Auswirkungen des demographischen Wandels auf den Sport – Die signifikanten Schnittstellen
Über Zahlen und Auswirkungen des demographischen Wandels lassen sich eine Reihe inhaltlicher Schnittstellen zum organisierten Sport herleiten. Die Rollen beider Bereiche sind dabei als höchst unterschiedlich anzusehen: Während dem demographischen Wandel der Part eines den Gesamtrahmen vorgebenden bzw. begrenzenden Elementes zukommt, wird sich der Sport zunehmend als ein sich anpassender, demographische Spielräume gestaltender Akteur wiederfinden.

Kinder- und Jugendsport: Trotz des Geburtenrückganges der letzten Jahre konnte die Zahl der Kinder und Jugendlichen im Sport weiter gesteigert werden. Durch den demographischen Wandel wird die Anzahl der unter 18-Jährigen in Deutschland jedoch deutlich zurück gehen. Somit könnte sich auch die Zahl der Vereinsmitglieder im Kinder- und Jugendbereich bis 2030 deutlich reduzieren. Würde man den demographischen Wandel eins zu eins auf den Sport übertragen ist bundesweit ist mit einem Rückgang von derzeit 7,8 Millionen auf weniger als 6 Mio. Mitgliedschaften zu rechnen (-23%). Der vereins- und sportartenübergreifende Wettbewerb um die jungen Talente dürfte damit in vielen Regionen vehement an Schärfe gewinnen. Spiel- und Wettkampfgemeinschaften sowie variable Mannschaftsgrößen rücken mehr und mehr in den Fokus der Vereine. Andererseits bietet der demographische Wandel auch die Chance, bisher nicht erreichte Kinder und Jugendliche zu gewinnen und sich verstärkt um neue Zielgruppen zu kümmern. Weitere Informationen unter: www.dsj.de.

Familie und Sport: Weitere nachhaltige Auswirkungen des demographischen Wandels sind das Ausdünnen von familiären und verwandtschaftlichen Verhältnissen bzw. Bindungen. Gleichzeitig prägen Arbeitsstress, Zeitnot und berufliche Mobilität den Alltag vieler Elternpaare. Anders ausgedrückt: Wo Omi um die Ecke oder große Geschwister immer seltener werden, sind häufig echte Management-Qualitäten gefragt, ist jede freie Minute kostbar. Mit familienfreundlichen Vereinsangeboten, Betreuungszeiten und in Bündnissen vor Ort (Schulen, Kindergärten etc.) kann der Sport hier unterstützend wirken. Obwohl die Familie von jeher eine wichtige Zielgruppe der Vereine ist, sollte sie in Zukunft noch mehr Beachtung erfahren. Auch weil hier das Verhältnis des Nachwuchses zum Sport geprägt und als Positivbestandteil der eigenen Biografie manifestiert wird. „Familie und Sport“ – ein zukunftsweisendes Arbeitsfeld des DOSB.

Sport der Älteren: Obwohl die Partizipation der "über 60-Jährigen" am Sport in der jüngeren Vergangenheit deutlich zugenommen hat, offenbaren demographische Daten auch zukünftig enorme Wachstumspotenziale. Bis 2030 dürfte sich die sich Zahl der Mitgliedschaften bei gleichbleibendem Organisationsgrad von derzeit 3,7 auf rund 4,6 Millionen erhöhen (+25%). Mit Programmen wie „Richtig fit ab 50“ oder aber „Bewegungsangebote 70+“ trägt der DOSB dieser Entwicklung bereits heute intensiv Rechnung. Dennoch gilt es auch weiterhin, gemeinschaftliche Wege in eine seniorengerechtere Sportwelt zu beschreiten – mutig und innovativ. Weitere Informationen unter: www.richtigfit-ab50.de.

Integration durch Sport: Bevölkerungswissenschaftliche Zahlen deuten darauf hin, dass sich der Ausländeranteil (derzeit ca. 9%) in den kommenden Jahrzehnten nochmals deutlich erhöhen, möglicherweise sogar verdoppeln wird. In vielen deutschen Großstädten kann bereits heute nicht mehr von einer Minorität die Rede sein. Für die Verbände und Vereine des Sports ist es daher von hoher Bedeutung, sich den Interessen und Bedürfnissen zugewanderter Menschen noch mehr zu öffnen. Insbesondere ausländische Mädchen und Frauen gilt es für das Sporttreiben zu gewinnen. Hier gibt es im Arbeitsfeld "Integration durch Sport" bereits sehr gute Ansätze und Praxisbeispiele, die neue Perspektiven aufzeigen. Weitere Informationen unter: www.integration-durch-sport.de.

