sportjournalisten (VDS), Christoph Fischer.

"Wenn wir, also der Sport, die Bundesregierung und die Medien gemeinsam einen solchen Preis vergeben, dann ist das ein starkes Zeichen, dass hoffentlich weit in die Gesellschaft reicht", betonte Krämer. "Ich glaube fest daran, dass es uns gelingen kann, Respekt und Toleranz in der Gesellschaft zu vermitteln. Damit so etwas Schule macht, dafür vergeben wir diesen Preis."

Für Hans-Peter Friedrich, dessen Ministerium seit 1998 einen Fairplay Preis vergibt, hat Sport eine integrierende Funktion in die Gesellschaft. "Alle Tugenden, die den Sport auszeichnen, sind auch Tugenden, die eine funktionierende Gesellschaft ausmachen."

In den Medien werde Fair Play an Bedeutung gewinnen, "unabhängig davon, ob Preise vergeben werden oder nicht", sagte Christoph Fischer, der hervorhob das auch der VDS seit vielen Jahren einen Preis für Fairness im Sport auslobt. "Sportberichterstattung", so Fischer, "ist nicht ausschließlich auf Sieg und Niederlage ausgerichtet", sondern habe auch oft die Hintergründe im Blick.

Hintergrund:

Der „Fair Play Preis des Deutschen Sports“ wird 2013 erstmals gemeinsam vom Bundesministerium des Innern, dem DOSB und dem Verband Deutscher Sportjournalisten vergeben. Mit dem Preis werden Personen, Vereine und Initiativen ausgezeichnet, die sich im Bereich des Fair Play besonders stark engagieren. Dabei sollen die Preisträger als Vorbilder für die Gesellschaft gelten und den toleranten Umgang miteinander symbolisieren.

(Quelle: DOSB)

 
 

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