Zum Tode des Eiskunstlauf-Olympiasiegers Paul Falk

05.07.2017

Paul Falk (m.) ist tot. Der älteste deutsche Olympiasieger, der 1952 mit Ria Baran-Falk die Goldmedaille im Eiskunstlaufen geholt hatte, starb schon am 20. Mai im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in Queidersbach.

Die Eiskunstläufer Paul Falk und Ria Baran (M) gratulieren während der Siegerehrung im Februar 1952 bei den Olympischen Spielen in Oslo der Zweitplatzierten Amerikanerin Estelle Kennedy und ihrem Bruder zur Silbermedaille. Rechts die Bronzemedaillengewinner Marianna Nagy und Partner aus Ungarn. Foto: picture-alliance

Falk wird am 14. Juli im Ruheforst Pfälzerwald bei Bad Dürkheim beigesetzt. Dann kann auch die Tochter seiner zweiten Frau Uschi, Birgitt mit ihrer Familie aus den USA kommen und Abschied nehmen. 

Sie waren ihrer Zeit weit voraus, damals so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg: Ria Baran-Falk und Paul Falk, das weltbeste Paar, das  Traumpaar auf dem Eis. Bereits 1947 waren sie in Garmisch-Partenkirchen deutsche Meister geworden. Mit nur einer Woche Training auf dem Eis, denn damals gab es nur wenige Eisbahnen, und die, die es gab, lagen alle im Freien, was die Trainingsmöglichkeiten erheblich eingeschränkt hatte. Den Titel verteidigte die Falks  in jedem darauffolgenden Jahr  bis 1952. Erst als die Sperre für internationale Meisterschaften aufgehoben wurde, die deutschen Sportlern nach dem Zweiten Weltkrieg auferlegt worden war, also nach 1950, nahmen sie an Europa- und Weltmeisterschaften teil, holten beide Titel 1951 in Zürich und Mailand, und verteidigten sie, jetzt aber als Ehepaar, in Wien und in Paris.

Das Größte natürlich: ihr Olympiasieg 1952 in Oslo. Wären die deutschen Sportler 1948 nicht international gesperrt gewesen, Baran/Falk hätten auch schon 1948 in St. Moritz Gold geholt. Maxi Herber und Ernst Baier, die Olympiasieger von 1936, waren ihre Vorbilder, Carol und Michael Kennedy aus den USA ihre härtesten Konkurrenten und Marika Kilius und Hans-Jürgen Bäum-
ler dann ihre Erben.

Zu jener Zeit, als Mannschaften noch nicht zur Wahl standen, gewannen Falk/Baran gemeinsam die Herren-Wertung „Sportler des Jahres“, Ria Baran war zudem 1950, 1951 und 1952 Sportlerindes Jahres. Der starke Athlet Paul Falk und die so schön tanzende Künstlerin Ria Baran, waren ein Paar
ohne Affären und Skandale, das blind aufeinander abgestimmt war und eigentlich immer ohne Trainer arbeitete. Sie zeigten  als erstes Paar doppelte, gedrehte Hebesprünge und den Schleuder-Axel. Sie begeisterten auf dem Eis, überzeugten zu Beethovens mächtiger Egmont-Ouvertüre in den ersten eineinhalb ihrer Fünf-Minuten-Kür.

„Wir waren unserer Zeit wirklich weit voraus, haben den Paarlauf um zehn Jahre weiter gebracht“, hatte Paul Falk zum Besten geben. Wenn er erzählte, wie etwa vor zwei Jahren mit klarer Stimme in einer Veranstaltung des Sportbundes Pfalz in Kaiserslautern, spürten die Zuhörer, dass er aus einer ganz anderen Zeit kam. Er begeisterte sein  großes Publikum. Mit 93 – und mit
hellen wachen Augen, mit einer scheinbar nie verloren gegangenen Energie, mit jungenhaften Witz und großer Ernsthaftigkeit. Ria Baran habe ihm noch vor dem Krieg mal gesagt: „Wenn ich deine Hand in der Hand halte, dann kann ich die Augen zu machen und doch dorthin kommen, wohin ich will“ erzählte Falk.

Den ältesten noch lebenden deutschen Olympiasieger hatte es vor bald 20 Jahren mit seiner zweiten Frau Uschi in die Pfalz verschlagen, in „dieses herrliche Fleckchen Erde“, in das Radfahrerdorf Queidersbach bei Kaiserslautern. Ihn, den Großstädter aus Dortmund, der als Kind lieber Borussen-Fußballer werden wollte, aber eben als Rollschuhläufer in den Straßen rund um den Dortmunder Borsigplatz auffiel. Das war Mitte der 30er Jahre, die Olympischen Spiele in Berlin hatten ihn dann gepackt.

Als Paar auf den Rollschuhen sorgten sie auch nach dem Krieg noch für Schlagzeilen. Der Weltreisende in Sachen Sport kam über Berlin und den dortigen Sportpalast, über Krefeld, Garmisch und die USA nach Düsseldorf, wo er mit seiner Frau Ria nach dem Karriereende 1958 bis zu ihrem Tod 1986 „eine Pension in einem wunderschönen Haus“ führte, gekauft mit dem bei „Holiday
on Ice“ eingelaufenen Geld. Mit dem Olympiagold hatten ihre lupenreinen Amateurjahre geendet, davor hatten sie keinen einzigen Wettbewerb verloren und waren nie für Geld gelaufen. „Das war zu dieser Zeit verpönt“, sagte Falk.

Die Sportsendungen im Fernsehen interessierten ihn bis zuletzt. Kurz vor seinem 95. Geburtstag, also kurz vor Weihnachten 2016, hatte er sogar das Südwestrundfunk-Team von Michael Dittrich empfangen, zusammen mit Norbert Müller, dem „Olympia“-Professor aus Mainz, mit dem er bis zuletzt regen Kontakt pflegte. Aber Paul Falks Kräfte ließen damals noch nach.

(Autor: Klaus D. Kullmann)


 
 

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