Sport und Gesundheit: Die Gesundheit, ein Mega-Thema unserer Zeit, ist so eng wie kaum ein anderes mit dem demographischen Wandel verzahnt. Durchschnittsalter und Krankenkosten steigen bereits seit Jahren im Gleichschritt. Hinzu kommt, dass auch die Hochaltrigkeit in Deutschland rapide zunehmen wird. Der Bevölkerungsanteil der über 80-Jährigen wird sich von derzeit 4,1 Mio. über 6,3 Mio. im Jahr 2030 (+55%) auf etwa 10 Mio. im Jahr 2050 steigern (+145%). Hieraus resultieren für den Sport völlig neue Herausforderungen und Potenziale. (1) Gesundheitliche Prävention, (2) Aktivität und (3) Geselligkeit bis ins hohe Alter sind die Schlagworte der Zukunft. Wo sonst als im Verein oder in partnerschaftlichen Kooperationen mit Sozialträgern, Krankenkassen etc. ließen sich hierfür entsprechende Grundlagen schaffen? Weitere Informationen hierzu unter: www.sportprogesundheit.de.

Das Ehrenamt / Bürgerschaftliches Engagement: Nachhaltige Veränderung benötigt verantwortungsvolles Engagement. Bei der Bewältigung des demographischen Wandels ist im Sport insbesondere das Ehrenamt gefragt. Entscheidungsträger in Verein und Verband sehen sich in Zukunft mit immer komplexeren Aufgaben konfrontiert. Um einen Verein nach innen und in der Außenvertretung zukunftsfähig zu gestalten, braucht man kompetente und engagierte Führungskräfte. Vor Ort wird es auf eine enge Vernetzung mit den Akteuren in der Kommune ankommen. Parallel dazu muss das Sport- und Freizeitangebot bedürfnisgerecht und modern ausgerichtet werden. Mit anderen Worten: Organisation und Gestaltung des Vereinslebens sind beileibe keine Selbstläufer mehr, weshalb es hier einer sukzessiven Aufwertung des Ehrenamts bedarf – sei es mittels einer aktiven Anerkennungskultur, gezielter Aus- und Fortbildungen, flexibler Aufgaben- und auch Kompetenzverteilungen (Projektcharakter) oder der Gewährung geldwerter Vorteile (durch vergünstigte Nutzung öffentlicher Einrichtungen, Verkehrsmittel etc.). Weitere Informationen unter: www.ehrenamt-im-sport.de.

Sportstätten und Sporträume: Wie könnte sie aussehen, die Sportstätte der Zukunft? Klar ist, dass sich die Antwort hierauf verstärkt an den Wirkungsbereichen "Umwelt" und "Demographie" orientieren wird. (1) Ein Grundsatzentscheid des DOSB besagt, dass die optimierte Umweltverträglichkeit von Bau und Betrieb einzelner Sportanlagen als wesentliche und zugleich nachhaltige ökologische Kenngröße zukünftiger Vereins- und Verbandsplanungen anzusehen ist. Entsprechend vorrangig ist der bedarfsangepasste Zugriff auf Energie, Trinkwasser und weitere Ressourcen zu handhaben. (2) Parallel wird es darauf ankommen, genügend möglichst attraktive und wohnortnahe Sportstätten für alle Zielgruppen vorhalten zu können. Der Sanierungsstau stellt hier aktuell ein großes Problem dar. Eins ist sicher: Wo keine geeigneten Sportstätten vorhanden sind, lässt sich das Sportangebot auch nicht bedürfnisgerecht ausbauen. Es muss daher schon allein aus der gesellschaftspolitischen Verantwortung heraus Konsens sein, dass vor Ort auch bei einer negativen Bevölkerungsentwicklung keine Sportinfrastruktur abgebaut werden darf.

Kommunale Vernetzung / Politikfähigkeit des Sports: Eine enge kommunale Vernetzung ist unabdingbar, wenn der Sport nicht an Bedeutung verlieren möchte. Hier sollte man von beiden Seiten aufeinander zukommen. Bisher wird das Potenzial des Sports z.B. für die kommunale Gesundheitsförderung noch nicht ausreichend genutzt. Der Sport muss sich stärker einbinden und eingebunden werden, in das Stadtmarketing genauso wie in die kommunale Jugend-, Senioren- und Gesundheitspolitik. Eine Beteiligung des Sports an politischen Entscheidungen vor Ort ist für die Vereine unverzichtbar. Das fordert aber auch eine wachsende Politikfähigkeit des Sports und die Bereitschaft zur Mitarbeit in offensiven Kooperationen und Netzwerken. Gerade in Zeiten sinkender Steuereinnahmen und Haushaltsnotständen werden die Forderungen des Sports nur durch eine enge Verzahnung mit der Politik vor Ort erreicht werden. Somit kann gezielt eine "Lobby für den Sport" aufgebaut werden. Das ist auch für die Kommune wichtig, denn: Als übergeordnete „weiche Standortfaktoren“ entscheiden nicht zuletzt Umfang und Güte lokaler Sportinfrastrukturen über die Attraktivität einer Stadt. – Dies beherzigen Firmen, Investoren und vor allem Arbeitssuchende.









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